Auto Chess als Smartphone-App

Diese App bringt Millionen ans Telefon

Die neue App der Auto Chess-Erfinder ist deutlich bunter als die PC-Version und spielt sich besser.

Die neue App der Auto Chess-Erfinder ist deutlich bunter als die PC-Version und spielt sich besser. Zizouqi/kicker eSport

Auto Chess ist der angesagteste neue eSport schlechthin: Über acht Millionen Spieler am PC und bereits 2,3 Millionen vorbestellte Mobilversionen - die letzten sechs Monate müssen atemberaubend für die Entwickler des kleinen Drodo Studios gewesen sein, denn solange existiert Auto Chess erst. Gestartet ist der Hype als Modifikation von Dota 2. Innerhalb des Spiels von Valve ist es Entwicklern möglich, eigene Minispiele zu erstellen, und genau das hat auch Drodo getan.

Da die chinesischen Entwickler sich mit Valve allerdings nicht einig wurden, will der Spielehersteller nun seine eigene Version herausbringen, während Drodo zum nächsten großen Schritt ansetzt: Ein eigenes Spiel, und zwar ausschließlich für Smartphones. Knapp zwei Wochen steht Auto Chess für Android schon als europäische Beta-Version zum Download bereit, inklusive einer maschinellen deutschen Übersetzung. Wir haben uns das Spiel angesehen. Taugt es etwas?

Klein, aber flüssig

Der erste Eindruck ist gemischt: Alles ist deutlich kleiner als auf dem PC, die vielen Infos finden sich dicht gedrängt auf dem Smartphone-Bildschirm. Drodo hatte schon im Vorfeld durchblicken lassen, dass das Spiel optisch verspielter werden könnte als das martialische Dota 2. Genauso ist es auch gekommen, die Spielfiguren sind knallbunte Zeichentrickfiguren, die gut in Serien auftreten könnten. Allerdings stört die Optik das Spiel kaum.

So sieht das Spielinterface in der App aus.

So sieht das Spielinterface in der App aus. Zizouqi/kicker eSport

Auto Chess ist laut Entwickleraussage ein Spiel für Leute, denen MOBAs zu hektisch sind. Rundenbasiert werden Figuren aufstellt, die dann automatisch gegeneinander kämpfen. Wie das genau funktioniert, haben wir hier beschrieben. Die wichtigste Erkenntnis ist diese: Auto Chess Mobile ist exakt dasselbe Spiel wie jenes auf dem PC. Die Figuren, Klassen und Items sind dieselben, auch wenn freilich alles anders heißt und aussieht - Schließlich gehören Namen wie Tidehunter oder Kunkka zu Dota 2. Es braucht eine kurze Eingewöhnungszeit, aber jeder, der schon einmal Dota Auto Chess gespielt hat, wird sich nach spätestens einer Runde zurechtfinden.

Handhabung größter Pluspunkt

Die größten Pluspunkte sammelt die App zweifelsfrei mit ihrer Handhabung. Wo Auto Chess am PC hakelig und unpräzise ist, merkt man der mobilen Version an, dass sie von Grund auf neu entwickelt wurde. Hier geht alles flüssig von der Hand, die Elemente sind klein, aber sinnvoll angeordnet und besonders an der Dynamik hat Drodo gefeilt. So hat man in den ersten Runden, in denen es wenig zu tun gibt, auch weniger Zeit für seine Aktionen. Das bringt alle Spieler deutlich schneller in die Action.

Ebenso geht die Kombination der Figuren leichter von der Hand. Hat man drei zusammen, ist es egal, ob sie auf dem Feld oder auf der Bank stehen. Mit einem Klick auf einen Button werden sie zusammengefügt. Ähnlich verhält es sich auch bei den Gegenständen. Nun muss der Spieler nicht mehr den Überblick über alle vergebenen Items bewahren. Können zwei Stück zu einem stärkeren Gegenstand fusionieren, weist das Spiel darauf hin und kombiniert sie auf Tastendruck sogar auf der entsprechenden Figur.

Übersicht schlechter als am PC

Einziger negativer Punkt: Die Übersicht leidet etwas. Zum Beispiel ist es schwieriger, bei anderen Spielern zu schauen, mit welchen Kompositionen sie antreten und kämpfen. Bei den kleinen Figuren braucht es etwas Übung, um sie auseinanderhalten zu können.

Zusätzlich macht Drodo aus der ehemaligen Modifikation ein echtes Spiel. Die eigene Figur lässt sich optisch anpassen, es gibt Datenbanken, Shop, Chat und zum Start bereits zwei Spielmodi: Ranked und Normal. Am PC hat der Gamer ausschließlich das Spiel, das auf Basis von Dota 2 funktioniert.

Noch ist Auto Chess für das Smartphone in der Betaphase, viel dürfte aber nicht mehr passieren. Die App wirkt nahezu fertig, und geht im Juni bereits in die erste kompetitive Saison.

Auto Chess ist generell kein einsteigerfreundliches Spiel. Zu neu und anders sind die Mechaniken, und es wird eine Menge Wissen benötigt, um erfolgreich zu spielen. Drodo müht sich redlich, mit Tutorial und Datenbanken alles so zugänglich wie möglich zu machen. Allerdings ist die Übersetzung ins Deutsche noch immens fehlerhaft und verwirrt sehr. Nur Spieler, die mit Auto Chess vertraut sind, werden sich derzeit zurechtfinden.

Fazit

Der ursprüngliche Entwickler von Auto Chess hat sich starke Partner gesucht und mutmaßlich viel Geld in die Hand genommen. Die neue App ist gelungen, spielt sich flüssig und verbessert bereits zum Release an den hakligen Stellen der zugrunde liegenden Dota 2-Modifikation.

Ob sich hierzulande allerdings ein Smartphone-Spiel durchsetzen kann, ist höchst fraglich. Die kleinen Telefonbildschirme, die in Deutschland üblich sind, wirken etwas überfrachtet mit den vielen Infos. Investiert der Spieler jedoch etwas Eingewöhnungszeit, geht das Spiel gut von der Hand. Auf einem Tablet werden deutsche Gamer allerdings mehr Freude haben. Einen Eindruck von der App könnt Ihr Euch außerdem in unserer Galerie verschaffen.

Holm Kräusche

Auto Chess - So sieht die App aus