Requiem und Beisetzung in Wien

Das letzte Servus für Niki Lauda

Ein Bild von Niki Lauda auf am aufgebahrten Sarg im Wiener Stephansdom.

Ein Bild von Niki Lauda auf am aufgebahrten Sarg im Wiener Stephansdom. imago images

Nur ganz selten in seiner fast 900-jährigen Geschichte ist der berühmte Stephansdom derart eng gefüllt gewesen wie beim Requiem für Niki Lauda. Nachdem die knapp 500 Ehrengäste Platz genommen hatten im Mittelschiff, wurde der Haupteingang für die Bevölkerung geöffnet. Mehr als 2000 Personen strömten ins Innere, etliche Hundert aber mussten draußen auf dem Stephansplatz bleiben und trotzten dort dem Dauerregen, viele von ihnen ausgerüstet mit an Niki Lauda erinnernden roten Regenschirmen oder roten Kappen.

Laudas berühmter roter Helm schmückte den schlichten Sarg, der im Zentrum des Altarraums aufgebahrt worden war, eingerahmt von sechs weißen Kerzen. Den ganzen Morgen über hatte die Bevölkerung Gelegenheit gehabt, sich von dem als nationalem Idol verehrten Wiener zu verabschieden.

Zu seinen Ehren erlebte Österreichs Hauptstadt auch ein außergewöhnliches Aufgebot an bekannten Persönlichkeiten. Der im Internet von außerhalb der Kirche live berichtende Sender Oe24.TV sprach von einem "Promiauflauf vom Allerfeinsten". Auch Staatsoberhaupt Alexander von der Bellen wohnte dem Gottesdienst bei.

Insbesondere aus der Rennsportwelt kamen viele von denen, die mit Lauda über die Jahrzehnte aufs Engste verbunden waren: unter ihnen Toto Wolff, als Mercedes-Sportchef erster Partner von Lauda bei der Führung des Formel-1-Teams; Nico Rosberg, der unter Laudas Anleitung 2016 Formel-1-Weltmeister wurde; Laudas Landsleute Alexander Wurz und Gerhard Berger, der mit bewegenden Worten an den Verstorbenen erinnerte; der fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton, der den Sarg nach dem Requiem auf dem Weg zur Kirche hinaus begleitete, ehe der auf einen Friedhof im 19. Wiener Stadtbezirk überführt wurde; und Alain Prost, der beim Trauergottesdienst die Bibellesung übernahm und den Lauda als McLaren-Teamkollege bei seinem dritten Titel 1984 um einen halben Punkt distanziert hatte, der knappste WM-Ausgang der Geschichte.

Laudas berühmter roter Helm auf dem Sarg der Formel-1-Legende.

Niki Laudas berühmter roter Helm auf dem Sarg der Formel-1-Legende. imago images

Über Laudas eigentlichen Sport hinaus waren auch andere bekannte Sportpersönlichkeiten Österreichs gekommen, unter ihnen Abfahrts-Olympiasieger Karl Schranz (80) oder Hermann Maier, der mit seinem fulminanten Sturz von Nagano den vermutlich zweitbekanntesten Sportunfall eines Austria-Athleten produziert hatte. Der Feuerunfall Laudas aus dem Jahr 1976 wird sicherlich einzigartig bleiben.

Der Ansprache von Dompfarrer Toni Faber ("Sterben ist nicht nur Verlust. Für uns Christen kann Sterben auch ankommen und heimkommen bedeuten. Wir beten in dieser Stunde, dass Niki angekommen ist. Gott hat in besonderer Weise über Nikis Laudas Leben gewacht.") folgte vor Ort auch der ehemalige kicker-Mitarbeiter Heinz Prüller (78). Rund 15 Jahre berichtete er von den Formel-1-Schauplätzen in aller Welt - und nur ganz wenige Reporter waren näher an Lauda dran als Prüller. In einem Telefonat in der vergangenen Woche schilderte der erschütterte Prüller, wie er in den Tagen vor Laudas Tod eine dunkle Vorahnung verspürt hatte. Ganz besonders die letzten Worte der über mehr als 50 Jahre eng miteinander verbundenen Männer werden Prüller stets in Erinnerung bleiben: "Er hat ja immer gesagt, dass er keine Freunde hat. Bei unserem letzten Telefonat, es ist gar nicht lange her, hat er sich von mir verabschiedet mit den Worten: Mach's gut, mein Freund."

Stefan Bomhard

kicker.tv Hintergrund

"Legenden sterben niemals" - Die Sportwelt verabschiedet sich von Niki Lauda

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