Kommentar kicker-Reporter Michael Richter

Variante mit Herzblut - und Risiko

Mirko Slomka und Jan Schlaudraff

Rückbesinnung auf bewährte Kräfte: Mirko Slomka und Jan Schlaudraff. imago images

Jetzt gilt es für die neuen Gestalter beim Absteiger, mit gelebter Aufbruchsstimmung zu überzeugen. Die Liaison eines letztlich sang- und klanglosen Bundesliga-Absteigers mit einem scheinbar nicht mehr gefragten Trainer, der zuletzt als Taktik-Experte im Fernsehen in Erinnerung blieb, spaltet die Öffentlichkeit erst einmal in Skeptiker und Befürworter. Dass der letzte in Hannover über längere Zeit erfolgreiche Coach in eine zweite Amtszeit startet, lässt diejenigen frohlocken, die sich an den Aufschwung nach der Enke-Tragödie 2009 bis in die Europa League 2011 und 2012 zurückerinnern. Begleitet war die Zeit schließlich von dem seit langem schönsten Fußball, den das niedersächsische Publikum zu sehen bekam. Doch schaudert auch vielen, wenn sie sich an den Ausklang der ersten Amtszeit Slomkas erinnern. Dessen kritisch-kongenialer Partner, Manager Jörg Schmadtke, hatte den Klub bereits genervt verlassen - sportlich fehlte dem Coach seinerzeit ein Plan B, als die unter ihm implantierte DNA eines perfekten, schnellen Umschaltspiels von der Konkurrenz entschlüsselt worden war. In der 2. Liga nun mehr Konzepte parat zu haben, kündigte der Geläuterte bereits an.

Wer stimmte Kind um?

Ein wenig verwundert derweil, warum Martin Kind nach langem Casting letztlich wieder bei Slomka landete, den er grundsätzlich zwar schätzt und sich auch regelmäßig mit ihm austauschte, den er aber noch bis vor kurzem kategorisch als neuen Mann auf der Kommandobrücke ausschloss. Welche einflussreichen Kräfte in - vielleicht auch: um - Hannovers Profiboss bei der Entscheidung wirkten und zu dieser Wende führten, bleibt offen. Klar scheint aber: Der neue Sportdirektor Schlaudraff, als Spieler ein Bestandteil, aber auch kritischer Geist der ersten Slomka-Ära, gehört eher nicht dazu.

kicker-Redakteur Michael Richter

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Dass Schlaudraff und Slomka künftig professionell im Sinne des Vereins zusammenwirken, ist ihnen absolut zuzutrauen. Ob das Duo nachhaltig Bestand haben wird, muss dennoch die Zeit zeigen. Ihr Bonus: Es ist auf jeden Fall eine Variante mit Herzblut und Insider-Verstand, denn beide Macher sind mit dem Verein und der Region fest verbunden. Alles andere entscheiden künftig ohnehin hauptsächlich der Erfolg und das äußere Erscheinungsbild, dieses Risiko bleibt. Erst recht in Hannover.

Rückbesinnung auf einst bewährte Kräfte oder doch eher ein weiterer Rückfall? In der bevorstehenden, schwierigen Zweitligasaison 2019/20 muss sich zeigen, ob das jetzt gewählte Konstrukt tragfähig ist. Ein ziemlicher Druck auch für Übervater Martin Kind, der bei einem abermaligen Scheitern seiner Personalpolitik eine Liga tiefer endgültig vor den Trümmern seines langen sportlichen Schaffens stünde.

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Slomka zurück bei Hannover: "Fühle mich pudelwohl"

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