Hannover: Rückkehrer vor zweiter Amtszeit

Motivierter Slomka: "Werden die Ärmel hochkrempeln"

Schlaudraff, Kind und Slomka

Aus diesen Mienen spricht Zuversicht: Jan Schlaudraff, Martin Kind und Mirko Slomka (v. l.). imago

Das verschmitzte Lächeln, der markante Augenaufschlag - fast schien es, als sei tatsächlich die Uhr ein wenig zurückgedreht worden, als sich Mirko Slomka am Dienstag als neuer Trainer vorstellte - bei Hannover 96, jenem Verein, den er seine "Heimat" nennt und bei dem er von Januar 2010 bis Dezember 2013 schon einmal als Chefcoach gearbeitet hatte.

Tatsächlich aber rennt die Zeit: Schon in weniger als drei Wochen bittet der Absteiger zum Trainingsauftakt. "Ich bin total motiviert, mit diesem Klub wieder schöne Momente zu erleben. Ich fühle mich angekommen und werde alles dafür tun", zeigte sich der 51-Jährige hoch erfreut, bei den Niedersachsen einen Vertrag bis 2021 abgeschlossen zu haben. "Wir werden die Ärmel hochkrempeln - so, wie es in der 2. Liga notwendig sein wird."

Ziel ist der Wiederaufstieg.

Martin Kind

Denn Slomkas Mission wird von Martin Kind klar definiert. "Ziel ist der Wiederaufstieg", so der 75-jährige Vereinsboss, der dies anders als zuvor allerdings nicht ultimativ forderte. Man sei bemüht, zur neuen Saison eine schlagkräftige Mannschaft beisammen zu haben, um nach dem Jahr des Niedergangs verlorenes Vertrauen zurück zu erlangen. Die künftige Philosophie, die Slomka und der als neuer Sportdirektor ebenfalls am Dienstag präsentierte Jan Schlaudraff erstellt haben, sei allerdings noch nicht vollumfänglich umzusetzen, so Kind. "Deshalb haben wir intern auch eine Mittelfrist-Planung hinterlegt. Sie haben als Absteiger keine lange Zeitachse, idealerweise dauert es mit der Rückkehr nur eine Saison. Die Strukturen und eine gewisse Basis sind da."

Mit dem Abstieg des VfB Stuttgart freilich sei die Konkurrenz im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg noch einmal größer geworden. "Wir können uns mit allen in dieser 2. Liga messen", strahlt Slomka dennoch die gewünschte Zuversicht aus. "Wichtig ist, dass ich es schaffe, meine Spieler zu begeistern. Wir haben den Auftrag, eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die eine erfolgreiche Zukunft hat."

Optimistischer Schlaudraff: "Klare Hierarchie"

Rückenwind gibt ihm Jan Schlaudraff. "Wir werden versuchen, positiv zu überraschen. Die Jungs die da sind, und die Spieler, die noch kommen, werden in der Lage sein, zu marschieren." Der 35-Jährige, einst Mitglied der erfolgreichen Hannoveraner Europa-League-Mannschaft unter Slomka in den Jahren 2011 und 2012, erhält als Sportdirektor einen Vertrag bis 2022. Das neue Rollenverständnis ist für ihn eindeutig: Als Funktionär soll er die Richtung vorgeben und den Kader planen. "Da sehe ich keine Probleme. Früher war die Hierarchie zwischen uns klar, jetzt auch wieder."

Keine Übereinkunft mit Anfang und Kocak

Für den Posten des Trainers hatten sich in den letzten Tagen vor allem Markus Anfang (ehemals Köln) und der frühere Sandhäuser Kenan Kocak als aussichtsreichste Kandidaten herausgestellt. Als sich mit keinem der beiden eine Übereinkunft realisieren ließ, nahm 96 Abstand von dem Duo und forcierte die auch schon früher möglich gewesene Variante mit dem vereinslosen Slomka. Ähnlich das Prozedere bei Schlaudraffs letztendlicher, schneller Beförderung vom ursprünglich angedachten Posten des Assistenten der sportlichen Leitung hin zum Sportdirektor. Kind: "Wir haben sehr viele Gespräche mit guten Kandidaten geführt und uns zum Schluss auf wenige reduziert." Dass 96 von einigen favorisierten Anwärtern jedoch auch Absagen erhielt, wollte der Unternehmer nicht bestätigen.

Kind streicht hohe Identifikation des Duos heraus

Mit Schlaudraff und Slomka, deren Verhältnis in der Vergangenheit eher als konstruktiv-kritisch denn als harmonisch einzustufen war, hat Martin Kind die von ihm favorisierte "Hannover-Lösung" umgesetzt: "Beide identifizieren sich mit 96 und haben eine erfolgreiche Zeit als Spieler und Trainer hier erlebt." Jetzt soll es unter veränderten Vorzeichen noch einmal funktionieren.

Michael Richter

kicker.tv Hintergrund

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