Stuttgart steigt in die 2. Bundesliga ab

Geld, Kader, Kabak: Was ein Abstieg für den VfB bedeutet

Christian Gentner, Wolfgang Dietrich und Ozan Kabak (v.l.)

Abstieg - und jetzt? Diesmal hat er wohl weitreichendere Folgen als 2016. imago images (3)

Stuttgart hat es nicht geschafft, das 0:0 bei Union Berlin war zu wenig nach dem 2:2 im Hinspiel. Der Abstieg (es ist der dritte nach 1975 und 2016) hat weitreichende Folgen.

Die Finanzen

Die Lizenz hat der VfB sowohl für die 1. als auch für die 2. Liga ohne Bedingungen erhalten, gleichwohl muss er den Gürtel enger schnallen. Der Umsatz wird sich von aktuell annähernd 140 Millionen Euro mindestens auf rund 100 Millionen verringern. In dieser Saison erhielt die VfB AG aus der Vermarktung der nationalen Medienrechte 39,815 Millionen Euro, dazu kamen 8,181 Millionen Euro aus der internationalen Vermarktung durch die DFL. Aus diesen rund 48 Millionen Euro werden als Zweitligist 26 Millionen Euro, also etwa 22 Millionen Euro weniger.

Spielersteckbrief Philipp

Philipp Maximilian

Spielersteckbrief Kabak

Kabak Ozan

Die Mannschaft

Aktuell belaufen sich die Gehälter im 25-Mann-Kader auf knapp 60 Millionen Euro. Ein Minus von mindestens 30 Prozent ist avisiert. Benjamin Pavards Abschied zum FC Bayern für 35 Millionen Euro steht fest, die Verträge von Dennis Aogo, Christian Gentner und Andreas Beck laufen aus. Von den sieben zunächst zurückkehrenden Leihspielern (Orel Mangala, Marcin Kaminski, Ailton, Ebenezer Ofori, Hans Nunoo Sarpei, Roberto Massimo, Anto Grgic) bleibt nur Mangala sicher.

Fast alle Profis sind mit abgespeckten Verträgen auch für die 2. Liga gebunden - bis auf Ozan Kabak: Der Innenverteidiger, der im Winter für 11,5 Millionen Euro von Galatasaray gekommen war, kann nun per Klausel für 15 Millionen Euro gehen. Mit Mateo Klimowicz (Cordoba) und Atakan Karazor (Kiel) hat der VfB - neben Trainer Tim Walter (Kiel) - bereits zwei Neuzugänge für die neue Saison verpflichtet, Philipp Klement (Paderborn) soll der dritte werden. Weitere sind geplant, darunter war auch Dortmunds Maximilian Philipp; der wäre allerdings nur bei Klassenerhalt ein Thema geworden.

Selbst bei Klassenerhalt sollte Wolfgang Dietrich zurücktreten.

Thomas Berthold im kicker

Das Umfeld

Der Abstieg 2016 hatte gar eine Art Euphorie ausgelöst, der VfB reichlich Dauerkarten verkauft und neue Mitglieder gewonnen. Diesmal droht eine nüchternere Reaktion. Vor allem der Druck auf Präsident Wolfgang Dietrich wird weiter steigen. "Selbst bei Klassenerhalt sollte Wolfgang Dietrich den Weg für einen Neubeginn freimachen und zurücktreten", schrieb der frühere VfB-Profi Thomas Berthold am Montag in seiner kicker-Kolumne. "Wenn Stuttgart erneut absteigt, ist er für mich eh nicht mehr zu halten." Am 14. Juli steht die Mitgliederversammlung auf dem Programm, zwölf Tage vor dem Start der Zweitliga-Saison.

Bis dahin, genauer gesagt bis zum 30. Juni, will Dietrich einen zweiten Investor präsentiert haben. Bislang hält Daimler 11,75 Prozent der Anteile - insgesamt will der VfB 24,9 Prozent verkaufen. An dem Plan soll auch der Abstieg nichts ändern. "Ein Partner, der so einen Fall nicht akzeptiert, wäre auch der falsche", hatte Dietrich schon vor Wochen gesagt.

Die Wiederaufstiegschancen

2016/17 war Stuttgart neben Hannover 96 wegen der damaligen finanziellen und sportlichen Ausgangssituation als klarer Favorit auf den Wiederaufstieg ins Rennen gegangen, diesmal ist die Lage wohl anspruchsvoller: Der VfB muss sich mit Hannover, aber auch dem 1. FC Nürnberg und dem HSV messen, die beide ebenfalls offensiv den Aufstieg anpeilen. Mindestens einer aus dem Quartett wird sicher leer ausgehen.

George Moissidis/jpe

Bilder zur Partie 1. FC Union Berlin - VfB Stuttgart