Die ERGO-FAN-REPORTER im kicker

Berlin, Berlin, wir berichten aus Berlin!

Die ERGO-Fan-Reporter vor dem Olympiastadion: Felix Lampert, Nico Ditter, Dr. Norman Rudschuck, Tim Schelenz und Daniel Hock (von links).

Nico Ditter (21) aus Stuttgart

Neuer pariert bärenstark, Lewandowski trifft eiskalt.

Gänsehautatmosphäre vor 74322 Zuschauern im Berliner Olympiastadion: Der FC Bayern München setzt sich im 76. DFB-Pokal-Finale mit 3:0 gegen RB Leipzig durch und sichert sich das zwölfte Double der Vereinsgeschichte. Rückkehrer Manuel Neuer lieferte nach seiner Verletzungspause ein sehr starkes Comeback.

Leipzig erwischte zunächst den besseren Start und hatte in der 11. Minute die große Möglichkeit zur Führung. Nach einem Eckball scheiterte Yussuf Poulsen am glänzend reagierenden Neuer, er den Ball reflexartig an die Latte lenkte. Aus dem Nichts erzielte Robert Lewandowski dann den Führungstreffer in der 29. Minute. Nach einer Flanke von David Alaba traf der Pole sehenswert per Kopf. Emil Forsberg vergab nach dem Wiederanpfiff die große Chance zum Ausgleich. Nach einem Pass von Ibrahima Konaté tauchte der Schwede frei vor Neuer auf. Der Torhüter gewann das Eins-gegen-eins-Duell und rettete die Führung. Danach übernahm der FCB die Kontrolle und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt.

Der Rekordmeister legte durch Kingsley Coman nach, der nach einer Flanke von Joshua Kimmich einen Haken schlug und dann eiskalt zum 2:0 einnetzte. In der 85. Minute war es dann wieder Lewandowski, der nach einem Befreiungsschlag dem eingewechselten Dayot Upamecano davoneilte und den Ball cool über den guten Peter Gulacsi lupfte. Mit diesem Treffer war das Spiel entschieden.

Die Fans durften den verdienten 19. Pokal-Triumph des FC Bayern sowie die letzten gemeinsamen Minuten von "Robbery" im Bayern-Trikot bejubeln.

Leipzig: Gulacsi (2,5) - Klostermann (3,5), Konaté (3; 82. Haidara), Orban (3; 70. Upamecano), Halstenberg (3) - Sabitzer (4,5), Adams (4; 65. Laimer), Kampl (3,5), Forsberg (5) - Werner (5), Poulsen (3,5) - Trainer: Rangnick
FC Bayern: Neuer (1,5) - Kimmich (3,5), Süle (3), Hummels (2), Alaba (3) - Javi Martinez (3,5; 65. Tolisso), Thiago (2,5) - Coman (2,5; 87. Ribery), Müller (4,5), Gnabry (4; 73. Robben) - Lewandowski (1,5) - Trainer: Kovac Schiedsrichter: Stieler (2)

Tim Schelenz (27) AUS OBERNSEES

Die besondere Krönung für Kovac in der Heimatstadt.

Dass Berlin eine Reise wert ist, wussten die Spieler und Verantwortlichen des FC Bayern nicht erst seit vergangenem Samstag. Da wäre zum einen Manuel Neuer. Nach seiner mehrwöchigen Verletzung wurde lange Zeit spekuliert, wann und ob er in dieser Saison überhaupt noch einmal auflaufen kann. Bis Freitag wurde gerätselt, wer nun für die Bayern das Tor hüten würde, da Sven Ulreich sich als würdiger Stellvertreter erwiesen hatte. Niko Kovac war klar, dass er seinen Kapitän aufstellen würde, da Neuer "ein wichtiger Eckpfeiler dieser Mannschaft" sei. Neuer dankte es Kovac mit zwei Weltklasse-Paraden im Finale und unterstrich dadurch seinen Anspruch, immer noch Stammtorhüter in der DFB-Auswahl zu sein.

Da sind zum anderen Franck Ribery und Arjen Robben. Auch wenn es für beide nicht für die Startelf oder eine Torbeteiligung gereicht hat, war es für "Robbery" der perfekte Abgang nach zehn bzw. zwölf erfolgreichen Jahren in München.

Und dann wäre da noch die Personalie Niko Kovac. Letztendlich hat es der Kroate mit dem "Double" (+ Supercup) allen Kritikern gezeigt, die ihn nach dem 3:3-Unentschieden im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf Ende November schon gerne entlassen hätten. Seit Samstag ist Kovac der Erste, der als Spieler und Trainer den Gewinn des Doubles geschafft hat. Und das ausgerechnet in der Stadt, in der er vor 47 Jahren geboren wurde.

Das Fazit der Saison 2018/19 der Bayern könnte wie ein Drama von Shakespeare lauten: Ende gut, alles gut.

Daniel HOCK (33) AUS BERLIN

Ein rasantes Spiel und eine gute Werbung für die Liga.

Es war das erwartete Duell auf Augenhöhe. RB Leipzig setzte auf das bewährte Stilmittel und ließ Bayern mit hohem Pressing und frühem Ballgewinn in der ersten halben Stunde nicht zur Entfaltung kommen. Es war einmal mehr die Klasse von Robert Lewandowski, die die Bayern ins Spiel brachte. Bis dahin zeigte Manuel Neuer, wie wichtig es war, dass er rechtzeitig fit wurde. Man kann nur spekulieren, wie das Spiel verlaufen wäre, hätte Poulsens Kopfball den Weg ins Tor gefunden.

Auch nach der Halbzeit kam zunächst Leipzig wieder besser ins Spiel, aber Manuel Neuer entschärfte auch die Großchance von Emil Forsberg. Mit zunehmender Dauer ließen die Kräfte bei RB nach, und auch der Wechsel auf die Dreierkette brachte nicht mehr den gewünschten Erfolg.

Viel war im Vorfeld über die mangelnde Finalerfahrung bei RB gesprochen worden. Dies war in meinen Augen nicht ausschlaggebend. Am Ende waren es die individuelle Klasse von Neuer, die Abgezocktheit von Lewandowski und die Genialität von Coman, die den Unterschied ausmachten.

Leipzig hat sich für seinen mutigen Auftritt nicht belohnt und dennoch den Bayern und uns einen packenden Kampf und einen tollen Pokalabend geboten. Es bleibt zu hoffen, dass Leipzig an diese hervorragende Saison anknüpft, denn es war phasenweise ein rasantes Fußballspiel und eine gute Werbung für die Bundesliga.

Felix Lampert (22) AUS ESSEN

Auch die Leipziger hatten den Applaus verdient.

Der FC Bayern ging bereits vor dem Anpfiff mit 1:0 in Führung, jedenfalls was die Stimmung auf dem Fan-Fest betraf. Während es die Anhänger von RB Leipzig um die Mittagszeit noch ruhig angehen ließen, verbreiteten die aus München mitgereisten Schlachtenbummler am Alexanderplatz Endspielstimmung. Vor allem der schärfste Konkurrent der Münchner in der abgelaufenen Bundesligasaison bekam dabei sein Fett weg. Immer wieder skandierten die FCB-Fans höhnisch: "Wer wird Deutscher Meister, BVB Borussia? Wer wird Deutscher Meister, Borussia BVB?"

Doch von der ausgelassenen Atmosphäre wenige Stunden vor Spielbeginn war in den ersten 29 Minuten, als das Team der Leipziger ein klares Übergewicht und auch einen Lattenkopfball zu verzeichnen hatte, nicht mehr viel zu sehen. Dann aber erzielte Robert Lewandowski das Führungstor und versetzte die rot-weiße Kurve in Ekstase. Die RB-Fans mussten zwei weitere Gegentreffer mitansehen. Trotz der Enttäuschung - es wäre der erste nationale Titel in der jungen Vereinsgeschichte gewesen- würdigte der Leipzig-Block den Auftritt des Teams mit aufmunterndem Applaus.

Auf der anderen Seite starteten die Bayern die Pokalsause mit der Trophäe. Thomas Müller stimmte mit Megafon in der Hand die Humba vor der Kurve an, und auch Trainer Niko Kovac gesellte sich zu den Feierlichkeiten. Die Sprechchöre, die durch das weite Rund hallten, dürften dem 47-Jährigen angesichts der oft formulierten Zweifel an ihm sehr gut getan haben, was er auch mit einer Verbeugung vor den Fans honorierte.

DR. Norman Rudschuck (37) AUS HANNOVER

Bullen gegen Bären oder "Bulli gegen "Berni".

Berlin, an diesem Wochenende Hauptstadt des Fußballs. Einst arm, aber sexy. Am Samstag Schauplatz von Reich gegen Reicher. Leipzig vs. Bayern. Rund 770 Millionen Euro Marktwert hat der bajuwarische Kader, auf gut 430 Millionen Euro kommt das Leipziger Allerlei. Übertragen auf Maskottchen könnte man sagen: Bullen gegen Bären. Was im Börsenjargon für aufstrebenden Trend gegen Abschwung steht, wurde ein Finale auf Augenhöhe, welches die erfahrenen Münchner verdient für sich entschieden. "Bulli" und "Berni" sind Symbole für stark auftretende Klubs. RasenBallsport feierte kürzlich sein zehntes Gründungsjubiläum, den FC Bayern gibt es seit mehr als 119 Jahren. Die "Bestia Negra" bat sozusagen im Wohnzimmer der Alten Dame Hertha zum Debütantenball. Tradition siegte über die Moderne.

Obwohl beide Teams in der kommenden Saison für die Champions League qualifiziert sind, gab es keinen klaren Favoriten. RB Leipzig hatte vor dieser Saison noch nie das Viertelfinale erreicht, darf sich die Wunden dank 3,5 Millionen Euro Einnahmen als Finalunterlegener lecken. Der Bär hat den Bullen streckenweise das Fürchten gelehrt und streicht weitere 4,5 Millionen Euro allein durch den Finalsieg ein. Insgesamt wurden im DFB-Pokal rund 52 Millionen Euro ausgeschüttet.

Für Geld lässt sich dieses Pokalerlebnis nicht kaufen. Die Stimmung rund um das Finale ist nicht nur dank der Zuschauer im Stadion unbezahlbar.