In Leipzig überwiegt Zufriedenheit

RB zwischen Party, Stolz und Wehmut

Ralf Rangnick

Applaus: Ralf Rangnick. imago images

Die bejubelten die Mannschaft und Trainer Ralf Rangnick frenetisch, und nachdem der RB-Tross mit dem Bus die gut zwei Kilometer vom Hauptbahnhof bis zur Festwiese an am Stadion zurückgelegt hatte, warteten dort nochmal 5000 bis 6000 Fans.

Stadionsprecher Tim Thoelke die Spieler einzeln und nacheinander auf die Bühne, und die Anhänger ließen es sich nicht nehmen, die von einer langen Nacht im angesagten Berliner "Bricks Club" gezeichneten Akteure mit tosendem Jubel zu bedenken. Mit am lautesten wurde es, als Ralf Rangnick die Bühne betrat, und der Coach sprach dann nochmal zu den Anhängern.

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Rangnick bedauert: "Es war mehr drin"

"Wir sind alle relativ müde, weil wir nicht viel geschlafen haben", sagte Rangnick, "wir waren am Samstag alle schon sehr bedröppelt und sehr traurig, weil wir natürlich alle gespürt haben, dass mehr drin war." Aber am Tag, fügte der RB-Trainer hinzu, "fühlt es sich schon nicht mehr ganz so schlimm an. Und in den nächsten Tagen wird vor allem eins überwiegen: Der Stolz über die absolut herausragende Saison, die wir gespielt haben."

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In die gleiche Kerbe schlugen am Sonntag auch seine Spieler. Auch, wenn man ihnen die Enttäuschung immer noch deutlich anmerkte. "Es tut immer noch weh", sagte etwa Emil Forsberg, "wir hatten die Chance, Geschichte zu schreiben und haben das leider nicht gemacht. Wenn du mit 0:3 verlierst, dann ist das auch verdient verloren."

Forsbergs Erkenntnis

RB-Fans

Großer Beifall: RB-Fans. imago images

Forsberg selbst hätte der Partie möglicherweise nochmal eine neue Wendung geben können, als er nach 48 Minuten allein vor Manuel Neuer auftauchte, aber am National-Keeper scheiterte. Der schwedische Offensivstratege gab zu, in der Nacht von Samstag auf Sonntag "nicht so viel über das Spiel nachgedacht" zu haben, "sondern über meine Chance. So ist es im Fußball, manchmal machst du Tore und manchmal nicht."

Auch Forsberg ist der Meinung, dass RB keinen Grund hat, sich fundamental zu grämen. "Ich finde trotzdem, wir haben eine tolle Saison gespielt", sagte der 27-Jährige, "wir haben uns super entwickelt, und jeder freut sich auf nächstes Jahr. Wir haben über weite Strecken überragende Spiele gemacht."

Auch Willi Orban ist der Ansicht, dass die RB Saison 2018/19 insgesamt "sehr gut war. Wir haben uns für die Champions League qualifiziert, das ist schon eine coole Sache." Nach anfänglichen Schwierigkeiten sei RB stetig besser geworden, so der Kapitän, "und spätestens ab der Rückrunde war es Wahnsinn, was wir gespielt haben."

Obwohl der ganz große Wurf in Form des Pokalsiegs nicht gelang, nehmen Orban und seine Kollegen aus ihre Endspiel-Premiere dennoch einiges mit. "Auch wenn wir verloren haben, war das Erlebnis generell überragend. Wir haben viel mitgenommen an Erkenntnissen, auch sportlich. Und diese Spiele, diese großen Abende, die willst du öfter erleben. Das hat schon Lust gemacht auf mehr. Das ist eine Riesenmotivation, in den nächsten Jahren vielleicht nochmal nach Berlin zu fahren."

Man hat gemerkt, dass uns der Killerinstinkt noch ein bisschen fehlt.

Willi Orban

Orban räumte ein, dass die Bayern in puncto Abgebrühtheit und Effektivität RB noch etwas voraus seien. "Man hat gemerkt, dass uns der Killerinstinkt noch ein bisschen fehlt. Bayern hat einen Bonus, weil sie diese Spiele schon so oft erlebt haben - sei es im Pokalfinale, sei es in der Champions League", betonte der Innenverteidiger, "aber es ist gut, dass wir mal dabei gewesen sind. Wir haben gesehen, dass wir phasenweise sehr gut gespielt haben. Das gewisse Quäntchen hat noch gefehlt, aber es ist auch nicht so, dass wir momentan sportlich Lichtjahre von den Bayern entfernt sind. Es gibt ein paar Dinge, die wir besser machen können - gerade im Spiel mit dem Ball."

Denn gegen den Ball, so Orban, "sind wir sehr stark, mit die beste Mannschaft der Liga, wenn nicht die beste." Am Samstag in Berlin reichte die defensive Stärke der Sachsen gegen den Rekordmeister noch nicht aus, um den ersten nationalen Titel für RB einzufahren. Aber die Entwicklung der Mannschaft in dieser Saison nährt bei den Verantwortlichen die Hoffnung, dass der 25. Mai 2019 nicht das letzte Mal war, dass RB Leipzig im Berliner Olympiastadion zum Pokalfinale angetreten ist.

Andreas Hunzinger