Bayern-Kapitän zieht positives Saisonfazit

Neuer erklärt Glanzleistung: "Was ist schon normal?"

Manuel Neuer

Jubel auf den Knien: Manuel Neuer ließ seiner Erleichterung nach Schlusspfiff freien Lauf. imago images

Ob eine Parade wie die gegen Emil Forsberg Anfang der zweiten Hälfte normal sei nach einer mehrwöchigen Phase ohne jede Matchpraxis, wurde der 33-Jährige gefragt. "Was ist schon normal?", entgegnete Neuer. "Jede Situation muss aufs Neue angegangen werden, dafür sind wir Profis." Beim 4:1 in Düsseldorf Mitte April hatte er sich einen Muskelfaserriss zugezogen, sein Comeback eigentlich für das Auswärtsspiel bei RB Leipzig am 33. Bundesligaspieltag angesteuert. Daraus wurde nichts, die Bayern wurden eine Woche später mit Sven Ulreich im Tor Meister und Neuer kehrte erst am Samstagabend zurück zwischen die Pfosten.

Der Gegner war der gleiche wie der für die anvisierte Rückkehr, der Druck vielleicht noch ein Stück größer. Neuer aber hielt gegen Yussuf Poulsen (11.) wie auch später gegen Forsberg (47.) herausragend und durfte den DFB-Pokal schließlich erstmals als Bayern-Kapitän in die Höhe recken. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sprach von einem "Giganten", den die Münchener an diesem Abend zwischen den Pfosten hatten. "Ich habe in dieser Woche gut trainiert. Die Mannschaft vertraut mir, der Trainer vertraut mir. Ich war bereit, auch vom Kopf her", erklärte Neuer seinen Sahnetag. Die Rückendeckung von Trainer Niko Kovac sei ein wichtiger Faktor für seine Leistung gewesen - ebenso wie eine ein Jahr zurückliegende Zusatzmotivation.

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DFB-Pokal - Finale in Berlin

"Es war bitter im letzten Jahr, dass ich für das Pokalendspiel ausgefallen war", erzählte Neuer. "Deshalb war ich hochmotiviert und wollte meine beste Leistung zeigen." Für das verlorene Endspiel 2018 gegen Eintracht Frankfurt war Neuer nach Fußverletzung nicht rechtzeitig fit geworden, im Anschluss aber - nach noch deutlich längerer Zeit ohne Spielpraxis als zum Ende dieser Saison - als Nummer eins zur WM in Russland gefahren. Dies war nicht ohne Nebengeräusche passiert, Neuers Wachablösung durch Marc-André ter Stegen im Tor der Nationalmannschaft seitdem immer wieder gefordert worden.

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Positives Fazit - aber keine Kampfansagen

Das Pokalfinale am Samstag, von der "Süddeutschen Zeitung" als "Die Wiederauferstehung des Manuel Neuer" betitelt, also vielleicht auch ein Gruß an die negativen Stimmen der vergangenen Monate? "Ich mache nicht irgendwelche Kampfansagen oder sage etwas gegen Kritiker", so Neuer, für sich selbst ein positives Saisonfazit zog: "Ich habe auf keinen Fall eine schlechte Saison gespielt, sondern eine gute. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden, gerade mit dem, was ich in dieser zweiten Halbserie geleistet habe."

Dennoch ist noch nicht sicher, ob Neuer in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland (8. Juni) und Estland (11. Juni) das Tor der deutschen Nationalelf hüten wird. In den Kader wurde der Kapitän aufgrund seiner Verletzung nur vorläufig berufen. Das DFB-Trainerteam um Joachim Löw, das Neuers Glanzparaden in Berlin von der Tribüne aus verfolgte, dürfte in den kommenden Tagen eine endgültige Entscheidung bekanntgeben. Konkurrent ter Stegen jedenfalls könnte im Falle eines Neuer-Ausfalls nicht punkten - der Keeper des FC Barcelona fällt mit Knieproblemen aus.

mib/Karlheinz Wild