Wie Leipzigs Trainer das Pokalfinale analysiert

Rangnick ärgert sich dreifach - auch über sich selbst

Ralf Rangnick

Der erste Titel mit Leipzig muss noch warten: Ralf Rangnick. Getty Images

Sein letztes Spiel als Leipzig-Trainer endete mit Pfiffen: Als sich Ralf Rangnick nach dem verlorenen DFB-Pokal-Finale tapfer seine Silbermedaille abholte, waren sie im Berliner Olympiastadion nicht zu überhören. Es passte zu einem bitteren Abend - den Rangnick aber gewohnt kämpferisch analysierte.

"Wir brauchen dieses Spiel nicht zu verlieren", stellte er nach dem 0:3 gegen den FC Bayern fest. "Schon gar nicht 3:0, das hat mit dem eigentlichen Spielverlauf nicht viel zu tun. Wir waren in den ersten 30 Minuten heute die klar dominierende Mannschaft und haben es einfach nur versäumt, in Führung zu gehen."

Rangnick wurde ein "klarer Elfmeter" signalisiert

Manuel Neuer hatte in dieser Phase einen Kopfball von Yussuf Poulsen an die Latte gelenkt (11.), Sekundenbruchteile später war die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Stieler stumm geblieben, als Ibrahima Konaté im Duell mit Robert Lewandowski zu Boden gegangen war. "Alle meine Videoanalysten haben mir direkt in der Szene signalisiert, dass es einen klaren Elfmeter für uns hätte geben müssen", haderte Rangnick.

Als dann auch noch Lewandowski mit einem spektakulären Kopfball Bayern in Führung brachte (29.) - Rangnick nannte den Doppeltorschützen "einen der besten und mit Verlaub wahrscheinlich auch teuersten Spieler in Europa" -, war Leipzigs Schwung erst mal dahin, die Köpfe "schon ein bisschen unten", so Rangnick. Deswegen sei auch die Halbzeitpause so wichtig gewesen. Da habe er seinen Spielern gesagt: "Passt auf, wir müssen genauso weitermachen wie in der ersten halben Stunde."

"Das Spiel hätte auch 5:5 oder 6:6 ausgehen können"

Genau das sei ihnen dann auch weitere "20, 25 Minuten" gelungen, da "kann man nur den Hut ziehen". Doch wieder ließen sie ihre Chancen aus. "Und wenn du die nicht machst, wird es natürlich schwierig." Während die FCB- und RB-Spieler einhellig von einem verdienten Bayern-Sieg sprachen, fand Rangnick: "Das Spiel hätte auch 5:5 oder 6:6 ausgehen können." Das Duell sei "über weite Strecken" eines "auf Augenhöhe" gewesen.

Die Mannschaft wird nächstes Jahr vielleicht sogar noch stärker werden.

Ralf Rangnick

Was er sich vorwirft: "Dass wir am Schluss 'All-in' gegangen sind und auf 3-5-2 umgestellt haben, würde ich jetzt im Rückblick vielleicht so nicht mehr machen. Aber wir haben uns das vorgenommen, in den letzten 20 Minuten alles zu riskieren." Stattdessen machten Kingsley Coman (78.) und Lewandowski (85.) alles klar.

Und so war Rangnick, der nicht vor die TV-Kameras trat, "extrem enttäuscht" - glaubt aber, dass Leipzig unter seinem Trainer-Nachfolger Julian Nagelsmann zurückschlagen wird: Die Mannschaft werde "nächstes Jahr vielleicht sogar noch stärker werden", weil sie ein weiteres Jahr beisammen sei und "der eine oder andere Neue" hinzukommen werde. Das bleibe im Duell mit den finanzkräftigeren Bayern schließlich Teil der Leipzig-Philosophie: "kluge, schlaue Transfers zu setzen und die über gute Trainerarbeit zu entwickeln".

jpe