Kommentar zur Entscheidung des Mitgliederrates

Köln: Bis zum nächsten Erwachen

Markus Ritterbach, Toni Schumacher (v.l.)

Keine Kandidaten für die Vorstandswahl: Markus Ritterbach (1.v.l.) und Toni Schumacher (2.v.l.). imago images

Die interessantesten Fragen rund um den 1. FC Köln sind die, die in den vergangenen zwei Monaten nicht gestellt wurden. Beispielsweise jene, warum Vize-Präsident Markus Ritterbach nicht seinen Stuhl räumen musste, nachdem er eine Nachricht durchgesteckt hatte, die vom damaligen Präsidenten Werner Spinner kam, der im Handstreich die gesamte sportliche Führung ablösen wollte?

Oder die, warum nach außen kolportiert wurde, beide Vize-Präsidenten sähen keine Grundlage mehr in einer weiteren Zusammenarbeit mit Spinner. Toni Schumacher nämlich hatte vom ersten Augenblick an deutlich erklärt, kein Problem damit zu haben, Spinner weiter zu unterstützen. Der aber musste gehen, auf ihm entlud sich der Druck der Gremien. Ritterbach blieb und hielt anschließend als perfekter Sündenbock her, den Verrat hatte man sich zunutze gemacht, den "Verräter" in die Defensive gedrängt.

Vereinsdaten 1. FC Köln

Gründungsdatum13.02.1948

Mitglieder101.600

VereinsfarbenRot-Weiß

Anschrift 1. FC Köln
Geißbockheim
Rhein-Energie-Sportpark
Franz-Kremer-Allee 1-3
50937 Köln

Internetwww.fc-koeln.de

Vereinsinfo

Der Verzicht auf eine erneute Kandidatur von Toni Schumacher und Markus Ritterbach ist angesichts der Ränkespiele in diesem Verein verständlich. Nun müssen es jene richten, die der Mitgliederrat nach bemerkenswerter kurzer Zeit auswählte. Der FC soll in Zukunft von einem ehemaligen Firmenchef, einem Anwalt und einem Fondsmanager geführt werden.

Man kann Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger nur Glück und Geschick wünschen im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Die Banner "Vorstand raus" werden aus der Südkurve verschwinden, aber vernichtet werden sie nicht. Befindlichkeiten werden groß geschrieben in Köln, das sollte sich das kommende Präsidium gut merken und vorsichtig sein mit vorschnellen Wahlversprechen und unklarem Kurs gegenüber der "aktiven Fan-Szene".

Frank Lußem

kicker-Redakteur Frank Lußem kicker

Dass mit Toni Schumacher der letzte Rest an Fußball-Kompetenz aus dem Vorstand verschwindet, muss man bedauern. In einer Zeit, in der fast jeder Verein sich die Erfahrung der "Alten" sichert, entledigt man sich in Köln dieser. Sehenden Auges, denn seit Tagen wird von den zukünftigen Bossen vermehrt darauf hingewiesen, dass man einen Klub wie den FC auch führen könne, ohne gegen den Ball getreten zu haben.

Sei's drum. In Köln hat man schon häufig gewusst, wie man es besser macht. Bis zum nächsten Erwachen.