Weckruf für die Szene

eSportler aufgepasst! Horror-Verträge und der Fall 'Tfue'

Fortnite-Profi 'Tfue' ist unzufrieden mit seinem Vertrag.

Fortnite-Profi 'Tfue' ist unzufrieden mit seinem Vertrag. FaZe Clan

Schlechte Arbeitsbedingungen, eine ungewisse Bezahlung, dreitägige Kündigungsfristen aufseiten des Teams, vage Formulierungen, exklusive Bildrechte auf Lebenszeit sind keine Seltenheit im eSport. Eine fortschreitende Professionalisierung des Feldes sorgte zwar für Besserung, dennoch bleiben Übereinkünfte zwischen Spieler und Organisation weiterhin ein Problemfeld.

Das zeigt auch der Fall 'Tfue'. Der 21-jährige Fortnite-Profi, der zudem den drittgrößten Kanal auf der Livestream-Plattform Twitch betreibt, hat am 20. Mai Klage gegen sein aktuelles Team eingereicht. Der Vertrag, den er im April 2018 bei FaZe Clan unterschrieben hat, sei "unterdrückend, belastend und einseitig", heißt es von Tenneys Anwalt. Großer Streitpunkt ist eine Klausel, die dem Team 80 Prozent der Einnahmen von Werbedeals verspricht, die FaZe an 'Tfue' vermittelt. Zusätzlich beanstandete 'Tfue', dass man ihm andere Angebote vorenthalten hätte und er im Haus von FaZe dazu gedrängt wurde, Alkohol zu trinken und an illegalem Glücksspiel teilzunehmen. Deswegen wolle er nun raus aus dem Vertrag und nachträglich bezahlt werden. Das Team gab sich geschockt von der Anklage und beteuerte, nie von der angesprochenen Vertragsklausel mit den 80 Prozent Gebrauch gemacht zu haben. Man hätte mit dem Profi 60.000 US-Dollar verdient, was nur 20 statt 80 Prozent der Werbedeal-Einnahmen entsprechen würde, so Teamgründer Ricky Banks. Während eines Interviews in der YouTube-Sendung "Drama Alert" sagte er zudem, dass 'Tfue' nicht zum Trinken von Alkohol gedrängt worden wäre und er nicht wüsste, was mit illegalem Glücksspiel gemeint ist.

Weckruf für die Szene

Wie der Rechtsstreit zwischen 'Tfue' und FaZe ausgeht, ist noch ungewiss. Dass der Fortnite-Profi zukünftig für das Team spielt, scheint mittlerweile ausgeschlossen. Fraglos ist ebenfalls der Effekt auf die Szene. Der Fall verdeutlicht einmal mehr, dass eSportler aufpassen müssen, was in ihren Verträgen steht. Der auf eSport spezialisierte Rechtsanwalt Ryan Morisson schrieb beispielsweise: "Das hat sich schon lange Zeit angedeutet. Die eSport-Industrie hat wenig bis gar keinen Respekt vor den Arbeits- und Wettbewerbsgesetzen gezeigt. FaZe bekommt nun die Schuld für etwas, was zum Industriestandard geworden ist. Deswegen wiederhole ich es noch einmal, alle Spieler sollten eine Agentur oder einen Anwalt haben." Er erwartet, dass sich eSport-Verträge in den kommenden Tagen drastisch ändern werden.

Der deutsche Coach und Manager Mikael Daryan appellierte derweil an alle FIFA-Spieler: "Wenn Du ein professioneller FIFA-Spieler bist und mehr als 15 Prozent deines Preisgeldes an ein Team oder eine Organisation abgibst, solltest du überdenken, ob der Nutzen, den sie zurückgeben, es wert ist. Manche nehmen sogar 50 Prozent und mehr! Lasst Euch nicht ausnutzen!" Daryan blickte zudem kritisch auf die Rolle der Spieler-Agenturen. Sie würden oft nicht das halten, was sie versprechen, einen Profi aber für über drei Jahre an sich binden. Zuspruch erhielt er in letzterem Punkt von FC Basels FIFA-Profi Luca 'LuBo' Boller.

Ein möglicher Ansatz, um zukünftige Vertragsprobleme zu lösen, ist die Gründung von Spielergewerkschaften, die den eSportlern bei Problemen zur Seite stehen und sie in Verhandlungen vertreten können. Solche Vereinigungen existieren bereits in einigen Ligen und Spielen. Doch gerade Newcomer stehen häufig alleine dar. Noch gilt daher: Aufpassen vor der Unterschrift und zwingend Hilfe holen, im besten Fall von einem Anwalt.

Christian Mittweg