Die Münchner ändern ihr Rennsportprogramm

BMW: Au revoir Le Mans, hello DTM

BMW stärkt das Engagement in der DTM: Der Österreicher Philipp Eng führt das Klassement derzeit an.

BMW stärkt das Engagement in der DTM: Der Österreicher Philipp Eng führt das Klassement derzeit an. imago images

Das Jahresende ist die klassische Zeit, seine Aktivitäten im Motorsport auf den Prüfstand zu stellen und dann zu entscheiden, wo und in welcher Serie man auch weiterhin Vollgas gibt. Jahresende? Ja, in der Langstrecken-WM (WEC) endet die seit Mai 2018 laufende Supersaison Mitte Juni beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans. Insofern musste jetzt eine Entscheidung fallen, ob man auch bis 2020 weiterhin am Start sein würde.

Die Verantwortlichen bei BMW haben nach Abwägung der Kriterien dagegen entschieden. Dies ist nachvollziehbar, denn der Start in der kleineren GT-Klasse geht zu oft unter, da man mit dem Gesamtsieg nie zu tun hat, sondern allein Klassensiege infrage kommen. Wenn - wie im Falle von BMW - sportlicher Misserfolg noch hinzukommt, fällt die Entscheidung möglicherweise noch leichter. In der GT-Klasse hat Porsche bereits vor dem doppelt gewerteten Lauf in Le Mans den Markentitel sicher, BMW aber ziert das Tabellenende hinter den Sportwagen-Konkurrenten Porsche, Ferrari, Ford und Aston Martin.

Marquardt: "Die Formel E hat sich für uns als großartige Plattform erwiesen"

Unverändert bleibt das Engagement der Münchner in ihren beiden hauptsächlichen Automobilrennserien. Für Motorsport-Direktor Jens Marquardt gibt es am Festhalten an den DTM- und Formel-E-Auftritten keinen Zweifel. "Die Formel E", sagt Marquardt, "hat sich für uns als großartige Plattform erwiesen, um unsere Kompetenz in Sachen Elektromobilität zu zeigen und weitere Zukunftsthemen in den Fokus zu nehmen."

Vor dem Heimspiel der Formel E am Samstag auf dem einstigen Flughafengelände von Berlin-Tempelhof liegt BMW mit dem US-Partner Andretti Motorsport auf Rang 6. Höhepunkt war gleich zu Saisonbeginn der Auftaktsieg von Antonio Felix da Costa. Ein Verbleiben in dieser Serie über das Saisonfinale im Juli hinaus ist mehr als wahrscheinlich.

In der DTM hat BMW die Nase derzeit vorne

Ebenfalls nicht infrage steht die Beteiligung in der DTM. "Die DTM hat mit der Einführung des neuen Class-1-Reglements, dem neuen Turbo-Motor, einem neuen Hersteller sowie wichtigen Schritten in Richtung Internationalisierung einen vielversprechenden Weg eingeschlagen", unterstreicht Marquardt, "den gilt es nun konsequent weiterzugehen. Wir glauben weiterhin an die Serie." In Richtung 2020 will BMW laut Marquardt mithelfen, "die internationale Präsenz der DTM" noch weiter auszubauen. Nach vier Saisonrennen hat BMW bereits zwei Siege auf dem Konto und führt mit dem Österreicher Philipp Eng die Fahrerwertung an.

Abgerundet wird die BMW-Präsenz im Motorsport durch die fortgesetzte Teilnahme an der us-amerikanischen IMSA-Serie, durch eine breite Angebotspalette im Bereich Kundensport (privat eingesetzte GT3- und GT4-Rennwagen), durch die Starts in der Motorrad-Superbike-WM und eine verstärkte Hinwendung zum Bereich Sim-Racing. Insbesondere jüngere Schichten sollen mit Wettbewerben in Rennsimulatoren angesprochen werden.

Stefan Bomhard