"Ich wehre mich zu glauben, dass du gegangen bist"

Hamilton im Trauermodus - Lauda-Effekt im WM-Titelkampf

Ein starkes Team: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und der am Montag verstorbene Niki Lauda.

Ein starkes Team: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und der am Montag verstorbene Niki Lauda. imago images

Lewis Hamilton weiß, wie viel er Niki Lauda zu verdanken hat. Nun muss der Mercedes-Superstar die Trauer um seinen Ratgeber vor dem Klassiker in Monaco bewältigen. Der Verlust des 70 Jahren alten Teamaufsichtratschefs dürfte Hamilton und seine Mitstreiter im Werksrennstall Mercedes noch enger zusammenschweißen und den Kampf von Ferrari gegen die silberne Übermacht noch schwerer machen. Schon jetzt scheint vorprogrammiert, dass Hamilton einen Sieg am Sonntag (15.10 Uhr/LIVE! bei kicker.de) beim Großen Preis von Monaco seinem "Buddy" Lauda widmen würde.

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Lauda und Teamchef Toto Wolff, der seinen gestorbenen Landsmann als "Leitstern" für die Silberpfeile adelte, haben den Mercedes-Rennstall zu dem gemacht, was er vor dem Saisonhöhepunkt in Monte Carlo ist: Führender in der Fahrerwertung mit Hamilton, Garant für Doppelerfolge in den bisherigen fünf Rennen, Führender in der Konstrukteurswertung. Der FC Bayern der Formel 1 - allerdings zu deutlich souveräneren Münchner Zeiten als in der gerade abgelaufenen Saison.

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Niki Laudas Karriere: Titel, Tragödien, Comebacks

Dank Hamilton, dank Lauda ist Mercedes seit 2014 der Branchenführer und Ferrari auch mit Sebastian Vettel nur das Team, das jedes Jahr aufs Neue hofft und jedes Jahr aufs Neue an der silbernen Übermacht scheitert.

Als Lauda Hamilton überzeugte

"Es gibt eine Rennfahrer-Sprache. Das versteht kein Teammanager und niemand anderes", sagte Lauda einmal zu seinem besonderen Verhältnis zu Hamilton. Schilderungen zufolge soll er nachts in einem Hotelzimmer in Singapur am Rande des Nachtrennens Hamilton überzeugt haben, die Nachfolge von Rekordweltmeister Michael Schumacher zur Saison 2013 anzutreten. "Ich wäre nicht mal in dem Team, wenn es dich nicht gegeben hätte", schrieb Hamilton.

Lauda hatte Hamilton im Griff

Was Lauda damals auch immer sagte, Hamilton nahm es sehr ernst: Nur noch zwei Titel fehlen ihm zu den sieben WM-Wundern von Schumacher. Von den 91 Rennsiegen des mittlerweile 50-Jährigen ist Hamilton nur noch 15 entfernt. Bei den Pole-Positions hat er Schumacher (68) mit 84 längst schon überholt. Was er jetzt vermisst, sind auch Laudas innige Umarmungen. Lauda hatte Hamilton im Griff.

Das half dem zu McLaren-Zeiten unerfüllt und immer suchend wirkenden Briten, sich zu finden, sich selbst und die Königsklasse zu dominieren. Der einzige Gegner in diesem Jahr ist - vorerst - sein finnischer Teamkollege Valtteri Bottas.

Großer Rückstand für Verstappen und Vettel

In der WM-Wertung liegt der dreimalige Saisonsieger Hamilton sieben Punkte vor dem zweimaligen Saisonsieger Bottas. Dritter ist Max Verstappen von Red Bull, dessen damaligem Teamkollegen Daniel Ricciardo vor einem Jahr der Sieg in Monte Carlo vor Vettel glückte. Verstappen hat bereits 46 Punkte Rückstand auf Hamilton, Vettel auf Rang vier 48. Hinter ihm liegt Teamkollege Charles Leclerc, 55 Punkte schlechter als Hamilton.

Dass Vettels aufmüpfiger Stallrivale der erste monegassische Sieger werden könnte beim WM-Heimrennen in den engen Straßen des Fürstentums, dass Vettels ehemaliger Stallrivale Kimi Räikkönen seine 300. Grand-Prix-Teilnahme notieren kann - alles gerät in den Hintergrund angesichts der Trauerarbeit der gesamten Formel 1 und im Besonderen von ihrem Anführer Hamilton um Niki Lauda.

dpa