Kommentar

Der Fall Mkhitaryan zeigt, was die UEFA angerichtet hat

Henrikh Mkhitaryan

Henrikh Mkhitaryan und Arsenal haben die UEFA mit ihrer Entscheidung massiv unter Druck gesetzt. Getty Images

Der FC Arsenal muss in einem Europapokal-Finale auf einen seiner besten Spieler verzichten. Doch Henrikh Mkhitaryan ist nicht gesperrt oder verletzt, er ist Armenier. Und er führt der UEFA damit unfreiwillig vor Augen, was sie mit ihrer Entscheidung, das diesjährige Europa-League-Finale nach Baku zu vergeben, angerichtet hat.

Dass sich Fans an den Reisestrapazen, den mickrigen Ticketkontingenten, an Visa-Problemen und ja, auch an der Menschenrechtslage in Aserbaidschan, stören, stört die UEFA bislang nur am Rande. Doch Mkhitaryans Fernbleiben kann sie nicht einfach beiseite wischen: Wenn ein Spieler aus Sicherheitsbedenken ein Europapokal-Finale verpasst, ist das nicht nur ein erheblicher Imageschaden für eine ihrer wichtigsten Veranstaltungen, es stimmt dann auch einfach etwas mit den Vergabe-Kriterien solcher Endspiele nicht. Um ein Haar hätte Baku sogar das Champions-League-Finale 2019 ausgetragen.

Der UEFA hätte das alles schon vor der Baku-Vergabe bewusst sein müssen

Vom aserbaidschanischen Verband hieß es in der Vorwoche, die von Arsenal geforderten Sicherheitsgarantien für Mkhitaryan gebe es bereits. Doch wenn Spieler und Klub jetzt mitteilen, sie hätten "alle vorliegenden Optionen geprüft", scheinen sie nicht besonders überzeugend gewesen zu sein.

Der UEFA hätte das alles schon vor der Entscheidung pro Baku im September 2017 bewusst sein müssen: Bereits 2015 hatte Mkhitaryan, damals noch BVB-Profi, aus ähnlichen Gründen auf eine Reise nach Aserbaidschan verzichtet; regelmäßig verhindert sie außerdem bei EM-Qualifikationsauslosungen, dass die Nationalteams von Armenien und Aserbaidschan aufeinandertreffen können. Warum zählen solche politischen Umstände für sie dann nicht auch auf Klubebene, also im Europapokal?

Bei der EM 2020 sollen in Baku vier Spiele stattfinden

Arsenal und Mkhitaryan haben die UEFA mit ihrer Entscheidung nun massiv unter Druck gesetzt. Es geht um die Bewerbungskriterien für Europapokalendspiele - es geht aber auch um die EM 2020 in gut einem Jahr: In Bakus Nationalstadion sind dann drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale vorgesehen.

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Jörn Petersen