Waliser wird bei Betis-Pleite nicht einmal eingewechselt

Zidane kryptisch: Bale vor würdelosem Abschied

Gute Miene zum bösen Spiel: Gareth Bale legte gegen Betis die Beine hoch.

Gute Miene zum bösen Spiel: Gareth Bale legte gegen Betis die Beine hoch. imago images

Eigentlich hätte sich ja alles noch zum Guten wenden können an diesem 16. März gegen Celta Vigo. Bale hatte in den Spielen zuvor unter Santiago Solari den Frust über seine Jokerrolle offen demonstriert. Höhepunkt: Beim Spiel gegen Levante stellte er das Aufwärmen ein, kam dennoch in die Partie und verweigerte nach seinem 2:1-Siegtreffer per Elfmeter den Torjubel. Mätzchen, die ihm die Real-Fans nie wirklich verziehen haben.

Drei Wochen später hieß der Trainer jedoch Zidane, und prompt war Bale wieder gefragt. Er traf gegen Vigo zum 2:0, diesmal jubelte er auch. Bale durfte durchspielen, zum vierten Mal in dieser Saison. Beim 3:2 gegen Huesca einige Tage später folgte das fünfte Mal. Ein Hauch von Versöhnung lag in der Luft.

Mitnichten, wie sich zeigen sollte. Bale rückte mit dem zurückkehrenden Misserfolg wieder aufs Abstellgleis, zweimal wurde er von Zidane nicht einmal in den Kader gerufen. Betis war nun der Tiefpunkt. Dass Zidane den 29-Jährigen über die gesamte Spielzeit auf der Bank schmoren ließ, muss auch als Zeichen verstanden werden. Der Franzose wollte offenbar demonstrieren, wer der Boss ist, das zeigten auch seine Worte nach dem Spiel: "Er hat hier viel gewonnen. Wir werden die Vergangenheit nicht vergessen, aber wir leben im Hier und Jetzt", sagte der Coach. "Ich treffe die Entscheidungen, die ich für richtig halte. Und wenn ich denke, dass ein Spieler nicht ins Team passt, muss ich das tun, was für die Mannschaft das Beste ist."

Das Beste ist Bale also offenbar nicht mehr für die Mannschaft. Zidane ließ die Möglichkeit verstreichen, den Flügelstürmer bei der belanglosen Partie eine Chance zur Versöhnung mit Verein und Fans zu geben, sich womöglich gebührend zu verabschieden. Keeper Keylor Navas, dessen Zukunft ebenso unklar ist, erhielt übrigens diese Möglichkeit. Stattdessen wirkte ein Kaderplatz ohne Einwechslung und bei diesem Spielverlauf wie eine Vorführung. Der scheinbar lockere Bale, der die Beine auf der Ersatzbank hochlegte und ab und an mit Toni Kroos feixte, und der um seine Autorität bemühte Zidane machten eine missratene Saison mit 18 Niederlagen (so viel wie seit der Spielzeit 1995/96 nicht mehr) noch ein bisschen missratener.

Zidane liefert beim Thema Bale nur leere Worte

Und nun? Der Vertrag des Angreifers läuft noch bis 2022, doch bei dem vergifteten Binnenklima ist kaum davon auszugehen, dass Bale auch nur ein einziges weiteres Spiel für die Königlichen bestreitet. Am 6. Juli ist in Madrid Trainingsauftakt. Ob er denn mit Bale rechne an diesem Tag, wurde Zidane gefragt. "Ich weiß nicht, was passiert", wich er aus. "Zuletzt habe ich eben auf andere Spieler gesetzt. Alles kann passieren." Ebenso leere und kryptische Worte lieferte er auf die Frage, warum er Bale nach dem Rückstand gegen Betis nicht eingewechselt habe. Zidane: "Weil ich jemand anderen eingewechselt habe."

Der Hauch der Versöhnung, er ist inzwischen wie weggeblasen. Die Zeichen stehen ganz klar auf Abschied, trotz aller Meriten Bales. 2013 wechselte er von Tottenham Hotspur zu Real. Der damals teuerste Transfer der Fußball-Geschichte rechtfertigte trotz vieler Verletzungspausen die hohe Ablösesumme von rund 100 Millionen Euro, Bale traf in 155 Ligaspielen 78 Mal und gewann mit den Königlichen 14 Titel, allein viermal die Champions League. Nun scheint es, als würde dieser verdiente Spieler durch die Hintertür verschwinden - ohne Verabschiedung, ohne Abschiedsgruß. So wie gegen Betis.

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