Schiedsrichter gibt unkorrekten Spielstand durch

Klement falsch informiert: "Mental auf Relegation vorbereitet"

Philipp Klement

Jubel mit Verspätung: Philipp Klement (Mitte) feiert mit dem SC Paderborn den Bundesliga-Aufstieg. getty images

"Ich dachte, es hat nicht gereicht", sagte Philipp Klement nach Abpfiff der Partie in Dresden bei "Sky". Der Grund: eine vom Unparteiischen Sven Jablonski gesäte Falschinformation. "Der Schiedsrichter meinte kurz vor Schluss zu mir, Union würde mit 3:2 führen", erzählte Klement. Bei einem Sieg der Berliner hätte Paderborn den Gang in die Relegation antreten müssen, da der SCP selbst seine eigene Partie mit 1:3 verloren hatte und somit auf Schützenhilfe des VfL Bochum gegen Union Berlin angewiesen war. Das Spiel in Bochum lief noch, als in Dresden bereits abgepfiffen war, anders als von Jablonski kolportiert, stand es aber nicht 2:3, sondern 2:2. Ein Ergebnis, das bis zum Ende Bestand hatte und über das auch alle SCP-Akteure informiert waren - bis auf Klement.

Während seine Mannschaftskollegen auf einem Fernseher in den Katakomben dem Abpfiff in Bochum entgegenzitterten, klatschte Klement auf dem Feld noch mit den Dresdnern ab - im Glauben, Platz zwei am letzten Spieltag noch verspielt zu haben. "Ich habe mich mental schon auf die Relegation vorbereitet", schmunzelte der Mittelfeldakteur. "Dann kamen die anderen plötzlich rausgelaufen und ich dachte: 'Was ist hier los?'"

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Bayern statt Sprockhövel - Offensive bricht Rekorde

Anders als seine Spieler hatte Paderborns Coach Steffen Baumgart den Schlusspfiff in Bochum nicht im Kabinengang erlebt, sondern in der Trainerkabine. Schnell vor dem jubelnden Fanblock war der ehemalige Angreifer trotzdem angekommen. "Ich bin lange nicht mehr so schnell gesprintet und werde es auch vielleicht nie wieder tun", gab Baumgart zu Protokoll. "Wir wissen noch gar nicht, was passiert ist und wie es passiert ist. Es ist überragend geil."

Noch kurz nach seinem Amtsantritt 2017 hatte er einen heftigen Rückschlag hinnehmen müssen. Sportlich war Paderborn in die Regionalliga durchgereicht worden, es wäre der dritte Abstieg in Folge gewesen. "Da wäre es gegen Sprockhövel gegangen", erinnerte sich Baumgart nach dem Spiel in Dresden. Der Lizenzentzug von 1860 München hielt den SCP damals in der 3. Liga - und es folgte ein beispielloser Durchmarsch. Zweimal in Folge stieg Paderborn auf, es ist der achte Durchmarsch eines Teams von der dritten in die erste Liga, wo nun Bayern und Dortmund statt Sprockhövel warten. Zum letzten Mal war dem SV Darmstadt im Jahr 2015 dieses Kunststück gelungen. Die nächste bemerkenswerte Statistik: 76 Tore erzielte Paderborn in dieser Saison - Rekord für einen Aufsteiger in Liga zwei.

"Schlechtestes Spiel der Saison" - SCP jubelt trotzdem

Trotz dieser Fabelwerte hätte Baumgarts Team den Aufstieg am letzten Spieltag beinahe noch vergeben. Nach einem druckvollen Beginn inklusive Führungstreffer durch Klement (10.) hatte Paderborn bei spielfreudigen Dresdnern den Faden und nach einem Dreierpack von Baris Atik noch verloren. "Wir haben das schlechteste Spiel der Saison gemacht", befand Stürmer Sven Michel. Gerade nach dem Treffer zum 1:3 Mitte der zweiten Hälfte hatte sich Paderborn mehr oder weniger dem Schicksal ergeben und den Blick immer wieder in Richtung Anzeigetafel gerichtet. "Ich konnte mich am Ende kaum noch auf das Spiel konzentrieren, die Nervosität war zu groß", erzählte Michel. "Ich habe am Ende sogar zum Schiedsrichter gesagt: 'Pfeif ab das Ding.'"

Ich freue mich noch gar nicht auf die Bundesliga.

Steffen Baumgart

Auch Baumgart sprach von einem "Scheißspiel" seiner Mannschaft, meinte aber auch: "Ich hasse Niederlagen, aber die heute nehme ich gerne." Den Blick nach vorne richten wollte er aber noch nicht. "Ich freue mich noch gar nicht auf die Bundesliga. Das ist so weit weg jetzt", so der SCP-Coach. Ein paar Worte für die zweite Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte fand er dann aber doch: "Wir sind jetzt schon der erste Absteiger, aber solange die Jungs fighten, ist alles möglich. Im Konzert der Großen mitspielen zu dürfen, haben sie sich erarbeitet."

Wechsel nach Leipzig? Krösche hält sich bedeckt

Vermutlich nicht mehr dabei sein wird dann Geschäftsführer Markus Krösche. 2014 hatte er seine Spielerkarriere beim SC Paderborn mit dem ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte beendet, nun verabschiedet er sich aller Voraussicht nach erneut mit einem Aufstieg. Krösches Wechsel zu RB Leipzig ist nach kicker-Informationen bereits unter Dach und Fach. Bestätigen wollte er dies nach Abpfiff noch nicht. "Lassen Sie uns erstmal feiern und ein paar Bierchen trinken", sagte er.

Bereits am Sonntagabend fliegt die Mannschaft zurück nach Paderborn, wo mit den Fans gefeiert wird. Anschließend geht es für das Team nach Mallorca, wie Offensivmann Kai Pröger verriet: "Da lassen wir dann die Sau raus."

mib

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Rauf, runter, rauf: Paderborn ist zurück