Ernüchterung und Stolz beim BVB-Kapitän

Reus: "Ich weiß, dass die Chance unheimlich groß war"

Marco Reus

Es hat nicht ganz gereicht: Marco Reus. imago images

Marco Reus hatte alles getan, was in seiner Macht stand: Er hatte den ersten Treffer seines Teams in Mönchengladbach gedankenschnell vorbereitet, das zweite Tor selbst gemacht und mit einer insgesamt sehr ordentlichen Leistung für den 2:0-Erfolg bei seinem Ex-Klub gesorgt, der nötig war, um im Falle eines Münchner Ausrutschers gegen Frankfurt noch am Rekordmeister vorbeizuziehen.

Drei Minuten lang durften Reus und seine Dortmunder im Verlauf des 34. Spieltags dann auch tatsächlich vom Wunder träumen - bis David Alaba den FC Bayern mit seinem Tor zur 2:1-Führung wieder auf die Siegerstraße gegen die Eintracht führte. Und so blieb es am Ende einer engen, spannenden und unterhaltsamen Saison beim zweiten Platz für den BVB - trotz einer zwischenzeitlichen Neun-Punkte-Führung in der Tabelle.

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6
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55
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8
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53
9
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"Wir hatten schon darauf gehofft, dass heute noch etwas drin ist", gab Reus später zu. Die ganze Woche über sei der Glaube an ein Wunder gestiegen, die Mannschaft habe konzentriert und gut gearbeitet, sei fokussiert nach Gladbach gefahren, um den eigenen Teil zur Meister-Rechnung beizutragen. Dass es nicht langte, hinterließ - völlig nachvollziehbar - ein Gefühl der Enttäuschung beim Dortmunder Anführer. "Das wird auch noch ein paar Tage bleiben", vermutete Reus, "denn ich weiß, dass die Chance in dieser Saison unheimlich groß war." Spiele wie in Bremen (2:2) oder daheim gegen Schalke (2:4) aber hätten am Ende den Unterschied gemacht: "Die waren ausschlaggebend, weil wir sonst mit einem anderen Punktepolster nach Mönchengladbach gekommen wären."

Reus' Kampfansage: "Nächste Saison geht es von vorne los"

Dass es schließlich anders kam, schrieb Reus, der für sich persönlich bilanzierte, es sei bei seiner eigenen Saison-Leistung ebenfalls "mehr drin gewesen", der fehlenden Erfahrung im Dortmunder Kader zu - aber auch einer anderen Mentalität im Münchner Meister-Team. "Gerade in wichtigen Spielen." Er selbst habe dagegen in Dortmund im Saisonverlauf zuweilen die "Gier" vermisst, "dass jeder auch wirklich weiß, dass für uns unheimlich viel drin ist". Dennoch aber sei er "stolz" auf sein Team, "weil wir eine unheimlich gute Entwicklung genommen haben".

Und der Vize-Titel in diesem Jahr bedeutete für Reus längst nicht das Ende aller Träume. Im Gegenteil: Der Offensivspieler, der die Saison als ligaweit drittbester Scorer (17 Tore, 12 Vorlagen) hinter Münchens Robert Lewandowski (22, 12) und seinem Teamkollegen Jadon Sancho (12, 18) abschloss, lenkte den Blick bereits in Mönchengladbach wieder in die Zukunft: "Ich bin ein positiver Mensch. Nächste Saison geht es von vorne los. Und dann werden wir alles daransetzen, dass wir in den nächsten Jahren wieder ganz oben sind und auch mal wieder den Titel gewinnen." Es klang wie eine forsche Kampfansage an die Adresse des FC Bayern - und war durchaus auch als solche gemeint.

Matthias Dersch