Bundesliga

Wie die Ungewissheit an Kovac nagt

Bayern-Trainer vermisst die Menschlichkeit

Wie die Ungewissheit an Kovac nagt

Niko Kovac

Will am Samstag seine erste Meisterschaft als Trainer des FC Bayern einfahren - und spricht übers Menschsein: Niko Kovac. imago images

Worum geht es im Fußball? Einzig um Erfolg? Oder um Menschen? Gewiss um beides. Für Niko Kovac ist dies ein leidiges Thema, schon die gesamte Saison beschäftigt er sich damit. Kritik sei oft zu laut, das Positive komme häufig zu kurz. Könne man nichts Gutes berichten, sollte man auch nichts Negatives hervorkramen, so lautete seine Botschaft vor einer Woche.

Vor dem Finale gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt, mit dem er noch im Vorjahr gegen den FCB den DFB-Pokal gewonnen hatte (3:1), fügte Kovac hinzu: "Wir müssen lernen, dass unsere Welt besser werden muss." Er wolle dahingehend keinen "Moralapostel" spielen, nein, diese Werte anzusprechen, gehöre nun mal zu seinem Naturell. Und zu seinem Selbstverständnis zähle eben ein Umgangston "auf einer gewissen Ebene, die nicht unterschritten" werden dürfe. "Man kann kritisch sein, das ist alles okay", sagte Kovac, "aber es muss ein gewisses Niveau haben".

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Trainersteckbrief Kovac

Kovac Niko

Bayern München - Vereinsdaten

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Kovac: "Wenn ich Ihnen jetzt eine kleben würde..."

Seit er in München arbeitet, so scheint es, vermisst er dieses Niveau gelegentlich. Blickt er nämlich auf sein erstes Jahr als FCB-Trainer zurück, erklärte er nun: "Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, Mensch zu bleiben." Weil immer mehr Empathie verloren gehe. Im Umgang intern, das ließ der 47-Jährige durchblicken, genauso im Verhältnis zu manchen Medien. Dazu nannte er ein Beispiel: "Wenn ich Ihnen jetzt eine kleben würde, hätten Sie kurzzeitig Schmerzen. Die würden vorübergehen. Aber wissen Sie, was noch schlimmer ist: die Seele." Nahezu denselben Satz hatte Kovac bereits vor zwei Jahren in Frankfurt im Gespräch mit dem kicker gepredigt, der Wortlaut: "Stellen Sie sich vor, ich würde Ihnen eine runterhauen. Das tut vielleicht für einen kurzen Moment weh. Aber Worte treffen ins Herz."

Zwischen Menschlichkeit und Leistungsgesellschaft

Der Mensch Kovac wirkt angeschlagen, verunsichert, er ist sicher nicht glücklich mit der Situation. Der Trainer Kovac wohl genauso wenig. Denn trotz der famosen Aufholjagd in der Liga und des Einzugs ins Pokalfinale, in dem am nächsten Samstag RB Leipzig wartet, steht der Coach in der Diskussion in München, gerade intern. Die Unsicherheit über seine Zukunft, sie nagt an ihm. Auch wenn er sagt, dass ihn diese Debatten "wirklich nicht interessieren". Für ihn zähle vorerst ausschließlich die Meisterschaft, damit er seine Position stärken kann. Denn bei aller Menschlichkeit: Der Fußball ist eine Leistungsgesellschaft.

Georg Holzner

kicker.tv Hintergrund

"Schwierig, Mensch zu bleiben" - Kovacs emotionaler Appell

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