"Wir wollen und können diese Gehälter nicht mitgehen"

Schalkes LoL-Abteilung muss sich selbst tragen

Topspieler 'Nukeduck' verließ den Verein im Winter und wechselte zu Origen. Mutmaßlich auch wegen des Gehalts

Topspieler 'Nukeduck' verließ den Verein im Winter und wechselte zu Origen. Mutmaßlich auch wegen des Gehalts. Riot Games

350 Millionen Euro Umsatz hatte Schalke 04 im Geschäftsjahr 2018 verbucht, laut kicker-Zahlen sind 40 Millionen davon Überschuss. Trotz dieser für deutsche eSport-Verhältnisse immensen wirtschaftlichen Power, musste der Verein nach dem Summer Split diverse LoL-Spieler ziehen lassen.

Einzig Elias 'Upset' Lipp blieb bei den Knappen. "Wir wollten vor dem vergangenen Spring Split gar nicht so viel machen. Wir wären grundsätzlich auch gerne mit einem Großteil unseres alten Teams in die Spielzeit gegangen", sagt Tim Reichert im Interview mit kicker eSport. Der Chief Gaming Officer der Knappen geht sogar noch einen Schritt weiter: "Aber wir konnten manche Spieler einfach nicht halten, auch aufgrund der wirtschaftlichen Kraft anderer Teams."

Der FC Schalke 04 ist der einzige Fußballverein in der LEC und der 360 Millionen Umsatz generiert hat. Müssten Spielergehälter in LoL da nicht ein Klacks sein?

"Das ist ein absoluter Trugschluss", stellt Tim Reichert vehement klar. Der Vergleich mit den Zahlen des Gesamtvereins sei ein Fehler, den viele zu Saisonbeginn gemacht hätten. "Wir bauen hier auf Schalke ein neues Geschäftsfeld auf und aus, das sich selbst tragen muss", so Reichert weiter. Man dürfe nur so viel ausgeben, wie man einnehme, sagt er. "Wir können und wollen mit Sicherheit gerade nicht die Gehälter mitgehen, die einige andere Teams bezahlen. Und deshalb haben uns auch Spieler verlassen müssen."

Durchschnittsgehalt 320.000 US-Dollar

Laut dem englischen Wirtschaftsmagazin Forbes liegen die Spielergehälter in der amerikanische LCS 2018 im Durchschnitt bei 320.000 US-Dollar im Jahr. Für die europäische LEC, in der auch Schalke teilnimmt, dürfte das nach kicker eSport Schätzungen ein durchschnittliches Spieler-Jahresgehalt von 260.000 Dollar bedeuten. Breel Embolo, ein Fußballer der Knappen, hat laut Statista in der Saison 17/18 hingegen vier Millionen Euro Jahresgehalt bekommen, davon könnte man 15 LoL-Spieler bezahlen, oder eben fünf Weltstars.

Der Gehälter-Vergleich ist laut Tim Reichert aber sinnlos. Man könne eben nicht jeden Spieler der Welt holen, gerade auch deswegen, da im Fußball ganz andere Summen umgesetzt werden, die mit dem eSport nicht zu vergleichen seien: "Wir können nur so viel ausgeben, wie wir einnehmen." Die Zahlen belegen Reicherts Aussagen: Allein durch Champions League und Bundesliga-Vertrag erwirtschaftete Schalke 2018 147 Millionen Euro mit Medieneinnahmen.

Acht Millionen hat der Verein für den Platz in Riots Liga bezahlt, das ist weniger als zwei Fußballer Schalke im Jahr kosten. Die Knappen verstehen das als Investment in die Zukunft, das bald mehr wert sein soll. Das Geschäftsmodell dahinter ist laut Reichert sogar noch weitergedacht: "eSport ist ein Geschäftsfeld, das in sehr naher Zukunft sogar Profite an unser Kerngeschäft Fußball zurückführen können wird." eSport, der Fußball subventioniert, klingt in der Tat noch nach weit entfernter Zukunftsmusik.

Holm Kräusche