Hertha-Coach steht vor seinem letzten Heimspiel

Dardai: "Das ist ein Geschenk des Lebens"

Pal Dardai

Seine Amtszeit endet nach viereinhalb Jahren: Hertha-Coach und Rekordspieler Pal Dardai. imago images

Nach viereinhalb Jahren endet die Amtszeit des Ungarn, der auch Herthas Rekordspieler in der Bundesliga ist, beim Hauptstadtklub am Samstag mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de). Auf seiner letzten Spieltags-Pressekonferenz präsentierte sich Dardai am Donnerstag noch einmal mit einer Mischung aus Humor und Angriffslust, die er seit seiner Amtsübernahme im Februar 2015 des Öfteren an den Tag gelegt hatte.

Er sei in letzter Zeit auch in der Stadt von den Menschen oft gefragt worden, ob dieses finale Bundesligaspiel als Hertha-Chefcoach etwas Besonderes sei. Dardai aber entgegnete: "Ich habe das gleiche Gefühl wie immer, ich spüre nicht, dass es was Besonderes ist." Anders als sonst habe er diesmal allerdings nicht nur zehn, sondern 30 Freikarten bestellt. "Diesmal war ich frech", scherzte Dardai und legte nach: "Der Manager war nett. Alles, was ich bestellt habe, habe ich gekriegt - und ich musste es diesmal nicht kaufen."

Bundesliga - 33. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
75
2
Borussia Dortmund
73
3
RB Leipzig
66
Trainersteckbrief Dardai

Dardai Pal

Hertha BSC - Vereinsdaten

Gründungsdatum

25.07.1892

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Dardai: "So sieht das aus ohne Medien"

Dass er seinen Humor nicht verloren hat, bewies der 43-Jährige auch an anderer Stelle, verband seinen Witz allerdings auch noch mal mit einer (weiteren) Abrechnung mit den Medien, die er offenbar (irrtümlich) für sein Aus verantwortlich macht. "Das Schönste", sagte Dardai über seine Zeit als Bundesligatrainer, "waren die vergangenen vier Wochen. Die Medien haben uns in Ruhe gelassen, wir haben wie im Nachwuchsbereich gearbeitet (also ohne medialen Druck, Anm. d. Red.). Das nehme ich mit. Diese vier Wochen waren traumhaft. Sogar meine Frau hat gesagt, du brauchst keine Pause, du siehst wieder gut aus. So sieht das aus ohne Medien."

Ich bin Hertha BSC dankbar für diese Erfahrungen, ich habe sogar Geld dafür bekommen.

Hertha-Coach Pal Dardai

Mal abwarten, ob diese Scharmützel mit der Presse den mitunter dickköpfigen und streitbaren Ungarn in den Monaten seines angekündigten Sabbatjahres nicht doch fehlen werden. Dardai dürfte clever genug sein, um zu wissen, dass sein Aus nichts mit einer Medienkampagne zu tun hatte. Wie dem auch sei, über seine über vierjährige Zeit als Profitrainer ergänzte Dardai noch: "Ich bin Hertha BSC dankbar für diese Erfahrungen, ich habe sogar Geld dafür bekommen. Das ist ein Geschenk des Lebens. Ich habe gezeigt, dass ich Bundesliga kann. Pal Dardai ist jetzt ein ganz anderer Trainer als vor vier Jahren."

Ein Sieg fehlt zur besten Rückrunde seit zehn Jahren

Pal Dardai

Steht am Samstag zum letzten Mal im Olympiastadion an der Seitenlinie: Pal Dardai. Getty Images

Erklärtes Ziel zum Abschluss ist ein Sieg über Leverkusen, das noch um den Einzug als Tabellenvierter in die Champions League kämpft. Bei einem Erfolg hätte Hertha mit dann 22 Punkten die beste Rückrunde seit der Saison 2008/09 gespielt. "Dann könnt ihr nicht mehr schreiben, dass Hertha eine schlechte Rückrunde spielt. Dann habt ihr ein Thema weniger", diktierte Dardai den anwesenden Journalisten in die Blöcke. Idealerweise soll der Heimsieg mit mindestens zwei Toren gelingen. "Das Ziel ist, diese Saison 50 Tore zu machen. Das wäre eine überragende Zahl. Zwei Tore müssen wir dafür noch machen", sagte Herthas Coach, der in den vergangenen beiden Spielzeiten zum Saisonausklang jeweils zu Hause mit 2:6 gegen Leverkusen (2016/17) und Leipzig (2017/18) verloren hatte. "Hertha BSC hat sich da leider zu Hause blamiert. Wir haben die Mannschaft eingeschworen, sie will es besser und ein gutes Spiel machen", sagte Dardai.

Fabian steht wie kein zweiter Spieler für eine Identifikation mit Hertha BSC.

Manager Preetz über Lustenberger

Neben der Klubikone, die für die Partie gegen Leverkusen wohl auch auf den zuletzt angeschlagenen Valentino Lazaro zählen kann (Dardai: "Tino hat heute mittrainiert"), werden am Samstag weitere Akteure verabschiedet, weshalb Manager Michael Preetz anmerkte: "Das werden noch mal emotionale Momente." Das gilt insbesondere für die Personalie Fabian Lustenberger, der nach zwölf Jahren in der Hauptstadt in seine Heimat zum Schweizer Meister YB Bern wechselt. "Fabian steht wie kein zweiter Spieler für eine Identifikation mit Hertha BSC", formulierte Preetz.

Auch Widmayer und Hamzagic nehmen Abschied

Zudem heißt es auch Abschied nehmen von den Co-Trainern Rainer Widmayer, der zum VfB Stuttgart geht, und Admir Hamzagic sowie von Youngster Julius Kade, der ablösefrei zu Stadtrivale Union Berlin wechselt, und Jonathan Klinsmann. Nach zwei Jahren bei Hertha wird der Vertrag des Torwartes nicht verlängert. Der Sohn des früheren Bundestrainers Jürgen Klinsmann werde am Samstag allerdings nicht im Olympiastadion sein, "weil wir ihn aus privaten Gründen schon nach Hause lassen", sagte Preetz.

Jan Reinold

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