Jetzt nicht nachlassen

Virtual Bundesliga mit toller Zukunftsperspektive

Die Entwicklung der Virtual Bundesliga war 2018/19 enorm. Jetzt dürfen die DFL und EA nicht nachlassen. kicker eSport/DFL

In Berlin blickte man in vorwiegend gut gelaunte Gesichter. Beim Finale der TAG Heuer Virtual Bundesliga waren die Verantwortlichen mit der Veranstaltung zufrieden. Die abgelaufene Saison hatte einige neue Inhalte zu bieten. Neben dem aufgefrischten Namen (aus Virtuelle Bundesliga wurde Virtual Bundesliga) gab es auch einen neuen Wettbewerb: die VBL Club Championship. Es ist die Erweiterung der mittlerweile einzigen offiziell von der DFL ausgerichteten deutschen Meisterschaft im eFootball. Die Entwicklung des Wettbewerbs ist nicht von der Hand zu weisen. Als die DFL in der Saison 2012/13 den ersten VBL-Meister kürte, fand das noch relativ unspektakulär, dafür aber mit prominenter Moderator-Unterstützung statt. Frank Buschmann überreichte die Schale an Kevin Assia. Seitdem haben sich die Präsentation und die Verpackung des Wettbewerbs stark verändert.

Starke Entwicklung - was kommt noch?

Man merkt der Veranstaltung an, dass sie in Deutschland der Platzhirsch sein will und als DFL-Produkt auch sein muss. Turniere wie die ESL Meisterschaft mussten dafür weichen. Klare Strukturen sind wichtig, auch um die Wertigkeit des Wettbewerbs zu zeigen. An der Wertigkeit hat die DFL in den vergangenen Jahren viel geschraubt. Das Produkt ist hochwertig produziert. Zwar fehlen die professionellen Sportmoderatoren, dafür hat man eine Fülle an Experten an der Seite, die in den Übertragungen mit Wissen glänzen. Was früher für den Zuschauer eher schwer nachzuvollziehen war, wird nun transparent in die Welt ausgestrahlt und die Fans können mittlerweile sogar live und kostenlos bei den Finals dabei sein. Hier hat der FIFA-eSport dem traditionellen Sport einiges voraus, aber auch gegenüber anderen eSport-Veranstaltungen gehört eFootball noch zu den zugänglichsten Produkten. Jetzt steht die DFL vor der nächsten großen Herausforderung: Ein Produkt zu schaffen, das nicht nur sauber, sondern auch spannend anzusehen ist. In Sachen Entertainment hat die VBL definitiv noch Luft nach oben. Wer ins Stadion am Wochenende geht, bekommt Spektakel und im TV gibt es Analysen. Dies fehlt dem deutschen FIFA-eSport in Deutschland noch. Unterhaltung für die ganze Familie muss es im ersten Schritt noch nicht mal sein, aber generell wäre Entertainment abseits vom virtuellen Ballgeschiebe eine Überlegung wert.

Ein rundes Produkt für die Zukunft

Weiterer Kritikpunkt war die Darstellung der Club Championship. Der Teamwettbewerb kürte in diesem Jahr erstmals den virtuellen Klubmeister. Dafür wurden besondere Partien sogar aufwendig fürs TV produziert und jedes Team streamte seine Spieltage über Twitch. Die Qualität der Twitch-Übertragungen schwankte allerdings gewaltig und man merkte dem Wettbewerb an, dass hier noch eine klare Linie gefunden werden muss, um ein stimmiges Produkt auf den Markt zu bringen. Dass die Produktion nicht einheitlich war und größtenteils von den Vereinen selbst umgesetzt wurde, war ein Grund für die unterschiedlichen Qualitäten. Auch das kennt man vom traditionellen Sport anders und wird von der DFL anders gehandhabt. Für das nächste Jahr ist die Weiterentwicklung eines der großen Ziele. Die Club Championship wird dann in einem anderen Dress auftreten, dies lies die DFL schon durchblicken. Wenn dann das Bild dem der VBL Meisterschaft ähnelt, dürfte der Zugriff auch themenfremden Zuschauern leichter fallen. Für die eSportler war der 2vs.2-Modus in der Club Championship eine willkommene Abwechslung, generell kam Lob zum neuen Format und den Ausrichtungsorten von den Spielern, nur am 85er-Modus in der VBL hatten einige Profis Kritik. Es ist noch einiges zu tun und sieben Saisons braucht man diesmal vermutlich nicht dazu. Mittlerweile sollten die Gegebenheiten insoweit geschaffen sein, das die Virtual Bundesliga in Verbindung mit der Club Championship ein rundes Produkt in hoher Qualität abgibt, das sich vor den traditionellen DFL-Formaten nicht verstecken muss.

Nicole Lange

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