Ab 2020 wieder ein GP der Niederlande

Jubel in Zandvoort, Zittern in Hockenheim

In 2020 findet in Zandvoort nach 35 Jahren Pause wieder ein Formel-1-Rennen statt.

In 2020 findet in Zandvoort nach 35 Jahren Pause wieder ein Formel-1-Rennen statt. imago images

Erst am Wochenende waren sie wieder zu sehen. Tausende von Max-Verstappen-Fans, eng an eng auf einer Tribüne zusammensitzend, eine beeindruckende Wand in Knallorange. Kein anderer Fahrer hat in der Formel 1 derzeit so viele Anhänger, die zu den europäischen Rennen pilgern, nicht selten auch zu denen in Übersee. Für sie ist das, was heute von Formula One Management (FOM) bekanntgemacht wurde, die beste Nachricht des Jahres. Endlich haben die Niederlande wieder einen Formel-1-Grand-Prix: Auf dem Dünenkurs der 17000-Einwohner-Stadt wird es dann über 71 Runden gehen. Der Kurs ist mit 4,320 Kilometern der fünftkürzeste des Jahres nach Monte Carlo, Mexiko, Sao Paulo und Spielberg - genug Gelegenheit also für alle Oranjes, ihrem Liebling endlich auch zu Hause frenetisch zuzuwinken und zuzujubeln.

Rekordsieger Jim Clark

Der Dutch Grand Prix gehört zu den traditionsreichsten Rennen der Formel 1, auch wenn er seit 1985 nicht mehr im Kalender zu finden war. Bis dahin aber hatte es auf der in unmittelbarer Strandnähe gelegenen Strecke 30 Austragungen gegeben. Erster Sieger war im Jahr 1952 der Italiener Alberto Ascari, den bislang letzten Pokal holte sich 1985 Niki Lauda ab. Erfolgreichster Pilot auf der häufig von Sand auf der Fahrbahn geprägten Strecke war der Schotte Jim Clark, der viermal in Zandvoort ganz oben auf dem Treppchen stand.

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Hockenheim und Barcelona auf der Kippe

So sehr sich die niederländischen Formel-1-Anhänger über die Rückkehr nach Zandvoort freuen, so sehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Hockenheim auch im kommenden Jahr noch im Kalender zu finden sein wird. Das Motodrom im Badischen und der in argen Finanznöten steckende Circuit de Catalunya, wo am Wochenende der Spanien-GP ausgetragen wurde, stehen auf der Kippe, zumal bereits feststeht, dass es ab 2020 erstmals einen GP von Vietnam in Hanoi geben wird. Gleichzeitig aber ist auch klar, dass die Anzahl von Rennen die Ziffer 21 nicht übersteigen wird.

Um Zandvoort für die moderne Formel 1 zugänglich zu machen, bedarf es erheblicher Modernisierungsmaßnahmen, die jetzt sehr rasch in Angriff genommen werden sollen. Für Chase Carey, den CEO des Formel-1-Rechteinhabers Liberty Media, ist die Zusage an Zandvoort das Einlösen eines Versprechens, das er bereits vor zweieinhalb Jahren gegeben hatte: "Seit Beginn unserer Tätigkeit in der Formel 1 haben wir gesagt, dass wir an neuen Orten fahren und gleichzeitig die historischen Wurzeln des Sports in Europa respektieren wollen."

Für Lammers geht ein Traum in Erfüllung

Motor hinter dem Comeback von Zandvoort ist der ehemalige niederländische Formel-1-Fahrer Jan Lammers. Der 62-Jährige gebürtige Zandvoorter bestritt 23 Formel-1-Rennen, ein 9. Platz war dabei seine beste Platzierung. Mit dem Rennen, das er als Kind vor Ort erlebte und das nun in seine Heimatstadt zurückkehrt, erfüllt sich Lammers einen großen Traum: "Der Zandvoort Circuit ist legendär und weltweit bekannt, und wir freuen uns, dass er ab jetzt wieder eine Runde der Formel-1-WM beherbergt."

Stefan Bomhard