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Ultras erzwingen Spielabbruch - Grasshoppers abgestiegen

Schweiz: Spieler müssen in Luzern Trikots aushändigen

Ultras erzwingen Spielabbruch - Grasshoppers abgestiegen

Heinz Lindner

Grasshoppers-Schlussmann Heinz Lindner versuchte die Situation in Luzern vergeblich zu beruhigen. imago images

Ein Sieg der Grasshoppers beim FC Luzern war zwingend nötig, um zumindest rechnerisch weiterhin "am Leben" zu bleiben. Doch der Traditionsverein ging auch in diesem Spiel unter. Beim Stand von 0:4 aus Sicht der Gäste kam es zu einer 20-minütigen Unterbrechung und später zum Spielabbruch, weil sich GC-Fans am Spielfeldrand versammelt hatten und eine sichere Fortsetzung der Partie unmöglich schien.

Der erboste Anhang forderte von den Spielern die Trikots heraus. Die Botschaft: Ihr seid nicht würdig, das GC-Trikot zu tragen. Auch die Beschwichtigungsversuche von Kapitän und Torwart Heinz Lindner halfen nichts. "Ich habe mit ihnen das Gespräch aufgenommen und versucht zu verhandeln", wird der Österreicher im "Blick" zitiert. "Aber es war relativ schnell klar, dass Weiterspielen keine Option mehr war." Um 17.51 Uhr brach Schiedsrichter Alessandro Dudic, der auch beim GC-Abbruch in Sion zum Team der Unparteiischen gehört hatte, die Begegnung ab.

Klubchef Stephan Rietiker verteidigte das Verhalten der Vereins inzwischen: "Man kann mich als Weichei bezeichnen. Aber ich musste abwägen, auch wenn es Erpressung war", sagte er am am Montag. "Es war kein Kniefall, sondern es ging um Deeskalation", erklärte Rietiker.

Mit der zu erwartenden Niederlage am Grünen Tisch steigt der Traditionsverein somit nach 70 Jahren in der obersten Schweizer Liga in die 2. Liga ab. Dieser sportliche Niedergang hatte sich seit Langem abgezeichnet. Seit 18 Spielen, seit Oktober 2018, wartet der Verein auf einen Sieg. Die Trainer Thorsten Fink, Tomislav Stipic und zuletzt Uli Forte oder auch Winter-Neuzugang Caiuby (neun Einsätze, kein Tor) konnten den Absturz nicht verhindern.

Klub verurteilt Vorkommnisse

Schon am Sonntag hatte der GC die Vorkommnisse in einem Statement als "beschämend und inakzeptabel" verurteilt: "Der Grasshopper Club Zürich hat Verständnis für die Frustration über die sportlichen Leistungen der Mannschaft", hieß es dort weiter: "Gewalttaten und Unsportlichkeiten, welche zu einem Spielabbruch führen, verurteilt der Klub ein weiteres Mal aufs Schärfste." Weil die Situation zu eskalieren drohte, habe der GC "in Absprache mit den Sicherheitskräften entschieden, der Kurve die Trikots zu übergeben. Die Sicherheit der Spieler und jene der friedlichen Fans im Stadion ist das für uns wichtigste Gut. Die Entscheidung bedeutet nicht, dass wir damit das unsportliche und menschlich fragwürdige Verhalten gutheißen."

aho/dpa/sid

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