Gute Ausganglage - mit dem völlig falschen Ausgang

Duisburgs Abstieg: Eine Aneinanderreihung von Fehlern

Torsten Lieberknecht: Der anfängliche Erfolg des MSV-Trainers mit dem Sieg gegen Köln hielt nicht lange an.

Torsten Lieberknecht: Der anfängliche Erfolg des MSV-Trainers mit dem Sieg gegen Köln hielt nicht lange an. imago images

Nach der 3:4-Niederlage gegen den 1. FC Heidenheim ist der Traditionsverein aus Duisburg-Meiderich auch rechnerisch nicht mehr zu retten. Zwar signalisierte der größte Sponsor "Schauinsland-Reisen" zuletzt, an Bord zu bleiben. Doch die Zukunft der Zebras ist ungewiss. Auch, weil die Verantwortlichen seit dem Sommer vergangenen Jahres einen Fehler an den nächsten reihten und aufkommende Probleme nicht in den Griff bekamen.

Dabei stand der MSV in der Rückschau gut aufgestellt da. Vergangene Saison schloss die Mannschaft aus dem Kohlen-Pott als 7. der 2. Bundesliga so gut ab wie seit 2010 nicht - und das als Aufsteiger. Bis auf Torhüter Mark Flekken (zum SC Freiburg) blieben alle Leistungsträger aus der Vorsaison. Zusätzlich kamen gestandene Zweitligaprofis wie Richard Sukuta-Pasu (damals 97 Spiele im Unterhaus auf dem Konto) oder John Verhoek (155), dazu Perspektivspieler wie der zuvor vereinslose Yanni Regäsel (Hertha BSC, Eintracht Frankfurt) oder Sebastian Neumann (Würzburger Kickers) aus der 3. Liga. Außerdem wichtig: Manager Ivica Grlic zahlte keine Ablösesummen, holte die meisten Spieler quasi zum Nulltarif. Ein wichtiger Faktor für den Verein, den bis heute Verbindlichkeiten plagen.

2. Bundesliga Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
1. FC Köln
62
2
SC Paderborn 07
57
3
1. FC Union Berlin
56
4
Hamburger SV
53
5
1. FC Heidenheim
52
6
Holstein Kiel
49
7
FC St. Pauli
49
8
Jahn Regensburg
48
9
Arminia Bielefeld
46
Tabelle 2. Bundesliga
Trainersteckbrief Lieberknecht

Lieberknecht Torsten

MSV Duisburg

Deutschland

Trainersteckbrief

Im Winter 2019 war der MSV noch rund sechs Millionen Euro schuldig. Da traf es sich gut, dass Duisburg über den DFB-Pokal zusätzliche Einnahmen generierte. Erst im Viertelfinale scheiterte der MSV am SC Paderborn, parallel dazu scheiterte er an der Liga.

Nach dem Trainerwechsel fällt der Kader auseinander

Die ersten vier Ligaspiele nach Saisonbeginn gingen allesamt verloren, Anfang Oktober musste Coach Ilia Gruev (wird nun Co-Trainer bei Werder Bremen) gehen. Sein Nachfolger Torsten Lieberknecht stieg zwar spektakulär mit einem 2:1-Sieg in Köln ein, den Absturz konnte aber auch er nicht auffangen. Der Kader, der nur wenige Monate zuvor noch eine Prise Aufstiegsluft geschnuppert hatte, fiel jetzt auseinander. Verhoek traf kein einziges Mal ins Tor, spielte sich dafür eine miserable kicker-Durchschnittsnote von 4,7 zusammen. Sukuta-Pasu traf immerhin ein Mal, flüchtete aber im Winter nach China. Regäsel musste zwischenzeitlich seine Teilnahme am Trainingsbetrieb einklagen. Und Neumann konnte wegen diverser Verletzungen nicht mithelfen.

Fatalerweise setzten auch viele Spieler aus der Vorsaison aus. Borys Tashchy schleppte sich von einer Blessur zur nächsten, Dustin Bomheuer und Andreas Wiegel patzten, was das Zeug hielt und Moritz Stoppelkamp machte komplett vergessen, dass er einst ein Bundesligaspieler von Format war. Manager Grlic ließ es sich trotzdem noch im November - da war der MSV im freien Fall - nicht nehmen, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zu sagen, er würde jeden der Sommer-Transfers noch einmal tätigen.

Kapriolen abseits des Sports

Dazu gesellten sich Kapriolen abseits des Sports. So wurde Linksverteidiger Kevin Wolze im Wintertrainingslager kurzerhand als Kapitän rasiert. Gerrit Nauber zu befördern war verständlich, doch Wolze derart zu schädigen, fuhr der mit nur wenigen Köpfen ausgestatteten MSV-Mannschaft Schaden zu. Ohnehin beschäftigte sich die Mannschaft mehr damit, sich selbst zu zerfleischen, als für den Klassenerhalt zu arbeiten.

Was 2017/18 noch Gruev und der Erfolg zusammenhielten, zerbröselte nun in seine Einzelteile. Dazu trugen auch die drei Wintereinkäufe bei. Havard Nielsen schlug zwar ein, war aber durch die gemeinsame Braunschweiger Vergangenheit ebenso ein Mann Lieberknechts wie Joseph Baffoe, der über einen Einsatz nicht hinauskam. Rückkehrer Felix Wiedwald wiederum sorgte dafür, dass Torhüter Daniel Mesenhöler plötzlich nur noch die Nummer zwei war. Ungünstig, dass sich im Trainingslager wie danach kein wesentlicher Qualitätsunterschied herausstellte. Zuletzt bekannte sich Präsident Ingo Wald zu Lieberknecht und Grlic. Der Manager soll auch nach dem dritten Absturz den Neuanfang anführen.

Jim Decker

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