Ein Kommentar von kicker-Reporter Julian Franzke

Heroischer Kampf: Respekt vor dieser Mannschaft

Raus mit Applaus: Eintracht Frankfurt.

Raus mit Applaus: Eintracht Frankfurt. imago images

Nach dem hart erarbeiteten 1:1 im Hinspiel hat die Eintracht auch an der Stamford Bridge in einem heroischen Kampf alles versucht, um sich den Traum vom Finale in Baku, der längst kein Luftschloss mehr war, zu erfüllen. Die Hoffnung lebte bis hinein ins Elfmeterschießen. Die Enttäuschung über die verpasste Endspielteilnahme ist im ersten Moment riesengroß, bleiben werden jedoch der Stolz auf das Erreichte und die Erinnerung an tolle, unvergessliche Erlebnisse.

Die Eintracht hat auf ihrer Reise quer durch Europa nicht nur in Frankfurt und Hessen für Erstaunen und Begeisterung gesorgt. Deutschlandweit und selbst über die Bundesgrenzen hinaus erntete die schon in der Gruppenphase als Underdog gestartete Mannschaft von Trainer Adi Hütter viel Anerkennung. Frankfurt mogelte sich nicht durch den Wettbewerb, sondern zeigte mutigen, attraktiven und vor allem leidenschaftlichen Offensivfußball. Mit 30 Toren erzielten Luka Jovic und Co. in der Europa League mehr Treffer als jede andere deutsche Mannschaft zuvor.

Europa League - Halbfinale
Halbfinale
Trainersteckbrief Hütter

Hütter Adolf

Eintracht Frankfurt

Österreich

Trainersteckbrief

Niemand feierte Europa so ausgelassen wie die Eintracht

Nicht minder bemerkenswert ist der Einsatz der Fans auf den Rängen. Jedes Heimspiel ausverkauft, überwältigende Choreografien, kleine Völkerwanderungen nach Rom oder Mailand, fast schon ohrenbetäubender Support - niemand feierte Europa so ausgelassen wie die Eintracht. Einzelne Chaoten, die mit Böllern und Leuchtspuren hantierten, konnten dieses positive Gesamtbild nicht trüben.

kicker-Reporter Julian Franzke

kicker-Reporter Julian Franzke kicker

Vorbildcharakter

Mit welchem Enthusiasmus Anhänger und Klub ab dem ersten Tag durch die Europa League marschierten, besitzt Vorbildcharakter für alle künftigen deutschen Teilnehmer in diesem Wettbewerb. Es ist schon kurios: Mehr als die halbe Liga schielt Jahr für Jahr schon vor Saisonbeginn in Richtung internationale Plätze. Hat es dann geklappt mit dem Einzug in die Europa League, wird die kleine Schwester der Champions League aber oft nur stiefmütterlich behandelt. Dabei bietet gerade die Europa League nicht nur einem Klub wie Eintracht Frankfurt die große Chance, weit zu kommen und viele Sympathien zu gewinnen. Denn in der Königsklasse, das zeigte sich in dieser Saison deutlich, ist selbst der FC Bayern inzwischen ein gutes Stück von Europas Spitze entfernt.

Seiferts Warnung

Es ist höchste Zeit, den einst von Franz Beckenbauer als "Cup der Verlierer" verspotteten Wettbewerb ernst zu nehmen. "Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, wird sich, schneller als manche denken, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden", hatte Christian Seifert auf dem DFL-Neujahrsempfang 2018 gewarnt. Diese Mahnung hat an Aktualität nichts verloren. In Leverkusen oder Leipzig scheinen diese Worte zuletzt verhallt zu sein - beide Klubs gaben in der Europa League ein enttäuschendes Bild ab.