Bilderbuch-Comeback von Pavelski - Saisonaus für Grubauer

Filmreif! Sharks ziehen ins Conference-Finale ein

Tomas Hertl, Joe Pavelski & Brent Burns

Die Rückkehr von "Captain America": San Joses Joe Pavelski (M.) feierte ein Wahnsinns-Comeback. Getty Images

Die Rückkehr von "Captain America"

Die Lautstärke im "Haifischbecken" namens SAP Center war schon bei den Starting-Six so schrill wie bei einem Tor der heimischen Sharks: Kapitän Joe Pavelski feierte sein Comeback und kam im alles entscheidenden Spiel 7 erstmals in dieser Serie zum Einsatz. Zuvor laborierte der Stürmer an einer Kopfverletzung samt Gehirnerschütterung, die er sich im letzten Entscheidungsspiel gegen die Vegas Golden Knights zugezogen hatte. Beim Showdown gegen die Avalanche erhoffte sich San Jose durch seine Teilnahme einen Extra-Schub. Mary Ann Pavelski, die Oma von Joe Pavelski, gab schon vor dem Spiel den Ton an und sendete via Twitter folgende Botschaft: "Beat the Avs for Pavs" - also "Schlagt die Avs für Pavs".

Die Sharks hielten Wort - dabei erlebte ausgerechnet Pavelski ein filmreifes Bilderbuch-Comeback: Keine sechs Minuten waren gespielt, da zog Brent Burns von der blauen Linie ab - die Nummer 8 hielt seinen schneeweißen Schläger in die Schussbahn und fälschte den Puck unhaltbar zum 1:0 ab (6.). Die Rückkehr von "Captain America", wie der US-Amerikaner aufgrund seiner Fähigkeiten bei Abfälschern in Anlehnung an die Comicfigur genannt wird, war perfekt. "Rauskommen, ein frühes Tor schießen und diesen Schuss Adrenalin bekommen - das war schön", erinnerte sich Pavelski, dessen Einsatz bis zuletzt auf der Kippe stand. "Er hat die finale Entscheidung getroffen", sagte sein Trainer Peter DeBoer. "Was für ein Einschlag. Er ist eine besonderer Spieler."

Knackpunkt Videobeweis: Stand Landeskog im Abseits?

Martin Jones & Joe Thornton

Jubel in Teal: Sharks-Goalie Martin Jones (l.) freut sich mit Joe Thornton. imago images

"Ich selbst wusste nicht, ob er spielen würde. Ich habe es erst in der Arena erfahren und gesehen, dass er in der Aufstellung war", sagte Stürmer Joonas Donskoi. "Er ist ein wichtiger Teil dieses Teams. Jeder hat Energie bekommen, als er ihn zurück auf dem Eis gesehen hat. Es war großartig." Zumal Pavelski kurz darauf auch noch das 2:0 durch Tomas Hertl auflegte (12.). "Als ich Pav gesehen habe, wusste ich, dass der Puck kommen würde. Es war für mich ein Leichtes, diesen Pass ins Tor zu schießen", so der Tscheche über seinen bereits neunten Play-off-Treffer.

Colorado aber gab sich nicht geschlagen und kam durch Mikko Rantanen wieder auf 1:2 heran (20.). Im Mitteldrittel kam es dann zu einer umstrittenen Szene: Colin Wilson glich für die Avs aus (22.), doch ließ DeBoer den Treffer mit der "Coaches Challenge" per Videobeweis überprüfen. Die Hoffnung: Eine Abseitsstellung, denn Gabriel Landeskog kam bei einem Wechsel nicht früh genug vom Eis. Eine Millimeterentscheidung. "Ich habe mir nichts dabei gedacht", so Landeskog. "Ein dämlicher Fehler von mir. Ich wünschte, ich wäre schneller über die Bande gesprungen. Ich habe es mir auf der Bank in der Wiederholung angesehen. Man hätte es so oder so entscheiden können." Die Schiedsrichter entschieden jedenfalls auf "kein Tor". San Jose war im Glück und baute die Führung kurz darauf aus: Donskoi traf zum 3:1 (33.).

Jones ragt in Colorados Drangphase heraus

NHL Play-offs 2019

In den ersten beiden Dritteln hatten sich die Sharks diese Führung durch spielerische Vorteile und ein klares Chancenplus verdient. Der deutsche Avalanche-Goalie Philipp Grubauer (24 Saves, 88,9 Prozent Fangquote) aber reagierte mehrfach glänzend. Im dritten Durchgang erwischte Colorado dann erst einen Blitzstart, kam durch Tyson Jost wieder auf 2:3 heran (41.) und dominierte fortan das Geschehen komplett (15:2 Schüsse im Schlussabschnitt). Vor allem Torwart Martin Jones (27 Saves, 93,1 Prozent Fangquote) aber war es zu verdanken, dass das kalifornische Bollwerk standhielt.

Grubauer für Deutschland?

"Unsere Saison ist vorbei. Das ist hart. Wir haben hohe Erwartungen in uns gesetzt und unsere Jungs haben jeden Tag gearbeitet, um diese zu erfüllen. Es war eine richtig gute Serie", sagte ein enttäuschter Avs-Trainer Jared Bednar. "Ich werde auf eine tolle Saison mit Höhen und Tiefen zurückblicken", so Kapitän Landeskog. "Wir haben uns durch den letzten Monat der regulären Saison und auch durch die Play-offs gekämpft. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft." Durch das Aus darf sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme von Grubauer machen. Der 27-jährige Rosenheimer spielte überragende Play-offs (zwölf Spiele, sieben Siege, 2,3 Gegentore/Spiel, 92,5 Prozent Fangquote, ein Shutout) und wäre eine bemerkenswerte Verstärkung für das DEB-Auswahl.

NHL-Ergebnisse vom Mittwoch, dem 8. Mai 2019:

San Jose Sharks - Colorado Avalanche 3:2

Christian Rupp

Play-off-Endstand: 4:3

Die dritten Trikots in der NHL