"Ich glaube immer noch nicht, dass wir gewonnen haben"

Son zwischen Sprachlosigkeit und Glück

Heung-Min Son

Konnte sein Glück kaum fassen: Spurs-Stürmer Heung-Min Son. Getty Images

Mauricio Pochettino konnte es nicht fassen. Tottenhams Trainer ließ sich in der Amsterdamer Arena auf die Knie fallen, senkte den Kopf und drückte ihn in den Rasen. Mutmaßlich gibt es keine Worte, die beschreiben könnten, was in diesem Augenblick in ihm vorging - es war schlichtweg das pure Glück. Soeben hatte Lucas Moura in der sechsten Minute der Nachspielzeit das 3:2 für seine Mannschaft erzielt. Es war der Schlusspunkt unter einem atemberaubenden Duell, das Pochettinos Elf als Sieger hervorbrachte und ins Champions-League-Finale vorrücken ließ.

Dabei war Tottenham im Grunde bereits geschlagen, als Schiedsrichter Felix Brych die beiden Teams nach 45 Minuten in die Kabine bat. Ajax führte 2:0; und weil die Niederländer bereits das Hinspiel in London 1:0 gewonnen hatten, benötigten die Spurs in der zweiten Hälfte drei Tore - ein schier aussichtsloses Unterfangen. Aber eben auch eines, das Lucas Moura mit einem Hattrick tatsächlich Realität werden ließ.

Verrücktes Spiel

"Ich glaube immer noch nicht, dass wir gewonnen haben", sagte Heung-Min Son nach der Partie am "Sky"-Mikrofon. Der frühere Hamburger und Leverkusener rang nach Worten. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", meinte Son und sprach dann von einem "komplett verrückten Spiel" in der zweiten Hälfte, ehe er sich doch an einer Erklärung versuchte. Als Lucas Moura zehn Minuten nach dem Seitenwechsel der Anschlusstreffer gelungen war, habe die Mannschaft wieder "mehr an uns geglaubt, danach kriegt man Selbstvertrauen". Und als der Brasilianer nicht mal fünf Minuten später das 2:2 erzielte, nahm die Wende Konturen an.

Ziyech an den Pfosten, Lucas Moura ins Tor

Rund eine halbe Stunde war da noch zu spielen. Und hätte Hakim Ziyech gut zehn Minuten vor dem Ende nicht den Pfosten, sondern ins Tor getroffen, Tottenhams Comeback wäre ausgeblieben. So aber blieb die Partie offen - und Lucas Moura traf noch ein drittes Mal mit einem flachen Linksschuss.

"Nur noch ein Schritt"

Der Brasilianer war am 31. Januar 2018 als bislang letzter Spieler überhaupt zu den Spurs gekommen. Seitdem hat der Klub von Verpflichtungen abgesehen - und steht nun zum ersten Mal im Endspiel der Königsklasse. "Wir sind sehr, sehr glücklich", sagte Son. Jetzt fehle "nur noch ein Schritt" bis zur Krönung - ein Sieg in Madrid. Gegen den FC Liverpool, der bereits am Dienstag in einem ebenso denkwürdigen Spiel mit einem 4:0 gegen den FC Barcelona ins Finale eingezogen ist.

lei