HSV-Sportvorstand begründet Ja zu Wolf und setzt aufs Endspiel in Paderborn

Becker energisch: "Ich mache da nicht mit!"

Ralf Becker

Skeptischer Blick: HSV-Sportvorstand Ralf Becker. imago images

Der Trend spricht gegen den Wolf, die Wirkung seiner jüngsten Maßnahmen ebenso. Mit einem Trainingslager und einer Brandrede hat der 38-Jährige kein Feuer bei seinen Profis entfacht, stattdessen folgte bei 0:3 gegen Ingolstadt der (bisherige) Saison-Tiefpunkt. Becker sagt dennoch: "In den letzten zehn Jahren hat der HSV immer wenn es schief lief, den Trainer gewechselt und steht heute in der 2. Liga mit nicht so tollem Konto da. Ich mache da nicht mit. Wenn wir immer unruhig werden, ist hier irgendwann Voll-Chaos." Das war freilich zuletzt auch unter Wolf ausgebrochen. Auf dem Platz und außerhalb, wie neben dem niederschmetternden 16. Platz in der Rückrundentabelle auch der Fall Lewis Holtby vor einer Woche belegt. Becker aber glaubt: "Wir müssen durch diese schwere Phase gemeinsam durch."

Das Problem ist: Gemeinsam haben im Hamburger Kader zu viele nichts mehr. Nicht mal ein gemeinsames Ziel. Die Leihspieler Hee-Chan Hwang und Orel Mangala müssen zurück nach Salzburg und Stuttgart, Pierre-Michel Lasogga hat keine Zukunft, Douglas Santos muss verkauft werden - zu viele potenzielle Eckpfeiler ohne Zukunft in Hamburg? "Ich glaube, dass das keine Rolle spielt", sagt Becker. Auch Wolf unterstreicht: "Die Situation ist keinem egal." Aber gehen auch alle an die Grenze und darüber hinaus?

Paderborn: Drittes Duell, dritter Sieg?

"Wir haben jetzt ein Endspiel", sagt Becker. Mit Wolf. Und die Begründung, weshalb der Ex-Stuttgarter den HSV auch auf die letzte Chance am Sonntag einstellen darf, klingt eher nach dem Prinzip Hoffnung als nach tiefster Überzeugung: "Wir haben gegen Paderborn in dieser Saison schon zwei Mal gewonnen und sind sicher, dass wir das in dieser Konstellation wieder schaffen können." Ein anderes Szenario, etwa ein Impuls durch einen Trainerwechsel, behauptet der Sportvorstand, sei am Samstagabend kein wirkliches Thema gewesen. Gemeinsam mit Klubboss Bernd Hoffmann und Sportdirektor Michael Mutzel hatte Becker zusammengesessen, Hoffmann zudem auch den Aufsichtsrat informiert, aber: "Es gab keine Abstimmung, weil wir uns einig waren." Eine Job-Garantie über den Sommer hinaus indes stellen die Bosse ihrem erfolglosen Trainer nach dessen vielen fehlgeschlagenen Versuchen, die Wende einzuleiten, nicht aus. Becker: "Es ging am Samstag nur um die aktuelle Situation." Und die hält für den HSV nach den Patzern der Konkurrenz nach wie vor alle Möglichkeiten zur Bundesliga-Rückkehr bereit. Das Prinzip Hoffnung allein indes wird nicht reichen.

Sebastian Wolff

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