Gegenwart und Zukunft: Der VfL will mit aller Macht nach Europa

Die Gier der Wölfe ist zurück

Bruno Labbadia und Oliver Glasner

Gegenwart und Zukunft: Bruno Labbadia und Oliver Glasner. imago images (2)

Bruno Labbadia will nur von Spiel zu Spiel schauen. Logisch. Voller Fokus auf den Endspurt in der Bundesliga, noch drei Partien, dann ist der Trainer weg aus Wolfsburg. Er will sich als derjenige verabschieden, der den VfL nach Jahren des sportlichen Siechtums zurück auf die internationale Bühne geführt hat. Die Gier der Wölfe ist unter dem Fußballlehrer zurückgekehrt, die Spieler legen die öffentliche Zurückhaltung ab. "Jetzt ist alles möglich", sagt Torjäger Wout Weghorst, der wie kein anderer Wolfsburger Profi für die neue Mentalität im VfL-Kader steht. Arbeit, Fußball, Leidenschaft - eine Mannschaft lebt das Vereinsmotto.

Das Team kann Noch-Coach Labbadia mit dem Einzug in den Europapokal einen fantastischen Abschied bereiten und dem Bald-Coach Oliver Glasner ein wunderschönes Einstandsgeschenk machen. Maximilian Arnold, am Sonntag beim überragenden 4:1 in Hoffenheim Wolfsburgs Bester, sagt mit Blick auf seinen zukünftigen Trainer: "Ich hoffe, wir können ihm mit einem internationalen Platz was geben."

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
71
2
Borussia Dortmund
69
3
RB Leipzig
64
Trainersteckbrief Labbadia

Labbadia Bruno

Trainersteckbrief Glasner

Glasner Oliver

Schäfer über Glasner: "Das war sehr wichtig für uns"

Wolfsburg greift wieder an. Wenn es nicht schon in dieser Saison klappt, so soll es spätestens unter Glasner wieder europäisch werden beim VfL, der 2016 noch im Champions-League-Viertelfinale denkbar knapp an Real Madrid gescheitert war. "Wir haben das Jahr genutzt, uns zu stabilisieren", sagt Sportdirektor und Klubikone Marcel Schäfer bei Sky. Die Zielvereinbarung mit Glasner formuliert er so: "In den nächsten zwei, drei Jahren möchten wir zurück nach Europa. Wir haben große Ambitionen, die decken sich mit denen von Oliver Glasner. Das war sehr wichtig für uns, zu hören, welchen Weg er mit uns gehen möchte und dass wir die gleichen Ziele haben."

Geschäftsführer Jörg Schmadtke geht ebenfalls in diese Richtung: "Bestehendes, Gutes erhalten und trotzdem weiter in der Entwicklungsstufe zu kommen", beschreibt er den Wunsch, den er mit der Verpflichtung Glasners, der bis 2022 unterschrieben hat, verknüpft. Schmadtke wolle "vielleicht mit Zuwächsen im Kader noch mal eine neue Möglichkeit schaffen, vielleicht noch erfolgreicher zu sein als wir in diesem Jahr eh schon sind".

Haberer steht im Schaufenster, aber Freiburg fordert zu viel

Mit Rechtsverteidiger Kevin Mbabu vom Schweizer Meister Young Boys Bern steht der erste Zugang für den Sommer bereits fest. War Glasner da bereits involviert? "Ich kann mich zu 100 Prozent auf Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer verlassen", sagte der 44-Jährige in der Sendung "Talk & Tore" bei Sky Austria. Noch liege sein ganzer Fokus auf seinem Job beim Linzer ASK. Aber: "Natürlich sprechen wir über die eine oder andere Verpflichtung, über den einen oder anderen Abgang." Kommen sollen dem Vernehmen nach noch ein schneller Innenverteidiger, ein schneller Stürmer, eventuell ein Back-up für hinten links, falls Talent Gian-Luca Itter verliehen wird. Und auch im zentralen Mittelfeld fahndet der VfL nach einer Verstärkung. Freiburgs Janik Haberer steht im Schaufenster, doch schon bei der geforderten Ablöse von rund 15 Millionen Euro soll der VfL abgewinkt haben.

Die Perspektive in Wolfsburg heißt Europapokal

Wolfsburg arbeitet erfolgreich im Jetzt und bastelt intensiv am Morgen. Verändert Glasner das Spielsystem, das aktuell zwischen einem 4-4-2 mit Raute und einem 4-3-3 pendelt? Aktuell bevorzugt der Österreicher beim Tabellenzweiten der österreichischen Liga ein 3-4-3. "Ich werde mir ein Bild machen von der Mannschaft", erklärt der Ex-Profi. "An dem, dass wir versuchen, den Gegner früh zu stören und nach Ballgewinnen schnellstmöglich nach vorne zu spielen, und dass wir versuchen, den Ball, wenn wir ihn verlieren, schnellstmöglich zurückzugewinnen, wird sich nichts ändern. Vieles von dem spielt der VfL jetzt schon unter Bruno Labbadia." Und das äußerst erfolgreich.

Labbadia ist noch die Gegenwart, Glasner gehört die Zukunft. Und aus den Ambitionen machen sie in Wolfsburg nun kein Geheimnis mehr. Das verrät auch der künftige Coach. "Ich wäre nicht hingegangen, wenn sie gesagt hätten, jetzt komm und mach mal. Mir ist es ganz wichtig gewesen: Welche Ziele hat der Klub, wo wollen wir hingehen? Können wir das gemeinsam realisieren? Trauen wir uns das gegenseitig zu? Da waren wir sehr schnell der Meinung, das passt zusammen. Mir ist es immer wichtig, eine Perspektive zu haben. Die ist beim VfL Wolfsburg gegeben." Die Perspektive lautet nach den Fast-Abstiegen der Vorjahre wieder: Europapokal.

Thomas Hiete