Hamburgs Trainer redet Klartext: "Ein paar Dinge sind reduziert worden"

Wolfs Anklage - HSV geht ins Trainingslager

Lasogga, Wintzheimer, Wolf, Bates und Sakai (v.l.)

Nachbereitung des Berlin-Spiels, am Samstag kommt Ingolstadt: HSV-Trainer Hannes Wolf im Montagstraining. imago

Holtbys selbstverschuldetes Aus war das i-Tüpfelchen auf einem Wochenende, das den Sturz aus den Aufstiegsrängen bedeutet hat. Wolf äußert sich dazu bemerkenswert und doch klar. "Lewis ist ein guter Junge, wir haben uns immer gut verstanden. Aber vier Wochen vor Saisonende zu sagen, ich fahre nicht mit, das geht nicht." Zumal der 28-Jährige seinen Entschluss nicht nur dem Coach, sondern auch den anderen Spielern gegenüber geäußert hat, ehe er einen Rückzieher machen wollte. Wolf deutet an, dass er Holtby vielleicht noch eingefangen hätte, "wenn es unter vier Augen geblieben wäre. Dann hätten wir es vielleicht noch geregelt gekriegt. Aber so ging es nicht. So funktioniert es nicht. Lewis ist deswegen kein schlechter Mensch, aber wir brauchen Konsequenz."

Die "maximale Schärfe" fehlt

Dass Holtby nur die Spitze des Eisbergs ist, deutet der 38-Jährige mehr als nur an. Offen wie nie kritisierte er Montag, dass ihm im Kader die Einstellung fehlt. "Die maximale Schärfe, die Bereitschaft habe ich zuletzt in vielen Phasen vermisst, im Training wie im Spiel." Messbar ist dies für ihn an schlechteren Kilometer- und Sprintwerten im Vergleich zur erfolgreichen Hinserie. "Daran sieht man, dass ein paar Sachen runterreduziert worden sind." Er selbst konnte dem als Trainer bislang nicht entgegenwirken, sieht sich zwar in der Verantwortung, betont aber auch: "Ich ziehe mir nicht jeden Schuh an." Neben Verletzungsproblemen macht er ganz offen auch ungeklärte Vertragssituationen als Ursache aus: Holtbys Abschied stand bereits fest, der von Pierre-Michel Lasogga, Douglas Santos wird folgen, Hee-Chan Hwang und Mangala gehen ebenfalls. "Es geht aber nicht, dass man ein bisschen was reduziert, weil man noch nicht weiß, wie es für einen persönlich weitergeht. Wir müssen jetzt die finden, die sich für den HSV und in unserer neuen Rolle als Jäger zerreißen."

Rotenburg oder Malente? Rotenburg!

Doch wie soll drei Spiele vor Schluss etwas gedreht werden, was über Monate nicht gelungen ist? Rotenburg und Malente standen nun zur Auswahl, um die "Mannschaft einzuschwören auf unsere neue Rolle", so Wolf. Verfügbar wären beide Quartiere. Am Abend fiel die Entscheidung, dass es aufgrund der Qualität der Trainingsplätze ins niedersächsische Rotenburg geht. Dabei kommen insbesondere bei Malente in Hamburg Gedanken an 2015 auf. Dort wurde unter Bruno Labbadia gleich mehrfach Quartier bezogen und eine Mannschaft, die in ihre Einzelteile zerfallen schien, wieder zusammengefügt. Verantwortlich dafür indes war nicht der viel zitierte "Geist von Malente", sondern die Energie des damaligen Trainers. Wolf will diese ebenfalls ausstrahlen, muss aber weiter mit personellen Problemen leben. Hunt ist in Berlin auf den Rücken gefallen, klagt über Schmerzen und ist für den Samstag schon wieder ein Wackelkandidat. Bei Mangala lassen die Schmerzen im Zehengelenk unverändert kein Training zu. Wolf sagt dennoch: "Es kann alles passieren, aber nicht, dass wir nicht alles gegeben haben."

Sebastian Wolff

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