Deutscher PES-Meister Matthias Winkler im Interview

"Während andere nervös werden, bleibe ich ruhig"

"Im eSport zählt die mentale Fitness." Trotz seiner 36 Jahre will Matthias Winkler in Portugal angreifen und um den Einzug ins WM-Finale spielen. eFootball.Pro

36 Jahre alt ist der amtierende Deutsche Meister in Pro Evolution Soccer. Das ist eher ungewöhnlich für den eSport aber bei PES durchaus gang und gäbe. "Ich glaube, dass ich noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen kann", sagt Matthias 'GoooL' Winkler, Deutschlands bester Spieler und derzeit bei Schalke unter Vertrag.

Am Freitag beginnt in Portugal das zweite Regional der Saison, dann müssen Winkler und seine Teamkollegen in Königsblau sich der europäischen Konkurrenz stellen. In Deutschland haben sich in der zweiten Saisonhälfte ausschließlich Spieler der Knappen qualifiziert. Winkler wird in Porto entsprechend von Mike 'El_Matador' Linden und Mehrab 'MeroMen' Esmailian flankiert.

Das Turnier wird hart, Deutschland ist jedes Jahr zwar dabei, hat aber schon lange keine Chance mehr auf Titel. Diesmal könnte es anders werden, denn die Gruppenauslosung spielt den Schalkern in die Hände. Ebenso ist der amtierende Weltmeister, dank Qualifikation in der ersten Saisonhälfte, nicht dabei und andere große europäische Namen fehlen ebenfalls. Schalke könnte also diesmal wirklich eine Chance auf die beiden Finalplätze haben. Wer sich bis dahin vorspielt, erhält eine Startberechtigung für die Weltmeisterschaft. Zum Auftakt haben wir Matthias Winkler zum Interview gebeten.

kicker eSport: Matthias, Du bist nach zehn Jahren zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden, was bedeutet Dir der Titel?
Matthias 'GoooL' Winkler: Ich habe bis vor Kurzem immer geglaubt, der Titel aus 2009 würde meine einzige Deutsche Meisterschaft bleiben. Umso mehr freut es mich, dass ich jetzt - zehn Jahre danach - diesen Triumph wiederholen konnte. Ich freue mich auch sehr darüber, dass ich Schalke etwas zurückgeben kann - für die tolle Unterstützung und die professionellen Strukturen.

kicker eSport: Was bedeutet der deutsche Meistertitel im internationalen Vergleich?
Winkler: Deutschland ist das einzige europäische Land, das eine Offline-Saison gespielt hat. Deshalb ist die Deutsche Meisterschaft etwas Besonderes. Die Wertschätzung für den Erfolg ist groß. Zum Beispiel werde ich bei den Regional Finals auch an die erste Position gesetzt. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher.

kicker eSport: Wie bereitest Du Dich vor?
Winkler: Ich habe zuletzt viel offline gespielt - meist gegen Mike [Linden]. In Porto bleiben uns auch noch ein paar Tage, um an den eigenen Fähigkeiten zu feilen.

kicker eSport: Mit welchen Erwartungen reist Du an?
Winkler: Natürlich möchte ich als Sportler auch erfolgreich sein. Entsprechend ist mein Ziel, unter die Top 2 zu kommen, um mich für die World Finals im Sommer zu qualifizieren. Das Teilnehmerfeld ist aber sehr gut besetzt, sodass es sicherlich nicht einfach wird. Zudem spielen viele Faktoren mit, die man nicht oder kaum beeinflussen kann: Tagesform, Gruppen-Auslosung und letztlich auch ein Quäntchen Glück können das Zünglein an der Waage sein.

kicker eSport: 36 Jahre bist Du alt, so lange sind die wenigsten im eSport aktiv. Denkst Du schon an den Ruhestand?
Winkler: Nein. Ich bin zwar schon seit 15 Jahren in der PES League aktiv, aber so lange ich mit Spaß bei der Sache bin, werde ich weiter spielen. Im realen Fußball gibt es irgendwann eine körperliche Grenze, im eSport ist es eher die mentale Fitness. Ich glaube, dass ich noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen kann.

kicker eSport: Was motiviert Dich immer wieder Höchstleistungen zu bringen?
Winkler: Es macht mir Spaß, mich mit anderen Spielern zu messen. Das Engagement auf Schalke hat mir dann noch einen Motivationsschub gegeben. Das ist nochmal ein völlig neues Niveau, auf dem man agiert.

kicker eSport: Wie wird die Schalke-Mannschaft abschneiden?
Winkler: Hoffentlich erfolgreich. Wir werden jedenfalls alles dafür geben.

kicker eSport: Auf welchen Spieler wirst Du besonders achten im Turnier in Porto und warum?
Winkler: Vor allem werde ich auf mich selbst achten! So ein Turnier ist mental sehr fordernd, auch wenn es "nur" vier bis sieben Spiele sind. Man muss bei 100 Prozent sein, sonst kann man keinen Erfolg haben.

kicker eSport: Was unterscheidet die jungen 18-Jährigen von Dir?
Winkler: Ich bringe die Erfahrung von 15 Jahren PES League und knapp 400 Offline-Turnieren mit. Früher waren Offline-Events gang und gäbe, heutzutage läuft der größte Teil online ab. Und es ist nun mal etwas anderes, ob man in seinen eigenen vier Wänden sitzt, oder in einem großen Event-Raum, wo es laut ist, Zuschauer einen beobachten und man unter zusätzlichem Druck steht. Während andere nervös werden, bleibe ich ruhig. Die Erfahrung ist enorm wichtig und kann mir helfen, gegen Jungs zu gewinnen, die womöglich stärker sind, aber nicht ihre 100 Prozent abrufen können.

Holm Kräusche

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