"Tolle Leistung der Mannschaft, grandiose Choreografie unserer Fans"

Hütter: "Rebic war der beste Mann auf dem Platz"

Nicht zu stoppen: Frankfurts Ante Rebic war unaufhaltsamer Aktivposten gegen Benfica.

Nicht zu stoppen: Frankfurts Ante Rebic war unaufhaltsamer Aktivposten gegen Benfica. imago

Zu oft werden Stürmer in der Außenwahrnehmung ausschließlich an Torerfolgen gemessen. Sicher, mit einem eigenen Treffer hätte Rebic seinen Auftritt gekrönt, doch auch so bleibt die Leistung des Kroaten am Donnerstabend in Erinnerung. Sogar Hütter, der ungerne einzelne Spieler aus dem Kollektiv hervorhebt, ließ sich entlocken: "Für mich war Rebic der beste Mann auf dem Platz."

Der 25-Jährige war quasi überall. Herausragend seine Defensivarbeit im Gegenpressing. In der Offensive initiierte der Vizeweltmeister viele Angriffe, ließ vor dem 1:0-Führungstreffer drei Gegenspieler stehen, steckte durch zu Mijat Gacinovic, dessen Abpraller vom Pfosten Filip Kostic verwandelte. Mit gutem Auge bediente er vor dem entscheidenden 2:0 Sebastian Rode. Wäre da nicht der Makel der Gelben Karte, gäbe es nichts auszusetzen. Doch diese schmerzt, da die dritte im Wettbewerb, die ihn im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Chelsea zum Zuschauen verdammt.

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Neuer deutscher Rekord in der Europa League

Doch nur ein Rebic hätte nicht gereicht. Es war die Mannschaftsleistung, die den Hessen nun die Reise an die Stamford Bridge ermöglicht. Angetrieben von Sebastian Rode und über Außen mit dem starken Filip Kostic erspielte sich die Eintracht ein klares Chancenplus. "Es war ein überragender Europa-League-Abend", resümierte Hütter. "Eine tolle Leistung der Mannschaft, eine grandiose Choreografie unserer Fans. Wir haben sicherlich schon bessere und mitreißendere Spiele gemacht. Aber in einem K.-o.-Duell geht es ausschließlich ums Weiterkommen." Mit den Treffern 27 und 28 stellte Frankfurt zudem einen neuen Rekord auf. Nie traf eine deutsche Mannschaft in der Europa League in einer Spielzeit häufiger. Nachdem bereits als erstes deutsches Team alle sechs Gruppenspiele gewonnen wurden, fragt sich mancher wohl schon, welcher Rekord als nächstes folgt.

Großes Lob für Falette

Ein besonderes Augenmerk hat aber auch die Defensivabteilung verdient. Sie trotzte aller personeller Sorgen vor dem Spiel. Simon Falette ersetzte den verletzten Martin Hinteregger in der Dreierkette links. Und es wirkte, als wäre es für den 27-Jährigen eine Selbstverständlichkeit, nach fast drei Monaten ohne Spieleinsatz den sicheren Abwehrpart zu geben. So zeigte sich auch Vorstandsmitglied Axel Hellmann begeistert vom guineischen Nationalspieler: "Diese Mannschaft strotzt vor Mentalität, das hat sie heute wieder bewiesen, exemplarisch war Simon Falette, der lange nicht gespielt hat, aber heute auf den Punkt bereit war."

Hütter: "Unser Weg ist noch nicht vorbei"

Auch am Freitagmittag, rund zwölf Stunden nach dem Triumph, zeigte sich Hütter bester Laune: "Es war ein tolles Gefühl, nach diesem magischen Abend heute Morgen aufzuwachen und zu wissen, wir stehen im Halbfinale." Insbesondere nach dem schwachen Saisonstart habe der Eintracht kaum jemand einen solchen Erfolg zugetraut, so der Österreicher. "Es war ein langer Prozess. Und das macht mich wahnsinnig stolz. Aber unser Weg ist noch nicht vorbei", sagte der 49-Jährige.

Chelsea? Einmal mehr bleibt für Frankfurt die Außenseiterrolle

Erst Schachtar Donezk, dann Inter Mailand, jetzt Benfica Lissabon - drei Teams, die zu Beginn der Saison noch in der Champions League antraten, kegelten die Hessen bereits aus dem Pokal. Dann dürfte aus Eintracht-Sicht gegen Chelsea - vom Saisonstart ab in der Europa League - ja nichts mehr schief gehen. Realistisch gesehen dürfte der Gegner aus London vom Personal jedoch das Schwergewicht aller diesjährigen Teilnehmer sein. Einmal mehr bleibt für Frankfurt die Außenseiterrolle. "Nach dem DFB-Pokalsieg habe ich gesagt: besser wird es nicht mehr. Jetzt stehst du hier im Halbfinale der Europa League. Inzwischen bin ich mit der Formulierung vorsichtig geworden. Irgendwie setzen wir immer noch einen drauf", sagte Danny da Costa voller Vorfreude.

Am Montag geht es in Wolfsburg um die Champions League

Die Euphorie rund um die SGE kennt zur Zeit keine Grenzen. Und mit dem 12. Mann im Rücken sollten gegen den Champions-League-Sieger von 2012 die Weichen bereits im Hinspiel am 2. Mai (21 Uhr) in der heimischen Arena gestellt werden, bevor es eine Woche später in London zur selben Zeit um den Finaleinzug geht. Zunächst gilt aber alle Konzentration dem Bundesliga-Alltag. Am Montagabend (20.30 Uhr) geht es für den Tabellenvierten beim VfL Wolfsburg um den nächsten Schritt in Richtung Champions League. Doch auch die Chance, sich über einen Triumph in der Europa League für die Königsklasse zu qualifizieren, ist weiter gegeben.

Moritz Kreilinger