Werder will sich in München nicht verstecken

Kohfeldt selbstbewusst: "Auch wir haben Waffen"

Er will in München etwas holen: Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Er will in München etwas holen: Werder-Coach Florian Kohfeldt. imago

Die aus Bremer Sicht schwarze Serie ist absoluter Bundesligarekord: Die letzten 16 Ligaspiele gegen den FC Bayern hat Werder allesamt verloren. Und: Siebenmal in Folge erzielte der Rekordmeister gegen die Grün-Weißen in der Allianz-Arena mindestens vier Tore. Doch deutlich näher als solche Statistiken liegt den Profis von Trainer Florian Kohfeldt vorm Doppelpack gegen die Bayern in Liga und Pokal ihr gewachsenes Selbstverständnis: "Unser Anspruch ist ganz anders als in den vorherigen Jahren", betont Davy Klaassen, "wir gehen von unserer eigenen Stärke aus. Wenn wir nicht glauben, dass wir gewinnen können, können wir gleich zu Hause bleiben."

Schon beim 2:4 im vergangenen Februar lieferten Max Kruse und seine Kollegen, damals rein tabellarisch noch als Abstiegskandidat, dem Branchenprimus auf dessen Platz einen imponierenden Schlagabtausch. Nun scheint für Werder - als einziges Team in der laufenden Rückrunde noch ungeschlagen - ein relativ günstiger Zeitpunkt gekommen, endlich wieder etwas Zählbares mitzunehmen. Auch Kohfeldt will das nicht abstreiten, legt aber höchsten Wert auf die notwendige Differenzierung. Denn: "Zu konstruieren, Bayern wäre nicht gut drauf, wäre schon sehr weit hergeholt und auch ein Stück naiv. In den letzten 17 Spielen haben sie 15 Siege und ein Unentschieden geholt, bei einer Niederlage. Wer daraus einen günstigen Moment ableitet, gegen Bayern zu spielen, hat eine verzerrte Wahrnehmung. Wir treffen auf die fraglos stärkste Mannschaft Deutschlands."

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8
Werder Bremen
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9
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Tabelle Bundesliga

Kohfeldt versichert: "Wir werden eine klare Idee haben"

Was aber im Unterschied zu den Vorjahren Hoffnung mache, sei die eigene Verfassung. "Auch wir haben Waffen", erklärt der Werder-Coach, "wir müssen nicht nur darauf hoffen, dass die Bayern kein Tor schießen und wir den einen Konter setzen. Wir werden eine klare Idee haben, wie wir ihnen auch wehtun können." Das Ziel, (endlich) in München zu gewinnen, brauche er der Mannschaft nicht mehr explizit einzuimpfen, glaubt Kohfeldt. "Dieses Ziel ist da. Aber das darf auch nicht in Naivität ausarten. Wenn wir glauben, wir sind auf Augenhöhe mit Bayern, dann brauchen wir wirklich nicht hinzufahren." Wichtig sei vielmehr diese Mischung: "Das Wissen um die extreme Qualität des Gegners - und die Überzeugung, trotzdem die Dinge für uns drehen zu können."

Dass bereits am Mittwoch im Weserstadion das Wiedersehen im DFB-Pokal-Halbfinale folgt, spiele für die Herangehensweise am Samstag keine Rolle, so Kohfeldt: "Wir werden nichts zurückhalten, in keiner Weise taktieren, sondern die Spiele nacheinander abarbeiten." Und die Chance, dem alten Rivalen aus dem Süden im Titelkampf in die Suppe zu spucken? Auch das ist für Kohfeldt nicht relevant: "Wir schauen nur auf uns und unsere Ziele", sagt der 36-Jährige. Um lächelnd anzufügen: "Ich wohne ja nur 100 Meter von Willi Lemke entfernt. Vielleicht frag ich den noch mal übern Gartenzaun..."

Thiemo Müller