Spurs-Joker über einen verrückten Abend in Manchester

"Wie im Film": Llorente springt von der Neben- in die Hauptrolle

Er feierte erst mit den Fans und dann mit seinem Trainer: Spurs-Edeljoker Fernando Llorente.

Er feierte erst mit den Fans und dann mit seinem Trainer: Spurs-Edeljoker Fernando Llorente. imago

Es lief die 41. Minute einer atemberaubenden ersten Hälfte im Etihad Stadium, als Fernando Llorente den Rasen betrat. Weil Moussa Sissoko verletzungsbedingt ausschied, schlug die Stunde des Spurs-Edeljokers. Dieser kam in der Premier League in dieser Saison 16-mal zum Einsatz (zwölfmal dabei von der Bank), in der Champions League sechsmal (immer eingewechselt). "Von denen, die noch auf der Bank saßen, war ich der mit der meisten Erfahrung", erklärte Llorente gegenüber "Cadena Cope" nach Schlusspfiff.

Dass ihm eine entscheidende Rolle bei dem verrückten 3:4 in Manchester zukommen würde, ahnte er da wohl noch nicht. Erstmals trat Llorente in der 58. Minute in Erscheinung, als er eine gute Kopfballchance zu leichtfertig liegen ließ. Den zentralen Versuch wehrte City-Keeper Ederson ohne größere Probleme ab. Sein Moment sollte aber noch kommen: In der 73. Minute segelte eine Ecke an den ersten Pfosten, wo Llorente mit einer Mischung von Hüfte und Unterarm einnetzte.

Der 34-Jährige rannte freudetrunken in die Fankurve - und musste dann doch zittern. Auch dieser Treffer wurde vom VAR überprüft, zudem sah sich Referee Cüneyt Cakir die Szene nochmal am Bildschirm an. "Ich hatte richtig Angst", gestand Llorente hinterher: "Ich dachte, dass sie das Tor annullieren werden. Ich wusste, dass ich mit dem Körper und der Hand dran war - auch wenn ich sie angelegt hatte." So seien es "schwierige Sekunden" bis zur endgültigen Entscheidung gewesen. "Das Tor war regulär, aber natürlich hast du Angst, weil man weiß nie."

"...da sah ich meine Kollegen am Boden"

Es sei "nicht einfach" gewesen, "in einem Spiel, in dem es um so viel geht, plötzlich reinzukommen". Bevor er von einem der "besten Momente meiner Karriere" sprechen sollte, musste der spanische Welt- und Europameister (ein einziger Einsatz bei den beiden Turnieren) kräftig zittern. In der dritten Minute der Nachspielzeit ließ Raheem Sterling die Stimmung mit seinem Treffer zum vermeintlichen 5:3 hochkochen. "Als Sterling traf, sah ich meine Kollegen am Boden", dachte Llorente zurück. Die erkannte Abseitsstellung sorgte dann nicht nur bei ihm für Riesenerleichterung. "Es war wie im Film", so der 1,95-Meter-Hüne.

Ich glaube an zweite Chancen.

Fernando Llorente

Mit einem Strahlen stand Llorente auch vor den Kameras von "Spurs TV": "Das war geschichtsträchtig." Für ihn persönlich war es ebenfalls sehr speziell. "Es war, daran glaube ich fest, Schicksal, weil ich 2015 das Finale mit Juve gegen Barcelona verloren habe. Ich glaube an zweite Chancen."

Um am Ende im Finale von Madrid (1. Juni) den Titel ins Visier nehmen zu können, muss aber erst noch die Hürde Ajax übersprungen werden. "Sie spielen einen unglaublichen Fußball und sind gerade richtig stark drauf", so Llorente: "Wir müssen sehr gut auftreten gegen Ajax, sie kommen mit viel Selbstvertrauen."

msc