Bundesliga

Vergabe der DFL-Lizenzen - "Da wurden manche Klubs noch vom Küchentisch aus geführt"

DFL-Lizenz: Klubs blicken auf ihren Posteingang

"Da wurden manche Klubs noch vom Küchentisch aus geführt"

Rückt im März mit der Lizenzvergabe in den Blickpunkt: die DFL.

Rückt im März mit der Lizenzvergabe in den Blickpunkt: die DFL. picture alliance

Die Zahl der Lizenzverweigerungen ist in den vergangenen Jahren stark rückläufig. Seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 wurde vom Verband 20-mal keine Lizenz für die neue Saison erteilt. Zuletzt war davon 2013 der MSV Duisburg betroffen, weil er seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht nachweisen konnte. Duisburg war somit der einzige Klub, seitdem die DFL 2001 die Organisation der Bundesliga und 2. Liga übernommen hatte, dem die Lizenz verweigert wurde und der dadurch die Ligenzugehörigkeit verloren hatte.

Was damit zusammenhängt, dass die Kontrollen des Verbands deutlich engmaschiger geworden sind, aber auch die Vereine wesentlich professioneller. "Als ich 1991 beim DFB anfing, wurden manche Klubs noch vom Küchentisch aus geführt. Teilweise gab es weder eine Geschäftsstelle, einen Telefonanschluss noch eine Faxnummer", sagt DFL-Direktor Werner Möglich (58).

Wilhelmshaven fehlen fünf Minuten

Heute wickelt der Verband möglichst viel online ab. So konnten die Klubs bis zum 15. März fast alle Unterlagen via Internet hochladen, nur die Wirtschaftsprüferberichte und die Bewerbungsurkunde müssen bis 15.30 Uhr im Original in der DFL-Zentrale in Frankfurt vorliegen. "Bei der Ausschlussfrist sind wir strikt", erklärt Möglich. Das hat schon so mancher Verein zu spüren bekommen, wie 2001 auch der SV Wilhelmshaven, der wenige Minuten vor Ablauf der Frist die Unterlagen über einen 500.000-Mark-Bürgschaft übermittelte, wo das Faxgerät aber nur sechs von sieben Seiten ausspuckte. Direktor Möglich griff sofort zum Telefon, informierte den Klub, dass die siebte Seite mit den Unterschriften fehlte. Diese lag schließlich erst fünf Minuten nach Ablauf der Frist vor: Wilhelmshaven erhielt keine Lizenz.

Allenfalls "blaue Briefe"

Derartiges Ungemach ist in den vergangenen Jahren nicht mehr passiert und vermutlich wird es auch diesmal bei der Erstentscheidung durch die DFL-Geschäftsführer allenfalls "blaue Briefe" geben. In diesen werden die Klubs dann aufgefordert, bis zum 29. Mai Bedingungen zu erfüllen oder im Laufe der nächsten Saison Auflagen einzuhalten. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Kriterien, sondern auch um sportliche (z.B. Ausstattung der NLZs), infrastrukturelle (Stadien), personelle/administrative (Zahl der Finanzfachleute, Ausbildung Sicherheitsbeauftragte), rechtliche (50+1, Beteiligungen, Rechtsform des Klubs), medientechnische Kriterien (Kamerapositionen, Arbeitsräume) und spielorganisatorische Anforderungen. Darin ist zum Beispiel geregelt ist, wie groß die Brustwerbung sein darf oder die Sterne auf den Trikots, die ab dem dritten deutschen Meistertitel aufgestickt werden.

Kiel und die Stadionproblematik

Zu kämpfen mit den detaillierten Bestimmungen hatte 2018 Holstein Kiel, das die Lizenz nur unter Auflagen bekam, weil das Stadion zu klein sei und vor allem bei einem Erstligaaufstieg mehrere Kriterien nicht erfüllte. Damals war über einen Umzug ins HSV-Stadion nachgedacht worden. Aktuell ist Kiel nur drei Punkte von Platz drei entfernt - damit scheint sicher: Auch im hohen Norden wird man am Dienstag den Posteingangsordner genau beobachten...

Michael Ebert