2. Bundesliga

Luhukays Vorstellung wird zur Abrechnung mit Kauczinski

St. Paulis Präsident mit deutlichen Worten

Luhukays Vorstellung wird zur Abrechnung mit Kauczinski

Jos Luhukay

Trat das Amt von Kauczinski auf St. Pauli an: Jos Luhukay. picture alliance

Ehe die Fragerunde zur Vorstellung von Jos Luhukay, dessen Vertrag bis 2021 läuft, am Millerntor eröffnet wurde, verlas Göttlich eine kurze, aber kernige Stellungnahme, um die Entlassung von Sportdirektor Uwe Stöver und Trainer Kauczinski zu begründen. Die Entwicklung der letzten Wochen habe nicht dem entsprochen, was sich der Verein vorgestellt habe.

"Es herrscht eine lethargische Stimmung in und um den Verein, als ob wir auf einem Abstiegsplatz stünden", befand Göttlich und machte dafür offensichtlich den entlassenen Kauczinski verantwortlich. Sportdirektor Uwe Stöver wurde wohl zum Verhängnis, dass er sich weiter vor den entlassenen Coach gestellt hat. "Uwe Stöver hat sich weiter für Markus Kauczinski eingesetzt, was wir menschlich sehr schätzen, aber nicht zu unserer Analyse passte", begründete Göttlich die Doppelentlassung.

Es darf nicht sein, dass Aktionismus kritisiert wird, wenn Ambitionslosigkeit zur Gefahr wird.

Präsident Oke Göttlich

Zudem warf er Trainer und Team in der Vergangenheit Angsthasenfußball vor und dürfte wohl vor allem die Taktik im Derby gegen den HSV (0:4) im Hinterkopf gehabt haben. "Wir wollen eine Situation schaffen, die davon geprägt ist, Spiele zu gewinnen und nicht zu versuchen, Spiele nicht mehr zu verlieren", so der Präsident.

Freiburg und Heidenheim als Vorbilder

Und ein wenig in eigener Sache schloss er seinen Vortrag mit folgenden Worten: "Der FC St. Pauli hat sich in der Entscheidung zwischen Kontinuität und Entwicklung, für den Weg der Entwicklung entschieden. Wenn ich zwischen Aktion und Reaktion entscheiden muss, entscheide ich mich für Aktion. Es darf nicht sein, dass Aktionismus kritisiert wird, wenn Ambitionslosigkeit zur Gefahr wird, sonst kann man sportlich nicht erfolgreich sein." Damit erklärt er die hohen Fluktuationen beim Kiezklub, dabei war er im November 2014 ja angetreten, um hier den Hebel anzusetzen. Freiburg und Heidenheim seien zwar Vorbilder und eine romantische wie erstrebenswerte Vorstellung. Aber Kontinuität könne nicht vor den Erfolg gestellt werden.

Rettigs Lobeshymne auf Luhukay

Und so wurde am Montagabend Jos Luhukay kontaktiert, der sich nach einem Tag entschieden hatte. Geschäftsführer Andreas Rettig, der Luhukay aus seiner Zeit beim 1. FC Köln bestens kennt, lobte den Niederländer in den höchsten Tönen. "Ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, fleißig, steht für klare Spielregeln, auch in Stresssituationen immer loyal und ein Fußballfachmann", lobte Rettig. "Er hat Spieler und Mannschaften entwickelt. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen."

Und wie ambitioniert ging der Neue in seinen ersten Arbeitstag? Die ganz große Kampfansage blieb sechs Spieltage vor dem Ende der Saison noch aus. "Wenn man die Tabelle anschaut, ist alles drin", sagte Luhukay und fügte an. "Ich möchte von Spiel zu Spiel schauen." Träumen sei aber erlaubt.

Vor seiner Vorstellung im Millerntor-Stadion hatte der 55-Jährige am Vormittag auf dem Trainingsgelände an der Kollaustraße seine erste Einheit geleitet. Dabei erlitt Abwehrchef Christopher Avevor eine Adduktorenverletzung.

Lesen Sie auch einen Kommentar von kicker-Redakteur Sebastian Wolff: Zu viel Umbruch unter Göttlich

tru

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