Flüge, Hotel, Prämien - und größere Kader?

Neue Regel: Mehr Auswechselspieler - auch Mehr-Kosten?

Oliver Ruhnert

Union-Manager Oliver Ruhnert rechnet für Zweitligisten mit Mehrkosten durch die Regeländerungen. imago

Anfang März beschlossen die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) mehrere Änderungen zur neuen Saison, unter anderem bei der Handspielregelung, bei Auswechslungen und bei Abstößen . Da kurz darauf die deutschen Zweitligisten die Einführung des Video-Assistenten ebenfalls zur Spielzeit 2019/2020 vereinbarten , fasst Oliver Ruhnert zusammen: "Es gibt einige Änderungen. Es kommt schon einiges auf die Vereine zu."

Die Möglichkeit, Torabstöße künftig nicht mehr aus dem Strafraum spielen zu müssen, ehe ein Mitspieler den Ball berühren darf, bezeichnet der Geschäftsführer Profifußball des Zweitliga-Dritten 1. FC Union Berlin als "spannend" und "interessant", weil diese Regeländerung "das Spiel schon ein bisschen verändert". Doch von der Aufstockung der Zahl der Auswechselspieler von bisher sieben auf künftig neun Akteure hält er nicht so viel. "Ich bin kein großer Fan davon, kann aber schon verstehen, dass vor allem die großen Klubs sie wollen. Deren Trainer wollen mehr Spielraum haben, beispielsweise für die Rotation bei internationalen Spielen", sagt Ruhnert.

Die Änderung wurde von der Mitgliederversammlung der DFL bereits im Dezember beschlossen und gilt für die 1. und 2. Liga. Laut Ruhnert hätten sich die Klubs im Rahmen einer Umfrage durch den Ligaverband auch für noch mehr Auswechselspieler aussprechen können. Per Mehrheitsbeschluss sei aber die Entscheidung für künftig insgesamt neun Auswechselspieler gefallen (also insgesamt 20 Mann im Spieltagskader; bisher waren es 18). Eine Änderung, die zunächst unbedeutend erscheinen mag, aber durchaus folgenreich sein kann.

"Die Kader könnten größer werden – das ist zumindest die Möglichkeit, die jeder in der 1. und 2. Liga bekommt", sagt Ruhnert und ergänzt: "Es wird schon Kosten verursachen, vor allem, weil künftig mehr Spieler unter die Prämienregelung fallen. Das sollte man nicht unterschätzen. Aber auch Mannschaftsbusse, Ersatzbänke und Kabinen – all das muss angepasst werden. Und es betrifft auch die Übernachtungskosten im Hotel und die Flüge zu Auswärtsspielen."

Weniger Allrounder auf der Ersatzbank?

Die Mehrkosten dürften für international spielende Teams weniger gravierend sein als für einige Zweitligisten (oder Aufsteiger aus der 3. Liga), erklärt Unions Manager. In jedem Fall erweitern die zwei zusätzlichen Auswechselspieler die Handlungsoptionen der Trainer. Möglicherweise werden künftig weniger Allrounder, die mehrere Positionen abdecken können, auf die Ersatzbank genommen, dafür wieder eher Spezialisten. "Es kann sein, dass die Auswechselspieler wieder positionsgetreuer ausgewählt werden", sagt Ruhnert.

Da allerdings die Zahl der möglichen Einwechslungen unverändert bleibt (drei in der Liga), bleibt der 47-Jährige skeptisch. "Für die Trainer ist es eher ein Vorteil. Aber macht es auch die beiden zusätzlichen Spieler auf der Bank zufriedener, weil sie dabei sind? Möglicherweise spielen sie trotzdem nicht, denn an der Zahl der Einwechslungen ändert sich ja nichts", bemerkt Ruhnert.

Bei der WM erlaubt die Fifa im Übrigen bis zu 12 Auswechselspieler auf der Bank. Auch in den Endspielen der Champions League und der Europa League ist dies seit dieser Saison zulässig. Bundesliga und 2. Liga nähern sich dem künftig an. Bliebe in Deutschland noch die (finanziell ohnehin anspruchsvolle) 3. Liga. Dort aber, sagt Ruhnert, könne er sich vorstellen, dass der für die dritte Profiliga zuständige DFB "das erst mal nicht einführt".

Jan Reinold/ meb