Meier, Stöver und Kauczinski nehmen kein Blatt vor den Mund

St. Pauli in der Krise: "Haben es nicht anders verdient"

Alex Meier, Uwe Stöver und Markus Kauczinski

Klare Worte auf St. Pauli: Alex Meier, Uwe Stöver und Markus Kauczinski. imago

Nach Durchgang eins schien der FCSP auf einem guten Weg zu sein. Zwar hatten die Hanseaten, wie es Kauczinski analysierte, "lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen" - nämlich rund eine halbe Stunde -, dann aber lief es ganz nach Plan für die Kiez-Kicker. Hatte St. Pauli es in den ersten Minuten "nicht geschafft, Ballpassagen zu haben" respektive das Leder "so zu fordern, wie wir uns das vorgenommen haben", entsprang kurz vor dem Pausenpfiff aus einem Elfmeter heraus die 1:0-Führung. Dass mit Stefan Thesker der Verursacher dieses Strafstoßes auch noch mit glatt Rot des Feldes verwiesen wurde, spielte den Hamburgern dann zusätzlich in die Karten. Zumindest in der Theorie.

Die Praxis sah nach dem Seitenwechsel dann nämlich ganz anders aus. Stöver brachte es knallhart auf den Punkt: "Die drei Punkte lagen auf dem Silbertablett. Wir rütteln selber dran und schmeißen sie einfach runter." Doch was war geschehen? In der 50. Minute "spielen wir Kiel den Ball in die Füße, dann kommt es zum Elfmeter", so Kauczinski. "Dass es ein Foul war, ist unstrittig. Aber selbst in der Zeitlupe konnte ich nicht erkennen, ob vor oder hinter der Strafraumkante, ob ein Fuß drinnen oder draußen." Fakt ist: Alexander Mühling behielt vom Punkt die Nerven und egalisierte das Ergebnis. Auch Fakt: Auf diese knappe Entscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer (kicker-Note 2,5) "kommt es gar nicht an - wir haben uns doof angestellt, von dem her haben wir es auch nicht anders verdient."

FC St. Pauli

Schlichen geknickt von dannen: Die Spieler des FC St. Pauli. imago

Nur drei Minuten später nahm die in Unterzahl agierende KSV dem Kiez-Klub endgültig die Butter vom Brot und ließ diesen "mit einem einfachen Ball" ganz schlecht aussehen. Jae-Sung Lee traf in der 53. Minute zum 2:1 - ein Treffer, der dem Gästecoach sauer aufstieß: "Das ist viel zu einfach und viel zu schlecht." Im Anschluss an die Partie, St. Pauli hatte in der Schlussphase noch "fünf Möglichkeiten, das Unentschieden" zu retten, standen die dritte Niederlage im vierten Spiel und das dadurch bedingte Abrutschen auf den sechsten Platz zu Buche.

Es bringt nichts, sich über zwei Drittel der Saison feiern zu lassen. Wir haben in den letzten vier Spielen nichts dafür getan, um unsere Ziele zu erreichen.

Uwe Stöver

Sportchef Stöver nahm dementsprechend erstmals das Wort "Krise" in den Mund, obwohl er es zuvor tunlichst vermieden hatte. Auch ansonsten wurde er sehr deutlich: "Es bringt nichts, sich über zwei Drittel der Saison feiern zu lassen. Wir haben in den letzten vier Spielen nichts dafür getan, um unsere Ziele zu erreichen", so der 52-Jährige. In dieselbe Kerbe schlug auch Angreifer Meier: "Wenn wir es mit einer Führung und einem Spieler mehr nicht schaffen, zu gewinnen, dann müssen wir nicht über Platz drei reden. Dann haben wir da oben nichts zu suchen."

Mit Kauczinski: Wendepunkt gegen Bielefeld?

Wie St. Pauli den Weg aus der Krise meistern wird, bleibt abzuwarten - der erste Schritt kann am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld getätigt werden. Glaubt man den Worten Stövers, werde dieses Unterfangen definitiv mit Kauczinski angegangen: "Eine Diskussion über den Trainer ist bei uns kein Thema", wiegelte der Sportchef jedes Aufkeimen einer Trainer-Debatte ab. "Wir werden gemeinsam die Dinge angehen und gemeinsam versuchen sie in die richtige Richtung zu lenken. Das ist keine Geschichte, die einzig und allein auf den Schultern des Trainers liegt. Da nehme ich mich nicht aus."

kög