Bundesliga

Dardai: "Ich helfe gerne - so lange es funktioniert"

Berliner Trainer übt Kritik

Dardai: "Ich helfe gerne - so lange es funktioniert"

Die Resultate passen nicht: Pal Dardai.

Die Resultate passen nicht: Pal Dardai. imago

... die Stimmung nach der Niederlage gegen Düsseldorf:
"Es gibt keine Krise. Die Stimmung ist ein bisschen schlecht. Wir müssen das verarbeiten. Es gibt kein Straftraining, sondern die gleichen Abläufe wie immer."

... die Leistung gegen Düsseldorf:
"Von der Statistik haben wir ein klassisches Spiel gemacht, wie wir es seit vier Jahren machen. Wir haben 55 Prozent der Zweikämpfe gewonnen (es waren 48 Prozent, Anm. d. Red.), hatten 60 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse. Das ist für Hertha-Verhältnisse ein sehr gutes Spiel. Aber wir haben diesmal leider verloren, und wir haben zu Recht verloren. Wir haben in der Mannschaftssitzung (vor dem Spiel, Anm. d. Red.) 120-mal erwähnt, dass Düsseldorf kontert - und trotzdem haben wir ein Kontertor kassiert."

... die Erwartungshaltung in Berlin:
"Wir können keinen Leistungsdruck auf die Spieler ausüben, keine Erwartungen haben, die sie nicht erfüllen können. Es gibt einen alten ungarischen Spruch: Wenn jemand fragt, ob du schwimmen kannst und du Nein sagst, kannst du auch dann nicht auf einmal schwimmen, wenn er dich dafür bezahlt. Wir müssen die Erwartungen nicht hochschrauben, das habt ihr (die Medien, Anm. d. Red.) dieses Jahr gemacht. Champions League, Europa League, das war nie realistisch."

... die kritischen Worte von Valentino Lazaro nach der Partie gegen Düsseldorf:
"Er sagt, dass er es so nicht gemeint habe. Wir haben immer einen ehrlichen Dialog. Ich habe immer zu der Mannschaft gesagt, dass sie zum Manager gehen und sagen soll, wenn der Trainer Dardai oder die Trainingsmethoden sie blockieren. Für mich ist wichtig, dass sie funktionieren, für mich ist Hertha BSC wichtig. Hertha hat jetzt Stabilität und eine Marktwertvergrößerung bei den Spielern, das ist eine große Sache, ein Riesenjob. Wenn jetzt ein Stopp kommt, müssen die Spieler das sagen. Dann soll ein anderer kommen. Das ist auch nicht schlimm. Es geht um Hertha BSC, nicht um Pal Dardai. Ich helfe sehr gerne und so lange es funktioniert. Bis jetzt hat es hervorragend funktioniert. Wir haben eine Riesenstabilität und eine Riesenphilosophie. Ich kann es nicht ändern, wenn einer keine Geduld hat oder die Medien falsch berichten."

Lange Gesichter: Rune Jarstein und Maskottchen Hertinho (r.).

Lange Gesichter: Rune Jarstein und Maskottchen Hertinho (r.). imago

... über Torwart Rune Jarstein, der nach dem Leipzig-Spiel erklärt hatte, als Mannschaft funktioniere man derzeit nicht gut genug, und Mittelfeldspieler Marko Grujic, der am Samstag Verständnis äußerte für den Eindruck, dass möglicherweise nicht jeder Spieler 100 Prozent gebe:
"Wenn die Spieler so etwas sagen, müssen sie die Namen nennen. Rune muss die Bälle festhalten. Es ist seine Aufgabe, auch eine bessere Spieleröffnung zu machen. Es gab Spiele, in denen Rune auch nicht gut aussah, da hat sich keiner beschwert. Sie müssen, das habe ich ihnen auch gesagt, ein bisschen realistischer einschätzen, was man kann und was man nicht kann. Jeder soll erst mal auf seine eigene Leistung schauen."

... die angeblich mangelnde Erfahrung des Kaders:
"Wir arbeiten mit jungen Spielern. Von Bundesliga-Erfahrung können wir nichts erzählen bei dieser Mannschaft. Du hast zwei Eichen mit Vedad Ibisevic und Salomon Kalou. Unter diesen Eichen können die jungen Spieler wachsen. Am Samstag hat man gesehen, dass die Mannschaft nach dem 0:5 Angst hatte. Offensiv hat was gefehlt, außer Salomon war keiner mutig. Trotzdem hatten wir 13 Torschüsse gegen Düsseldorf, das war für unsere Verhältnisse ein großer Job. Die Bälle sind nicht reingegangen, das war wieder Schicksal. Wir waren zweimal unaufmerksam, haben deshalb verloren."

... die Verunsicherung der Spieler nach der Klatsche in Leipzig und der Niederlage gegen Düsseldorf:
"Ich kann den Spielern keinen großen Vorwurf machen. Ich kann die Spieler nicht kaputt machen. Das bringt nichts. Es gibt Momente, in denen man schimpfen kann, aber es gibt Momente, in denen nicht. Wenn du mit verunsicherten Spielern noch anfängst zu schimpfen, ist das Quatsch."

... das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz, das nur noch schwer zu erreichen ist:
"Bei unseren Verletzungssorgen diese Saison war es ein Wunder, dass wir 24 Punkte hatten (nach der Hinrunde, Anm. d. Red.), und es ist ein Wunder, wenn wir noch ein paar Punkte zum Schluss zusammenkratzen. Es war zu viel dieses Jahr, das können wir nicht kompensieren."

... Vorwürfe, dass die Spieler die Saison austrudeln lassen:
"Die Spieler ziehen mit. Ich habe gestern keinen gesehen, der spaziert ist. Die Laufleistung war für unsere Verhältnisse auch sehr gut. 112 km bei 60 Prozent Ballbesitz. Das ist Hertha BSC. Wenn einer das nicht einsieht oder nicht akzeptiert, lügt er oder ist nicht fair. Das kommt von außen, Champions League, Europa League, das ist nicht fair, das ist wahrscheinlich ein sogenannter geplanter Mord. Ihr (die Medien, Anm. d. Red.) schraubt die Erwartungen hoch, damit ihr danach Scheiße schreiben könnt. Ab und zu habe ich das Gefühl, ihr lebt von der Schadenfreude. Das ist nicht gut."

... die Möglichkeiten und die Perspektive von Hertha BSC:
"Ich kann nicht von einem Spieler, der eine Million Euro kostet, eine Leistung erwarten, die 60 Millionen Euro kostet. Das muss man einfach akzeptieren. Ich muss das auch jeden Sommer akzeptieren, welche Philosophie wir hier haben. Und der Manager muss auch akzeptieren, dass er nicht 60, 70 Millionen Euro ausgeben kann. Ich habe in vier Jahren (seitdem er Cheftrainer ist, Anm. d. Red.) noch kein Spiel gesehen, in dem wir einen Gegner 5:0 überrollt haben. Ich habe noch nie drei Spiele am Stück gewonnen. Warum nicht? Es hat mit Qualität zu tun. Die Spieler haben das Potenzial nach oben, aber das kostet Zeit. Das hier ist der Effekt, dass du nicht erfahrene Stars holst, sondern junge Spieler. Es ist alles in Ordnung - solange wir nicht absteigen. Und irgendwann, wenn jeder dieser Jungs 80 Bundesliga-Spiele hat, dann wird es besser sein."

... die Aussagen von Manager Michael Preetz im kicker, der nach dem Leipzig-Spiel Mannschaft und Trainer in die Pflicht genommen hatte:
"Ich glaube, die Entwicklung sieht er, die Ergebnisse sind nicht da. Er hat das Recht, so etwas zu sagen. Er hat den Kader zusammengestellt. Er kann auch Druck ausüben. Das ist sein Recht. Er kann auch einen Trainer kritisieren. Ich habe damit kein Problem."

Aufgezeichnet von Jan Reinold

Bilder zur Partie Hertha BSC - Fortuna Düsseldorf