Aussicht auf Verbleib des Leihspielers eher schlecht

Matheus Pereira und das "Hätte, Wenn"

Nürnberger Lichtblick in Stuttgart: Matheus Pereira.

Nürnberger Lichtblick in Stuttgart: Matheus Pereira. imago

Ohne den quirligen, dribbelstarken Brasilianer hätte es beim FCN in puncto Torannäherung ganz mau ausgesehen. Drei Chancen hatten die Franken, zwei von ihnen gingen auf das Konto des Mannes, der nach seinem Jokertor beim 3:0 über den FCA am vergangenen Wochenende in die Startelf beordert worden war. Und der 23-Jährige mit der Steckdosen-Frisur rechtfertigte, wie bereits angedeutet, die Entscheidung seines Trainers Boris Schommers.

In der 39. Minute schnappte er sich den Ball auf der rechten Seite, zog nach innen, ließ den Stuttgarter Santiago Ascacibar geschickt ins Leere grätschen, spielte mit Mikael Ishak Doppelpass, zog ab und hatte Pech, dass VfB-Keeper Ron-Robert Zieler prächtig reagierte und den Flachschuss an den Pfosten lenkte. Drei Minuten später war er dann zur Stelle, als nach einer Ecke der Behrens-Kopfball an die Latte krachte und der Abpraller per Kopf aus nächster Nähe zum 1:0 über die Linie gedrückt werden musste. Das zweite Saisontor des Brasilianers war perfekt - und er beileibe nicht nur deswegen in Hälfte eins der beste Feldspieler, auch wenn es in der einen oder anderen Szene beim Einlegen des Rückwärtsganges ein wenig knirschte.

Spielersteckbrief Matheus Pereira

Costa Pereira Matheus Fellipe

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
64
2
Borussia Dortmund
63
3
RB Leipzig
55

Schommers lobt und schiebt ein "Aber" hinterher

Somit war es also kein Wunder, dass im Anschluss an die Partie des Trainers Lob folgte - allerdings mit einem Aber. "Er hat noch Luft nach oben, und das viel", relativierte Schommers. Zu Recht, denn nach der Pause tauchte Matheus Pereira gemessen an seinem Potenzial zu häufig unter, vertändelte zudem hier mal einen Ball und übersah dort mal einen besser postierten Mitspieler.

Und dennoch blieb er das, was man den wenigsten Nürnbergern attestieren konnte - und zwar torgefährlich. In der 74. Minute zischte sein Schuss nach einem kurzen Sololauf vom Strafraumrand aus nur um Haaresbreite am linken Pfosten vorbei. Um ein paar Millimeter verpasste er also die Vorentscheidung, mit der er seine total unnötige Rote Karte nach drei Minuten beim 1:2 in Düsseldorf wieder ein Stück weit mehr hätte vergessen lassen können.

Pereira und die verpassten Gelegenheiten

Dieses "Hätte ist übrigens längst die Überschrift über dem Engagement des Last-Minute-Sommer-Neuzugangs beim Club. Wo könnte der FCN nun in der Tabelle stehen, wenn er in Düsseldorf nicht die Nerven verloren hätte und seine Mannschaft nicht 86. Minuten in Unterzahl hätte spielen müssen. Wie viele Punkte mehr hätte der Aufsteiger, wenn Matheus Pereira nach Düsseldorf nicht drei Spiele hätte zusehen müssen?

Und, die Mutter des Konjunktivs bei ihm: Was wäre gewesen, wenn Ex-Trainer Michael Köllner nicht fast die komplette Hinrunde gebraucht hätte, um den Leihspieler von Sporting Lissabon fest in die Mannschaft zu integrieren. Warum er so lange freiwillig auf einen der besten und torgefährlichsten Fußballer seines Kaders verzichtete, muss und kann man nicht verstehen.

Doch nun weg mit dem Konjunktiv: Matheus Pereira ist einer der großen Hoffnungsträger dafür, dass der Club am Ende via Relegation doch noch die Ausfahrt "Abstieg" rechts liegenlassen kann. Und was aus FCN-Sicht ungeachtet aller Defizite des Toptalentes leider auch ein Fakt ist: Sporting hat sich bei dem bis zum Saisonenden laufenden Leihgeschäft auf keine Kaufoption eingelassen. Somit wird es schwer bis unmöglich, ihn halten zu können - vor allem wenn der Club rechts abbiegen muss.

Christian Biechele

Bilder zur Partie VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg