Der Aufsichtsrat und die Frage, was der FCN eigentlich will

Nach Krösche-Absage: Hey rückt in den Fokus

Weltweit gut vernetzt: Ex-Bundesliga-Profi Antoine Hey.

Weltweit gut vernetzt: Ex-Bundesliga-Profi Antoine Hey. picture alliance

Mehr als sieben Wochen sind vergangen, seit der 1. FC Nürnberg seinen Sportvorstand Andreas Bornemann beurlaubt hat. Die Suche nach einem Nachfolger? Zäh wie ein seit einer Stunde bearbeiteter Kaugummi. Nur wenig dringt aus dem Aufsichtsrat nach außen, verbürgt ist das starke Interesse an Markus Krösche und dessen Absage am Donnerstag. Aufsichtsrats-Chef Thomas Grethlein hat mit vielen Kandidaten gesprochen. Darunter auch Antoine Hey, ehemaliger Bundesliga-Profi und in den vergangenen Jahren Fußball-Weltenbummler. Wie der kicker erfuhr, kam es am Rande eines FCN-Heimspiels vor einigen Wochen zu einem Gespräch zwischen Hey und Grethlein, anschließend folgte aber auch eine schriftliche Absage. Man sei sich mit einem anderen Kandidaten weitgehend einig, hieß es von FCN-Seite. War dieser Mann Krösche? Und wird nach dessen Absage nun das Thema Hey doch wieder heiß?

Kurios mutet die Suche an, wenn man sich die beiden Profile der bekannt gewordenen Kandidaten anschaut. Hier Krösche, der in Paderborn exzellente Arbeit leistet und sich in der 2. und 3. Liga bestens auskennt, in denen der Club hauptsächlich nach Neuzugängen fischt. Dort Hey, der in zehn verschiedenen Ländern gearbeitet hat, zuletzt in Myanmar, aber auch in Kenia, Gambia und Bahrain. Hey gilt als weltweit gut vernetzt, sein Fokus lag bislang auf dem internationalen Markt. Bekäme der 48-Jährige nun den Zuschlag, wie schnell könnte er in der dringlichen Kaderplanung für die kommende Saison einen Überblick über den deutschen Markt bekommen? Erschwerend käme hinzu, dass er beim FCN praktisch niemanden mit sportlicher Kompetenz vorfände, mit dem er sich diesbezüglich austauschen kann, Interimstrainer Boris Schommers mal ausgenommen.

Diesen Verein plagt ein riesiges Strukturproblem

Wohin also will der Club? Die Suche nach einem Sportvorstand zeigt nur einmal mehr deutlich, dass diesen Verein ein riesiges Strukturproblem plagt. Mit Grethlein führt ein Ehrenämtler seit Wochen die Gespräche mit Kandidaten, daneben muss er aber seinen beruflichen Pflichten nachkommen. Allein dieser Spagat schließt das Wort Profi per Definition aus. Eigentlich undenkbar bei einem Bundesligisten im Jahr 2019. Zumal es dem neunköpfigen Kontrollgremium generell an Fußballsachverstand mangelt. Das soll keine Kritik an der Person Grethlein und den handelnden Personen sein, sehr wohl aber am Organigramm des FCN. Für eine positive sportliche Zukunft ist es mit der Verpflichtung eines guten sportlichen Leiters längst nicht getan.

Frank Linkesch

Schreckliche Statistiken - und ein Mutmacher für den Club