44-jähriger Brasilianer im Interview

Zé Roberto: "Habe ein Vermächtnis hinterlassen"

Macht mit 44 noch immer eine gute Figur auf dem Platz: Zé Roberto.

Macht mit 44 noch immer eine gute Figur auf dem Platz: Zé Roberto. imago

"Wann auch immer Deutschland einen Erneuerungsprozess durchlaufen hat, kam eine Generation auf, die einen modernen Ansatz verfolgte, vielseitig war und viel Tempo zeigte", sagte Zé Roberto in einem Inteview mit dem brasilianischen Portal "YG Football". Für den 44-Jährigen ist klar, dass "Deutschland bei der nächsten WM stark sein wird". Der DFB hätte ohnehin keine Wahl gehabt, denn der Neuaufbau sei "eine Notwendigkeit, weil Deutschland bei der WM für sich selbst als auch den Rest der Welt eine Enttäuschung war".

Bayer? Bayern? Beide!

Zu Deutschland pflegt er noch immer ein sehr gutes Verhältnis. "Ich habe dort zwölf Jahre gespielt, bin der Brasilianer mit den zweitmeisten Spielen (Naldo hat 358 BL-Spiele, Anm. d. Redaktion). Am Tag meines Rücktritts bekam ich eine Mail von Bayern, um für die FC Bayern Legends zu spielen. Zuletzt bekam ich eine Einladung von Bayer Leverkusen, um Teil von deren Traditionsmannschaft zu sein. Sie haben eine Wahl veranstaltet, um die 40 besten Spieler auszusuchen. 300 Namen standen zur Wahl und ich bin einer von den 40: Ich habe ein Vermächtnis hinterlassen."

Ich fühle mich als Idol bei beiden Klubs.

Zé Roberto

Bayer oder Bayern? Für Zé Roberto ist das unerheblich, da er an beide Klubs gute Erinnerungen hat. "Leverkusen war mein erster Klub, für die Bayern habe ich die meisten Spiele gemacht. Ich fühle mich als Idol bei beiden Klubs." Der ehemalige Ausnahmespieler betont auch, wie wichtig es ist, den Kontakt zu den eigenen Ex-Klubs zu halten und zu pflegen. So blieben auch die "positiven Dinge, die man hinterlassen hat", weiterhin erhalten.

Rückblick auf das "schwierige Jahr 2002"

Doch es gab nicht nur positive Dinge, so hat Zé Roberto das "schwierige" Jahr 2002 noch immer gut in Erinnerung, als er mit Bayer Leverkusen hinter Borussia Dortmund Vize-Meister wurde und anschließend sowohl das DFB-Pokalfinale (2:4 gegen Schalke) als auch das Champions-League-Finale (1:2 gegen Real Madrid) verlor. Im selben Jahr gewann Brasilien ohne ihn die Weltmeisterschaft (2:0 gegen Deutschland) in Japan und Südkorea.

"Zwei Frustfaktoren", seien es gewesen: "Keinen Titel zu haben und nicht bei der WM dabei zu sein. Es war schwer, aber auch herausfordernd. Doch der Frust hat mich auch stärker gemacht" - und verlieh ihm die Kraft, sich neuen Zielen zu widmen. Die erfüllte er sich dann an der Säbener Straße. In seinem ersten Jahr in München gewann er gleich die Meisterschaft, etwas, das er "zuvor vier Jahre lang vergeblich in Leverkusen versucht" hatte. "Nachdem ich bei Bayern angekommen war, gab es auch Platz in der Seleçao für mich." Der Rest ist Geschichte.

Der Jugend verpflichtet

Zé Roberto arbeitet aktuell als technischer Berater bei Palmeiras und beschäftigt sich dort auch mit der Jugendarbeit. Ein Aspekt, der ihm besonders gut gefällt, weil "ich so meine Erfahrungen weitergeben" kann. Und das macht er auf eine spezielle Weise: "Wenn ich zu den Jugendteams gehe, dann trainiere ich mit ihnen und bleibe nicht an der Außenlinie. Auf dem Platz kann man ihnen mehr beibringen." Der 44-Jährige verriet dann auch ein paar Namen von talentierten Spieler seines Klubs: Mittelfeldmann Gabriel Menino (18) sei ebenso vielversprechend wie Defensivmann Vitao (19) und Angreifer Leo Passos (20). Ob einer von den dreien in die Fußstapfen des 88-maligen brasilianischen Nationalspielers treten wird können, das wird die Zukunft zeigen.

drm