Baumgartlinger kritisiert Konteranfälligkeit und Chancenverwertung

Bayers "wunder Punkt" - Bosz schließt die Tore

Sie wollen wieder mehr defensive Stabilität reinkriegen: Bayer-Coach Peter Bosz (l.) und Julian Baumgartlinger.

Sie wollen wieder mehr defensive Stabilität reinkriegen: Bayer-Coach Peter Bosz (l.) und Julian Baumgartlinger. imago

Es ist auffällig. In den ersten sechs Ligaspielen unter Peter Bosz hatte sich Bayer 04 überraschend defensivstark präsentiert. Trotz eines sehr mutigen Spielansatzes mit viel Ballbesitz und Personal in der gegnerischen Hälfte, trotz einer hoch stehenden Abwehr, trotz der Idee des Gegenpressings bei eigenen Ballverlusten. Trotz einiger taktischer Faktoren also, die - egal von welcher Mannschaft sie praktiziert werden - bei schlechter Ausführung dem Gegner besonders gute Möglichkeiten zum Kontern offerieren.

Doch was lange gut funktionierte, erwies sich in den beiden jüngsten Partien als Knackpunkt. Vier der letzten fünf Gegentore fielen nach Kontern. Zuvor hatte Bayer unter Bosz in der Liga keinen einzigen Treffer nach schnellem Umschaltspiel des Gegners kassiert. In Sinsheim beim 1:4 gegen Hoffenheim waren es gleich drei. Und beim 1:3 gegen Bremen gelang es Bayer außer bei dem klassischen Kontertor von Werder zum Endstand auch bei den anderen beiden Gegentreffern nicht, nach Ballverlusten früh genug wieder in die Ordnung zu finden. So konnten sich damals wie am Freitag Bremer bzw. Hoffenheimer Offensivakteure größter Freiheiten erfreuen.

Bayer 04 Leverkusen - Die letzten Spiele
Bayern (A)
1
:
2
Lok Moskau (A)
0
:
2
Spielersteckbrief Baumgartlinger

Baumgartlinger Julian

Bundesliga - 27. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Borussia Dortmund
63
2
Bayern München
61
3
RB Leipzig
52

Julian Baumgartlinger, der bei Bayer der Akteur mit dem vielleicht größten taktischen Gespür für die Balance zwischen Offensive und Defensive ist, erklärt die Probleme anhand von zwei Aspekten: "Das sind Situationen, die aus Offensivaktionen entstehen. Wenn wir ballsicher agieren, ist es auch für den Gegner schwierig, vor allem, wenn sie weiter von unserem Tor weg in Ballbesitz kommen. Wir hatten in Hoffenheim zu viele Situationen, gerade nach dem 1:2, als es ein Spiel auf Augenhöhe war und in beiden Richtungen hätte laufen können, in denen wir den Ball zu früh hergeschenkt haben und nicht mehr in der Ordnung waren und so Hoffenheim zum Kontern eingeladen haben."

"Denke nicht, dass es etwas mit Bosz zu tun hat"

Die Werkself hat in ihrem Spiel an Kompaktheit verloren. Schon nach dem 1:3 gegen Bremen hatte Baumgartlinger die Halbräume als Schwachstelle von Bayer ausgemacht, über die Werder seine Angriffe relativ ungestört initiieren konnte. Schaltet sich Baumgartlinger zudem als einziger Sechser wie vor dem 0:1 in Sinsheim richtigerweise mit nach vorne ein, fehlt selbst bei einem Ballverlust nahe des gegnerischen Strafraums jegliche Absicherung im Mittelfeld, das mit den beiden Achtern, Julian Brandt und Kai Havertz, die eigentlich Zehner sind, ohnehin schon sehr offensiv ausgerichtet ist. Clevere und zugleich spielstarke Teams wie Werder und 1899 nutzten dies nach Leverkusener Ballverlusten eiskalt. "Hoffenheim hat die wunden Punkte in dem mutigen System, das wir haben, gezielt angespielt", analysiert Baumgartlinger, der eine Systemdiskussion aber ausdrücklich als falschen Ansatz deklariert: "Bremen und Hoffenheim haben zusammen sieben Tore gegen uns geschossen, aber wir hätten aus beiden Spielen als Sieger hervorgehen können. Ich denke nicht, dass es etwas mit Peter Bosz und seinem System zu tun hat. Der Schlüssel bei den letzten beiden Niederlagen ist gewesen, dass wir gegen Bremen und Hoffenheim unsere Chancen nicht genutzt haben."

Die Schlussfolgerung für das Spiel gegen RB Leipzig am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) ist klar: Weniger Konter zulassen und die eigenen Chancen besser verwerten. Baumgartlinger sagt: "Leipzig ist ein ähnlich abgeklärtes, sehr gut organisiertes Team, auch eiskalt. Da wissen wir eigentlich schon, was wir aus dem Hoffenheim-Spiel mitnehmen müssen, um es besser zu machen." Das eigene Tor schließen, vorne selbst Tore schießen. Damit nach Boszs zwischenzeitlichem Torschluss am Dienstag nicht am Samstag das Tor zur Königsklasse für Bayer 04 endgültig zuschlägt.

Stephan von Nocks