Emotionaler Abend in Dortmund

Hall of Fame eröffnet - "Das ist keine steinerne Walhalla"

Sepp Maier, Paul Breitner (vorne, von l.), Günter Netzer, Paul Breitner, Matthias Sammer, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus (hinten, l-r).

Sepp Maier, Andreas Brehme (vorne, von l.), Günter Netzer, Paul Breitner, Matthias Sammer, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus (hinten, l-r). picture alliance

Es war ein bewegendes Stelldichein der Stars, ein Klassentreffen der Größten der Großen, ein launiger Nostalgie-Trip, ein berührendes Legenden-Treffen, ein Abend voller hübscher Anekdoten, lockerer Sprüche und manchmal auch nachdenklicher Erinnerungen, als die Gründungself in die neue Hall of Fame aufgenommen wurde. Zusammengestellt von 28 Fachjournalisten, zu denen auch kicker-Chefredakteur Jörg Jakob gehörte.

Bis auf den an Alzheimer erkrankten Gerd Müller nahmen alle noch lebenden Mitglieder dieser "sehr offensiv ausgerichteten" Mannschaft (Matthäus) ihre Ehrung persönlich entgegen; Fritz Walter, Helmut Rahn und Sepp Herberger als Trainer wurde sie posthum verliehen. Eine historische Elf von außergewöhnlichen Spielern und Persönlichkeiten wird von nun an im Deutschen Fußball-Museum erfahrbar gemacht. "Das ist keine steinerne Walhalla", wie Museumsdirektor Manuel Neukirchner betonte, "diese Hall of Fame besticht durch Leichtigkeit und Bewegung."

Beckenbauer prophezeit Seeler noch ein sehr langes Leben

Ausgezeichnet wurden Welt- und Europameister, Typen und Vorbilder, Fußballer, die Geschichte geschrieben und ihren Anhängern unvergessliche Momente bereitet haben. Bei Uwe Seeler erhoben sich die Besucher der Gala von ihren Stühlen, der mittlerweile 82-Jährige wurde als "Held aus dem Volk" gewürdigt. Der schwer unter Beschuss geratene DFB-Präsident Reinhard Grindel in seiner Laudatio: "Uwe Seeler verkörpert alles, was sich ein Fan von einem Idol wünscht. Einsatzbereitschaft und Bescheidenheit." Franz Beckenbauer, der seine öffentlichen Auftritte sparsam dosiert und in Dortmund als "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" seine verdiente Anerkennung erfuhr, prophezeit "Uns Uwe" noch ein sehr langes Leben. Warum Seeler "mindestens 200 Jahre alt" wird, begründete Beckenbauer mit einem Augenzwinkern so: "Du hast auch Luggi Müller und Katsche Schwarzenbeck überlebt."

Vier bis fünf neue Mitglieder pro Jahr

Dass Sepp Maier der "Erfinder der guten Laune" und "erster Entertainer des großen Fußballs" sei, verriet Laudator Jean-Marie Pfaff, "alle großen Pokale sind voll von Sepps Fingerabdrücken". Dass für den beidfüßigen Andreas Brehme "der Begriff Technik erfunden wurde" und dass Franz Beckenbauer zu seiner Zeit "den modernen Fußball vorweggenommen" habe, hob Philipp Lahm hervor. Als Kapitän der Weltmeister-Mannschaft von 2014 dürfte auch er schon bald in die Hall of Fame aufgenommen werden und dann ebenfalls zu dieser Ansammlung "unglaublicher Fußballer" gehören: Die Experten-Jury wird in jedem Jahr vier bis fünf neue Mitglieder benennen.

"Der Gerd ist der Allergrößte von uns allen"

Ihre wohl emotionalsten Momente erlebte die Gala am Montagabend, als Paul Breitner die Auszeichnung für Gerd Müller entgegennahm. Breitner hatte den als "Bomber der Nation" berühmt gewordenen Angreifer noch am Samstag in seinem Heim besucht. "Der Gerd", sagte Breitner mit bewegter Stimme, "ist nach den Jungs von 1954 der Allergrößte von uns allen. Ohne ihn wäre die unglaubliche Erfolgsgeschichte von DFB und FC Bayern München nicht denkbar."

Die Gründungself der Hall of Fame

Tor: Sepp Maier
Abwehr: Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Andreas Brehme
Mittelfeld: Fritz Walter, Lothar Matthäus, Matthias Sammer, Günter Netzer
Angriff: Helmut Rahn, Gerd Müller, Uwe Seeler

Thomas Hennecke

kicker.tv Hintergrund

Eröffnung der "Hall of Fame"

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