24-Jähriger hat beim Club wieder Anschluss gefunden

Kerk: LKW, Sportwagen, Boxenstopp, "bester Mann"

Sebastian Kerk

Hat sich wieder rangekämpft: Sebastian Kerk. imago

Der persönliche Saisonverlauf des Sebastian Kerk mag vieles sein, eines ist er gewiss nicht: langweilig. Der auf der Außenbahn beheimatete Rotschopf fühlte sich erst wie ein LKW, später dann wie einer, der den Anschluss wieder geschafft hatte, um plötzlich erneut die Tribüne seinen Stammplatz nennen zu müssen. In der Wintervorbereitung schrieb ihn der Trainer schon ab, und nun ist er wieder mitten drin statt außen vor. Viermal hat der 24-Jährige zuletzt das Ticket für die Anfangsformation in die Hand gedrückt bekommen - und es deutet momentan nichts darauf hin, dass sich dies ändern sollte.

Doch der Reihe nach. Im vergangenen Sommer nahm er als Rekonvaleszent die Vorbereitung auf, der ein Jahr lang keine Spielpraxis mehr sammeln durfte. Schuld daran hatte seine Achillessehne, die riss rund ein Jahr zuvor nach einem blendenden Saisonstart in Liga 2 im Spiel gegen Union (2:2) - und dies noch dazu direkt am Ansatz und damit an der denkbar ungünstigsten Stelle, was wiederum das Gesunden verlängerte wie verkomplizierte. Entsprechend mühsam waren die ersten Gehversuche unter quasi Wettkampfbedingungen selbst gegen fünftklassige Amateurklubs. "Ich fühle mich wie ein LKW", meinte Kerk einst im Sommer scherzend.

Spielersteckbrief Kerk

Kerk Sebastian

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
64
2
Borussia Dortmund
63
3
RB Leipzig
55

Erneuter Boxenstopp und eine düstere Prognose

Im Verlauf der Hinrunde verwandelte sich der "LKW" sukzessive wieder in einen Sportwagen, was ihm fünf Startelf-Einsätze in Serie bescherte. Ein richtiges Durchstarten war es allerdings nicht, die lange Wettkampfpause merkte man Kerk an, und auch wenn er in einigen Szenen sein Potenzial zeigte, so glich er unterm Strich doch eher einem Sportwagen, der seine PS nicht richtig auf die Straße bekommt. Der nächste Boxenstopp war die Folge - und in der Wintervorbereitung schien aus diesem gar die komplette Stilllegung für diese Spielzeit zu drohen. Muskuläre Probleme plagten Kerk so sehr, dass an volle Belastung nicht zu denken war. Mitten im Trainingslager in Spanien sah sich sein damaliger Trainer Michael Köllner deswegen bemüßigt, eine düstere Prognose abzugeben: In dieser Spielzeit werde es wohl nicht mehr gelingen, Kerk hinzubekommen.

Das Gefühl eines Stammspielers

Köllner irrte sich bekanntlich, auch unter ihm bekam Kerk schon Einsatzzeiten - und jetzt darf er sich gar als Stammspieler fühlen nach seinen jüngsten vier Einsätzen von Beginn an. Die waren nämlich richtig ordentlich - im Vergleich zur Hinrunde wirkt er stabiler, fitter und auch spritziger. Ob es daran liegt, dass die Mannschaft insgesamt wesentlich kompakter auftritt, oder dass sein Körper mehr und mehr die lange Verletzungspause verdaut hat, sei mal dahingestellt.

Vermutlich ist es ein Mix aus beidem. Das Resultat jedenfalls ist für den Club wie auch für ihn persönlich erfreulich. Die Franken können ihn in dieser Verfassung jedenfalls richtig gut gebrauchen. Das beginnt damit, dass er auf der linken Seite sehr mannschaftsdienlich wie auch gut nach hinten arbeitet, ohne dass dies zu Lasten einer offensiven Präsenz geht. Bei seinem Aufritt als Linksverteidiger für den gelbgesperrten Leibold beim jüngsten Auswärtsspiel in Frankfurt (0:1) demonstrierte er seine defensiven Qualitäten.

"Bester Mann für ruhende Bälle"

Und dann sind da selbstredend noch seine Standards, die er mit viel Effet und Zug in den Strafraum zu treten versteht. Nach dem Ausfall von Enrico Valentini darf sich er sich beim Club das Etikett "bester Mann für ruhende Bälle" ans Revers heften. Kurzum: Wenngleich Virgil Misidjan und Matheus Pereira für den Abstiegsknaller beim VfB wieder in die Stammelf drängen, so muss sich Kerk im Gegensatz zu dem beim 3:0 über den FCN erneut enttäuschenden Kubo keine Gedanken machen. Zumal ihm Interimstrainer Boris Schommers gegen die Augsburger eine "gute Leistung" attestiert und ihn explizit dafür gelobt hat, dass er "sich für die Mannschaft aufgeopfert" habe.

Wenn nun Kerk selbst mit Blickrichtung auf den nächsten Samstag davon spricht, dass es ein "Spiel auf Augenhöhe wird", und dass der Club es "einfach so angehen muss wie das gegen Augsburg", dann meint er damit: kompakt, kampfeslustig und konterstark. Was es aber auch heißt: Er wird seinen Teil dazu beitragen dürfen.

Christian Biechele