Bundesliga

Krannich: "Hatten über 550 manipulierte Spiele"

Einblick in die Überwachung der internationalen Wettmärkte

Krannich: "Hatten über 550 manipulierte Spiele"

Andreas Krannich

Bekämpft Wettmanipulation: Andreas Krannich. sportradar-privat

Herr Krannich, wie groß ist Sportradar mittlerweile?
Wir sind über 2000 Mitarbeiter und haben 2018 mehr als 300 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Wirft auch der "Integrity Services", der das Wettgeschehen weltweit überwacht, Gewinn ab?
Der Bereich, den ich verantworte, ist der einzige, der bei Sportradar kein Plus gemacht hat. 2018 waren es fast zwei Millionen Euro minus. Wir haben über 100 Festangestellte und arbeiten nicht kostendeckend. Unsere Motivation ist etwas zurückzugeben, da wir insgesamt sehr erfolgreich im Sportbereich sind. Außerdem ist es ein Service über den wir mit Sportverbänden in Kontakt kommen und mögliche andere Geschäfte anbahnen können.

Wie häufig sind Betrügereien?
Im vergangenen Jahr hatten wir über 550 manipulierte Spiele, aber das betraf nicht nur den Fußball. Insgesamt überwachen wir über 20 verschiedene Sportarten und arbeiten dazu mit über 80 nationalen und internationalen Sportverbänden zusammen und kooperieren mehr und mehr mit nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden.

Wie groß ist die Rolle des Fußballs?
Dominant. Hier überwachen wir am meisten Spiele. Im Auftrag der FIFA analysieren wir den gesamten professionellen Fußball weltweit, das heißt alle wettrelevanten ersten und zweiten Ligen sowie Pokal-Spiele. Darüber hinaus haben wir auch noch Vereinbarungen mit Nationalverbänden, so auch mit dem DFB und der DFL, die 2005 unsere ersten Partner waren. In Deutschland überwachen wir die Wetteinsätze für über 7000 Spiele pro Jahr von der Nationalmannschaft abwärts bis zur A-Junioren-Bundesliga.

Wie oft schlägt das Warnsystem an?
Dazu darf ich mich nicht äußern, auch nicht zu den Zahlen bei der UEFA, FIFA oder im Tennis, E-Sports, Darts oder Snooker. Wir haben Vertraulichkeit vereinbart.

Sind Einzelsportarten wirklich besonders anfällig?
Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite will der Wett-Manipulator aber möglichst viel Geld einsetzen und gewinnen, das ist primär in den besonders attraktiven Sportarten wie Fußball möglich. Allerdings sehen wir in den vergangenen Jahren auch einen deutlichen Trend in Richtung Amateursport, Jugendbereich oder Frauensport.

Welche Wetten sind im Fußball besonders attraktiv für Manipulationen? Erstens die europäische Gewinnwette, also das Tippen auf Heimsieg, Unentschieden oder Auswärtssieg. Zweitens die Handicap-Wette, die in Asien erfunden wurde, wo Unentschieden und Favoriten unbeliebt sind. Hierbei wird die vermeintlich stärkere Mannschaft mit Minustoren belegt, wenn also zum Beispiel Dortmund und der 1. DFB-Pokal-Runde bei einem Amateurverein antritt, bekommt die Borussia vielleicht minus 3,5 Tore. Sie müsste also mit vier Toren Unterschied siegen, damit man die Wette gewinnt. Drittens gibt es dann noch die Totals-Wette, wo auf die Zahl der Tore, die insgesamt fallen, gewettet wird. Bei Manipulationen im Fußball wird in über 98 Prozent der Fälle eine dieser drei Wettarten oder eine Kombination daraus gespielt.

Anlässlich der Wiederauflage des Duells Paderborn - HSV im diesjährigen DFB-Pokal-Viertelfinale hat der kicker in seiner aktuellen Printausgabe mit einem großen Report (Montagsausgabe) das Thema Spielmanipulation betrachtet. Neben einem großen Interview mit Sergej Barbarez, der sich an die Skandal-Begegnung von damals erinnert, wird auch der Frage nachgegangen, ob der Fußball heutzutage noch sicher ist.

Sehen Sie sich selbst gefährdet? Hier finden Sie Hilfe:

gemeinsam-gegen-spielmanipulation.de

bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung/gluecksspielsucht/verzockt-informationen-zur-spielsucht-fuer-jugendliche

dfl.de/de/hintergrund/ombudsmann/unabhaengiger-ansprechpartner-der-ombudsmann/

Interview: Michael Ebert