Froböse will Gaming ins Arbeitsleben bringen

DSHS: Gamer sind bessere Arbeitnehmer

Konzentrations- und Teamfähigkeit sind in vielen Jobs essenziell. Der eSport trainiert viele Fähigkeiten, die auch im Arbeitsleben von Vorteil sind

Konzentrations- und Teamfähigkeit sind in vielen Jobs essenziell. Der eSport trainiert viele Fähigkeiten, die auch im Arbeitsleben von Vorteil sind. eSport Studio

Suchen Unternehmen nach neuen Angestellten, fordern sie häufig Skills wie Belastbarkeit, Teamfähigkeit und schnelle Auffassungsgabe. Alles Dinge, die im eSport unentbehrlich sind und Dauer-Zockern in Fleisch und Blut übergehen. Taugt eSport also als Jobqualifikation? Bisher wohl nur eingeschränkt. Denn es wird kaum Eindruck auf den Personalverantwortlichen machen, dass man sich die Nächte mit FIFA um die Ohren geschlagen hat, um beim FUT-Qualifier dabei zu sein.

Gamer haben besondere Qualifikationen

Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln (DSHS) hält das allerdings für falsch. "Ich würde gerne mal den umgekehrten Weg gehen", sagt er und fragt: "Was hat der Alltag, der Beruf, vom Gamer?" Viele aus Sport und Beruf könnten von bestimmten Skills profitieren, die man beim Spielen erwerbe, so Froböse weiter. Manager und Angestellte sollten eher von den Fertigkeiten lernen, die ein Zocker mitbrächte. "Wir sehen bereits jetzt, dass der eSport viele Fähigkeiten benötigt, die auch im Berufsalltag eine besondere Rolle spielen. Ein League of Legends-Team, das aus fünf Personen besteht, muss zum Beispiel über gute Kommunikationskompetenzen und Problemlösungsstrategien verfügen, um erfolgreich zu sein. Der Teamkapitän muss in der Lage sein, Spieler zu führen und sie ihren Stärken entsprechend einzusetzen. Ich bin also ein besserer Arbeitnehmer."

Integration in den Arbeitsalltag

Froböse forscht an der DSHS zurzeit am Thema eSport und hat aus einer ersten Befragung mit 2000 Amateuren und Profis bereits einen Leistungstest entwickelt, der eSportlern eine Einschätzung gibt, in welchen Feldern es für sie noch Verbesserungspotenzial haben. Zusätzlich zur Grundlagenforschung geht Froböse mit seinem Team der Frage auf den Grund, wie man eSport als betriebliche Gesundheitsförderung einsetzen kann. Die Forschung der DSHS wird maßgeblich von der AOK Rheinland/Hamburg finanziert und die hat Froböse explizit gebeten, in dieser Richtung Konzepte zu entwickeln.

zum Thema:

Froböse schwebt eine konkrete Integrierung in den Arbeitsalltag der Firmen vor. "Der eSport bietet die Möglichkeit, Kompetenzen im kleinen Rahmen und kostengünstig zu trainieren." Man arbeite derzeit daran, wie man diese Chancen optimal nutzten könnte, und in die Betriebe bringe.

Ergebnisse will Froböse spätestens 2020 vorlegen

"Vorstellbar wäre unter anderem ein Mentoring-Programm, in dem Auszubildende mit hoher eSport-Affinität als Ausbilder für ihr Kollegium fungieren. Ein Gedanke hinter diesem Ansatz wäre auch, auf diese Weise den betriebsinternen Zusammenhalt zwischen den einzelnen Hierarchieebenen sowie die Identifikation mit dem Arbeitgeber zu stärken." Der Azubi also, der dem Chef zeigt, wie League of Legends gespielt wird. Seine Ergebnisse will Froböse bis spätestens 2020 in Form von konkreten Plänen und Handlungsanleitungen vorlegen. Immer wieder betont der Professor, dass eine Empfehlung auf Basis wissenschaftlicher Fakten anderes Gewicht habe, als eine einfache Erklärung. Es ist also gut möglich, dass Froböses Ansatz einst auf offene Ohren trifft.

Holm Kräusche