Frust und Verzweiflung nach Englands 5:1 in Montenegro

Rassismus-Skandal überschattet Hudson-Odoi-Gala

Raheem Sterling, Danny Rose und Callum Hudson-Odoi (v.l.)

Bedrückende Gala: Raheem Sterling, Danny Rose und Callum Hudson-Odoi (v.l.). Getty Images/imago (2)

Eigentlich sollte es an diesem Dienstagmorgen um diese Themen gehen: Callum Hudson-Odoi, der vorige Woche eigentlich für U 21 debütieren sollte , legt mit der Erfahrung von 119 Premier-League-Minuten beim 5:1-Sieg der englischen A-Nationalmannschaft in Montenegro eine aufsehenerregende Startelfpremiere hin. Teilweise, schreibt der "Guardian", "war er nicht zu verteidigen" - keiner war an mehr Chancen beteiligt als das 18-jährige Chelsea-Eigengewächs.

Die Bayern werden ahnen, dass dieser Abend in Podgorica ihren Wunschspieler nicht billiger gemacht hat. "Ich muss nicht über Callum sprechen", sagte Trainer Gareth Southgate über den U-17-Weltmeister von 2017. "Das hat schon seine Leistung getan. Jeder kann sein Talent sehen." Nach dem 5:0 gegen Tschechien am Freitag , als Hudson-Odoi als Joker debütiert hatte, hat Southgates Mannschaft in der EM-Qualifikation das nächste Zeichen gesetzt. "Das war heute ein guter Charaktertest." Mit England, am Montag ohne Stones, Alexander-Arnold, Sancho oder Rashford angetreten, wird mutmaßlich auch bei der EM 2020 zu rechnen sein; sie endet in Wembley.

Hinterher sieht nur Montenegros Trainer "keinen Grund, das zu kommentieren"

Doch um all das ging es in den Stunden nach dem Schlusspfiff nicht. Danny Rose, offenbar auch Raheem Sterling und Hudson-Odoi, wurden während der 90 Minuten derart offensichtlich mit Affenlauten von den Rängen bedacht, dass einzig Montenegros Trainer Ljubisa Tumbakovic hinterher "keinen Grund" sah, "warum ich das kommentieren sollte". Sogar Teenager Hudson-Odoi, in dessen Richtung auch ein Feuerzeug geflogen war, gab ein Interview zu dem Thema ("Diskriminierung sollte es nirgendwo geben - wir sind alle gleich"), das ob der Eloquenz ähnlich gelobt wurde wie seine Leistung.

Die FA hat die UEFA bereits eingeschaltet. Deren Disziplinarkommission eröffnete inzwischen ein Verfahren gegen den montenegrinischen Verband und wird sich am 16. Mai mit dem Fall befassen.

Der beste Weg, um die Hater zum Schweigen zu bringen (und ja, ich meine Rassisten).

Raheem Sterling auf Instagram über seinen Torjubel

Als Sterling den 5:1-Endstand erzielt hatte, hielt er sich mit einem Lächeln in Richtung der Heim-Fans beide Ohren zu. "Der beste Weg, um die Hater zum Schweigen zu bringen (und ja, ich meine Rassisten)", schrieb er danach bei Instagram samt Kuss-Smiley und sagte später: "Ich wollte sie nur wissen lassen, dass sie mir mehr erzählen müssen, als dass wir schwarz sind und wem wir ähneln, um uns zu beeinflussen. Das war die Botschaft. Ich war glücklich, getroffen zu haben und ihnen etwas zu geben, über das sie reden können."

Sterling fordert Kollektivstrafen - Emotionaler Southgate denkt an die Erziehung

Wie auch Hudson-Odoi appellierte Sterling an die UEFA. "Es ist 2019, und es sollte eine echte Strafe dafür geben, nicht nur für die Wenigen, die ausgeschlossen werden", so der ManCity-Torjäger, der in seiner Karriere schon viel zu viele solcher Erlebnisse hinter sich hat . "Man kann Einzelne bestrafen, aber was wird das ändern? Es muss eine kollektive Sache sein. In diesem Stadion haben 15.000 Zuschauer Platz. Ich denke, dass die Bestrafung für eine Nation sollte sein, dass das ganze Stadion nicht zuschauen kann, wenn die Fans rassistische Beschimpfungen rufen. Dann werden Fans zweimal darüber nachdenken."

Wir zeigen eine ausgezeichnete Leistung und nach dem Spiel muss ein 18-Jähriger Fragen zu diesen Vorkommnissen beantworten.

Gareth Southgate

Wie sind die Rassisten beim Fußball zu stoppen? Diese verzweifelte Frage beschäftigte auch Southgate in seiner rund 15-minütigen, emotionalen Pressekonferenz. "Wir zeigen eine ausgezeichnete Leistung und nach dem Spiel muss ein 18-Jähriger Fragen zu diesen Vorkommnissen beantworten. Dabei sollte sich der Abend für ihn eigentlich um die Freude nach seinem Debüt über 90 Minuten drehen", meinte der Trainer frustriert. "Ich habe zu Beginn des Spiels nichts gehört, aber mir wurde gesagt, dass es auch dort schon Dinge gegeben hat. Ich habe es ganz sicher gehört, als Danny Rose verwarnt wurde (in der Nachspielzeit, d.Red.). Das war jedem klar. Es ist inakzeptabel."

Doch er meint: "Sanktionen sind wertlos, wenn es dazu nichts gibt, das dabei hilft, die Leute zu erziehen. Meine Kinder denken keine Minute daran, wo Menschen geboren wurden, welche Sprache sie sprechen und welche Hautfarbe sie haben. Junge Menschen haben diese Unschuld, die nur von älteren beeinflusst wird. Also müssen wir sicherstellen, dass die Erziehung für jeden richtig ist, das gilt auch für unser Land. Es ist nicht so, dass ich hier sitze und nur das kritisiere, was heute Abend passiert ist. Wir haben in unserem Land dasselbe Problem, wir sind davon nicht frei." Man könne also weiter Vereine sanktionieren, "aber das wird ein oder zwei Menschen mit einer bestimmten Denkweise nicht davon abhalten. Deshalb müssen wir junge Leute erziehen, weil bei ihnen die Erfolgschance größer ist."

jpe