Frankreich macht direkt wieder Spaß

Satter Weltmeister? Von wegen! Mbappé & Co. sind hungrig

Antoine Griezmann und Kylian Mbappé

Gute Laune im französischen Weltmeister-Team: Antoine Griezmann und Kylian Mbappé. imago

Gleich zum Auftakt der EM-Qualifikation in Moldawien beim vermeintlich krassen Außenseiter in Gruppe H antreten zu müssen, kann auch zu einem Stolperstein für einen Giganten werden. Frankreich aber meisterte die Aufgabe beim Team um den italienischen Erstliga-Profi Artur Ionita (Cagliari Calcio) äußerst souverän und zeigte beim 4:1-Auftaktsieg alle Qualitäten: Nach einer Abtastphase traf Antoine Griezmann volley zum 1:0, ehe Raphael Varane die Kopfballüberlegenheit bei Standards zum 2:0 nutzte. Olivier Giroud erhöhte noch vor der Pause aus kurzer Distanz auf 3:0, wurde mit seinem 34. Länderspieltreffer drittbester französischer Torjäger aller Zeiten (jetzt gleichauf mit David Trezeguet), und der immer noch blutjunge Kylian Mbappé (20) besorgte das 4:0 kurz vor Schluss. Einziges Manko einer souveränen Vorstellung: Vladimir Ambros wurde noch der Ehrentreffer gewährt.

Ansonsten hat der amtierende Weltmeister der jagenden Konkurrenz gezeigt, dass er mit dem Druck des 2018er Titels bestens umgehen kann - und bereit für neue Ziele ist. Diese lauten: EM-Qualifikation in der Gruppe H eintüten, dabei die vermeintlich stärksten Konkurrenten Island (direktes Duell in Paris St. Denis am heutigen Montag, 20.45 Uhr) sowie die Türkei hinter sich lassen und sich wappnen für den nächsten großen Titelangriff 2020.

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Deschamps: "Immunität existiert nicht"

Dass Trainer Deschamps, selbst als Spieler einst an der Seite von Zinedine Zidane, Lilian Thuram & Co. Weltmeister (1998) sowie direkt im Anschluss Europameister (2000) geworden, dabei trotz seiner Leistungen unter Druck steht, ist dem 50-Jährigen bewusst. WM-Titel hin oder her, "Immunität existiert nicht", sagt Deschamps im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Der WM-Erfolg von 2018 sei "wunderbar für mich und die Spieler, aber die Erwartungen an mich sind sehr hoch - und ich werde daran gemessen", so Frankreichs Weltmeisterkapitän von 1998 weiter. "Die Erfahrung war äußerst positiv, keine Frage. Aber das Leben geht weiter. Ich glaube, ich habe meine Ansprüche an mich noch erhöht."

Vergleiche mit Deutschland und Spanien

Deschamps zieht bei seiner Mannschaft Parallelen zur deutschen Weltmeister-Elf von 2014 in Brasilien. Man sei wie die DFB-Auswahl damals in Rio nicht von einem Spieler abhängig gewesen: "Die Deutschen hatten sehr viele gute Spieler im Team. Aber gab es einen, der besonders herausragte?" Er geht sogar noch weiter zurück. Und zwar Richtung 2010, "als Spanien siegte. In diesen Teams gab es nicht einen Star, sondern mehrere, die es verstanden, im Kollektiv zu spielen".

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Das sei eine wichtige Entwicklung im Profifußball. Deschamps dazu: "Heute baut man eine Mannschaft auf mehrere Top-Spieler auf. Spanien und Deutschland hatten sehr gute Spieler im Team, aber sie lebten auf ihren Wegen zum WM-Sieg vor allem vom jeweils starken Kollektiv. Individualisten machen den Unterschied, ja, aber sie müssen Teil des Kollektivs sein. Dann wirken sie auch viel stärker." Das scheint dem Trainer bislang gut zu gelingen, schließlich ordnen sich Akteure wie Paul Pogba, Griezmann oder Mbappé dem Teamgedanken unter - um in den entscheidenden Momenten doch ihre individuelle Klasse zu zeigen und Spiele so zu entscheiden. Auch gegen Island?

Kritische Stimmen? "Ich höre da nicht zu"

Dauerdiskussionen im Umfeld ( Ist Griezmann überschätzt? Stellt Deschamps immer richtig auf? Wäre der wieder zu Real Madrid gegangene Zinedine Zidane nicht der noch bessere Trainer? ) lassen ihn bei seiner Arbeit kalt. "Populäre oder unpopuläre Entscheidungen werden entsprechend beurteilt, aber wir als Nationaltrainer bekommen Informationen, die Außenstehenden nicht zur Verfügung stehen. Trotzdem glaubt jeder, etwas zu Entscheidungen sagen zu können", meint der 50-Jährige und stellt klar: "Ich höre da nicht zu, dafür verschwende ich keine Energie."

mag

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