Vorbild Schalke? PENTA hält eigene Strategie für langfristiger

PENTA 1860 mit besserer Zukunftsplanung?

"FC Schalke war kein Orientierungspunkt für uns", sagt Andreas Schaetzke von PENTA.

"FC Schalke war kein Orientierungspunkt für uns", sagt Andreas Schaetzke von PENTA. kicker eSport

PENTA 1860 ist eine Kooperation aus dem Sportverein TSV München von 1860 und der eSport-Organisation PENTA Sports. Der neu gegründete Klub tritt in League of Legends an, und nicht, wie das für große Fußballvereine aktuell üblich ist, in FIFA. Da liegt ein Vergleich mit dem FC Schalke 04 nahe, der für die deutsche Fußball-Szene sehr früh in LoL an den Start ging und sich sogar einen Platz in Riots Franchise Liga gesichert hat. eSport ist eben nicht nur FIFA, das hat man auch bei PENTA 1860 verstanden. Wie sehr hat man sich in Berlin die Knappen als Vorbild genommen?

"Wir haben den Einstieg von Schalke 04 natürlich mitverfolgt und freuen uns, dass die Kollegen aus Gelsenkirchen solch eine Vorreiterrolle für die deutsche Fußballwelt und den digitalen Wandel eingenommen haben", sagt Andreas Schaetzke, Managing Director bei PENTA Sports gegenüber kicker eSport. Den Vergleich mit den Knappen scheut Schaetzke aber explizit: "Alles in allem war der FC Schalke aber kein Orientierungspunkt für uns", gibt er zu Protokoll. Eine Aussage, die bezweifelt werden darf, da Schalke in Deutschland für die meisten (Fußball)Vereine, die in den eSport einsteigen, durchaus einen Bezugspunkt darstellt - zumindest in der Entscheidungsfindung.

"Wir verfolgen langfristige Strategie"

Die Knappen sind das leuchtende Beispiel, dass sich ein Engagement lohnt, neue Zielgruppen erschließt und sogar zu einer kompletten Sparte wachsen kann, die Gewinn abwirft. Und Gewinn ist auch PENTA wichtig: "Rote Zahlen gibt es bei uns nicht", hatte Schaetzke schon im Interview mit uns gesagt. Es darf daher angenommen werden, dass der Sportverein TSV 1860 München in der Anbahnung der Kooperation mit PENTA zumindest mal einen Blick nach Gelsenkirchen geworfen hat. Schatzeke allerdings legt nach und erläutert, warum die Knappen kein Orientierungspunkt gewesen seien: "Dafür sind wir schon zu lange im eSport tätig und verfolgen eine langfristige Strategie."

Die Löwen brüllen

Tatsächlich ist PENTA schon drei Jahre länger im eSport tätig als Schalke. 2013 ist das Gründungsjahr der Berliner, die Knappen gaben 2016 ihr Engagement bekannt. Logisch also, dass Schalke für die eSport-Organisation PENTA nie ein Bezugspunkt war. Allerdings ist anzunehmen, dass Schalkes Werdegang für den TSV ein Thema war und der damit verbundenen Gründung von PENTA 1860. Die Erwähnung der langfristigen Strategie gibt zusätzlich Rätsel auf. Schalke hat jüngst acht Millionen Euro für einen Startplatz in der europäischen LEC bezahlt, langfristiger kann man im eSport derzeit kaum planen. PENTA will hingegen nun auf den Breitensport setzen und für den Gesamtverein eine eSport-Sparte aufbauen.

Ist Schaetzke es am Ende leid, mit den Knappen verglichen zu werden? "Wir wollen mit den Löwen zeigen, dass die Verbindung zwischen einem deutschen Traditionsverein und einer aufstrebenden eSport-Organisation wie PENTA funktionieren wird", sagt er. Im Lichte der vorangegangen Aussage liegt die Lesart nahe: Schaetzke will die eigenen Erfolge anerkannt wissen und hat langfristige Strategien im Gepäck, für die es keine Vorbilder braucht. Erst recht kein schnell gewachsenes Schalke; man selbst ist schon jahrelang dabei: Die Knappen sollen kein Thema in Berlin sein.

Schon in der kommenden Saison der ESL Meisterschaft könnten PENTA 1860 und Schalke aufeinandertreffen. Der Meistertraum von PENTA könnte spätestens dann ausgeträumt sein. Die Knappen treten in der ESLM zwar nur mit der zweiten Mannschaft an, die ist aber zumindest auf dem Papier deutlich besser, als die vom Beinahe-Absteiger PENTA 1860.

Holm Kräusche